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Nicht aufs Fromme zurückziehen − etwas riskieren
Von unserer Redakteurin Franziska Feinäugle
Heilbronn - Christlicher Glaube hat eine weltliche Dimension, es gilt, ihn im Leben zu zeigen: Wie das geschehen kann, skizzierte Joachim Beck, Direktor der Akademie Bad Boll, bei der Reformationsfeier in der Kilianskirche am Montagabend.
"Religion betrifft jede und jeden ganz privat − und ist gleichzeitig nichts Privates", erklärt der Theologe und belegt mit Stellen aus dem Alten und Neuen Testament, dass sich die Aufforderung zur Einmischung durch die Bibel zieht. So heißt es bei Jeremia: "Suchet der Stadt Bestes und betet für sie", was auf heute übertragen bedeutet: "Kümmert euch um das Gemeinwohl, engagiert euch in euren Wohngebieten und Quartieren", interpretiert Beck.
Licht der Welt
Christen sollen das Salz der Erde und das Licht der Welt sein: In diese Bilder kleidet Jesus in der Bergpredigt die Aufforderung zum Engagement. Nach Martin Luther haben sich Glaube und Spiritualität vor allem in zwei Bereichen zu bewähren: in der Familie und im Beruf, also, geweitet gesehen, im gesellschaftlichen Leben. Das Wort Berufung, so Beck, "zeigt etwas von der religiösen Dimension unserer Alltagsarbeit".
Aber wie zeigt sich der Glaube überhaupt im alltäglichen Leben? Die private Form ist die Frömmigkeit − Tischgebet, Abendgebet, Bibellesen − die erste von drei Dimensionen der Religion, wie sie der Theologe Dietrich Rössler unterscheidet. Die zweite Form ist das kirchliche Christentum in Gestalt von Gemeindeleben und öffentlichen Verlautbarungen.
Als dritte Dimension kommt das öffentliche Christentum hinzu: "Wenn man bei Tag nach Heilbronn hineinfährt, kann man sich locker an der Kilianskirche orientieren", führt Beck an. Der Schutz der Feiertage und öffentliche Erwartungen an die Kirche sind weitere Beispiele.
Hoffnung statt Zweck
"Wo eine Dimension verloren geht, verliert das Ganze", sagt Beck und plädiert dafür, die dritte Dimension zu pflegen. Protestantismus "widersetzt sich dem Rückzug in die Frömmigkeit − er riskiert etwas".
Die Dinge beim Namen nennen, die Hoffnung hochhalten gegen Untergangsszenarien, Einspruch erheben, wo es um Verzweckung geht: Auf viele Arten können Christen gestaltend wirken. Vor allem sollen sie die Fülle, von der sie wissen, erkennbar machen: "Diese Fülle ist ein Widerspruch zur Ökonomisierung unseres Daseins", so Beck. "Gottes Fülle kennt Unverrechenbares."
Die Reformationsfeier mit Dekan Otto Friedrich und Pfarrerin Gunhild Riemenschneider wurde musikalisch umrahmt von den Kirchenchören Böckingen und Klingenberg unter Leitung von Thomas Astfalk, vom Heilbronner Bläserensemble (Leitung: Martin Schönfeld) und Bettina Astfalk-Lehmann (Orgel).
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