Neuer Prälat will Botschafter der Basis sein

Neuer Prälat will Botschafter der Basis sein
Kirche: "Zukunftsfähige Strukturen schaffen, die uns nahe bei den Menschen sein lassen."Fotos: Ralf Seidel 

Harald - Heilbronn hat einen neuen Prälaten, Harald Stumpf. In der Nachfolge von Hans-Dieter Wille wird er am Sonntag, 15 Uhr, in der Kilianskirche von Landesbischof Frank Otfried July ins Amt eingesetzt. Stumpf ist evangelischer Regionalbischof von 15 Kirchenbezirken in Nordwürttemberg. Im Gespräch mit unserem Redakteur Kilian Krauth sagt er als "Botschafter der Basis" werde er "alles dafür tun, dass die Kirche lebendig bleibt".

Wie geht es Ihnen?

Harald Stumpf: Gesundheitlich nicht so gut. Ich hätte mein Amt gerne mit mehr Elan begonnen. Aber im Advent bekam ich eine Herpesenzephalitis, eine schwere Gehirnentzündung. Jetzt bin ich Gott dankbar für die wunderbare Heilung. Ich bin dankbar für den medizinischen Fortschritt und die ärztliche Kunst und danke allen, die für mich gebetet und mir Mut gemacht haben, allen voran meine Familie.

Wie bekommen Sie Ihren Beruf und Ihre Familie unter einen Hut?

Stumpf: Ich muss sagen, meine Frau und die vier Kinder waren mir immer ein Rückhalt. Sie haben sich in meinen Gemeinden gerne engagiert, das hilft gewisse Spannungen auszuhalten. Ich selbst versuche, dort wo ich bin, präsent zu sein und mich ganz auf den Augenblick und mein Gegenüber zu konzentrieren. Natürlich kann man manches nicht einfach ausblenden, aber um den Kopf frei zu bekommen, reicht oft ein Spaziergang.

Warum wurden Sie Pfarrer?

Stumpf: Vom Elternhaus wurde es mir nicht in die Wiege gelegt. Im Konfirmandenunterricht bin ich zum Glauben gekommen und dann in die kirchliche Jugendarbeit hineingewachsen − und als gradlinige Fortsetzung meines ehrenamtlichen Engagements habe ich dieses Hobby zum Beruf gemacht, aber im Sinne von Berufung, nicht einfach nur als Job.

Was bleibt da noch als Hobby?

Stumpf: Die Berge, mit weiten Wanderungen und Alpinski, ich habe auch eine Skilehrerausbildung. In Freudenstadt habe ich auch den Langlauf entdeckt, und in Heilbronn freue ich mich auf die Weinberge. Ich bin begeisterter Fußballfan. Dass ich FC-Bayern-Fan bin, sage ich lieber nicht. Ich bin gleichzeitig stark an Kunst interessiert. Im Prälatengarten plane ich eine Art Skulpturenpfad: von einem aus Metall gefertigten Engel, den mir Hauptschüler in Freudenstadt zum Abschied schenkten, bis hin zum blauen Schaf, das ich von einem Projektkünstler bekam.

Was halten Sie von dem umstrittenen Projekt Kilianskirchenfenster?

Stumpf: Es freut mich, wenn Menschen durch Kunst ins Gespräch kommen und sich Gedanken über Gott und den Glauben im sakralen Raum machen. Zum Fensterstreit möchte ich nichts sagen, da vertraue ich auf Dekan Friedrich und auf die Kirchengremien.

Ohne den Förderverein könnte sich die Kirche so etwas nicht mehr leisten. Wie sieht es denn mit den "Pflichtaufgaben" aus?

Stumpf: Die demographische Entwicklung stellt uns vor die Herausforderung, mit weniger Mitteln das Gemeindeleben zu gestalten. Vor allem auf dem Land wird es weniger Pfarrer geben. Wir müssen zukunftsfähige Strukturen schaffen, die uns weiterhin nahe bei den Menschen sein lassen, die trotz allem den Glauben fördern und das Wort Gottes hörbar machen, die unserem gesellschaftlichen Auftrag gerecht werden, auch an der Seite der Benachteiligten und Schwächeren.

Welcher Ruf eilt Heilbronn voraus?

Stumpf: Dass es hier keine Kindergartenbeiträge gibt, das ist sehr familienfreundlich. Auch die neuen Bildungsangebote sind beachtlich, die Stärke des Wirtschaftsraumes, das große und niveauvolle Kulturangebot. Und meine Kinder schätzen die Einkaufsmöglichkeiten.

Was nahmen Sie persönlich aus ihren bisherigen Wirkungsstätten mit?

Stumpf: Aus Vancouver die Liebe zur Ökumene, die Vielfalt an Spiritualität, den Blick über die eigene Disziplin hinaus und natürlich meine Englischkenntnisse. Die Zeit als Leiter des Bischofsbüros war für mich eine Art Berufsakademie. Dort habe ich die Kirche mit allen ihren Einrichtungen und Werken kennengelernt, aber durch die vielen Kontakte zu Politikern, Wirtschaft und Presse auch aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Und: wo das Wort der Kirche gefragt ist. In Freudenstadt war ich zur richtigen Zeit am richtigen Platz: Ich bin mit Leib und Seele Pfarrer, mein Herz brennt für die Gemeindearbeit und die Seelsorge, dafür hatte ich auch als Dekan Zeit.

Aber Herr Stumpf, mit Verlaub, warum wurden Sie denn dann Prälat?

Stumpf: Ich habe mich nicht beworben. Zum Prälaten wird man berufen. Aber ich denke, meine bisherigen Berufsfelder kann ich in diesem Amt gut verbinden: für diese Region zwischen Ballungsraum und ländlichem Raum, für die Gemeinden und für die Kollegen. Ich will gut zuhören und das Gehörte in die Kirchenleitung einbringen. Ja, ich will Botschafter der Basis sein und alles dafür tun, dass sie lebendig bleibt.

 



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