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Neue Zitterkälte zum Wochenende
Von unserer Redaktion
Region - Nach einem leichten Temperaturanstieg zum Donnerstag steht der Region bereits am Wochenende wieder Zitterkälte ins Haus. „Es ist ein Wechsel zwischen kalt und sehr, sehr kalt“, sagte Clemens Steiner, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst Stuttgart.
Kein Ende der Kälteperiode in Sicht
Im Südwesten war es am Dienstagmorgen in Merklingen auf der Schwäbischen Alb mit minus 22 Grad am frostigsten. Auch in anderen Orten auf der Alb und im Südschwarzwald wurden minus 20 Grad unterschritten. Die Temperaturen reichten jedoch nicht an die kältestens Werte vom Sonntag und Montag heran, als etwa in Leutkirch fast 25 Grad minus gemessen wurden. Für einen Rekord war es zu warm: Im Bibberwinter 1985 war das Quecksilber nach Angaben Steiners in Renningen (Kreis Böblingen) auf unter minus 31 Grad gesunken.
In Heilbronn und Öhringen sank das Quecksilber in der vergangenen Nacht auf minus 15 Grad. Eisige Minusgrade bis 15 Grad unter Null und weniger sind im Unterland auch in den letzten Jahren gemessen worden. Allerdings nur für einzelne Nächte, während die Temperatur seit einigen Tagen nicht nur nachts weit unter dem Gefrierpunkt liegt. Geht man von den frühlingshaften Messwerten Anfang Januar aus, ist das Thermometer im Vergleich zum aktuellen Stand um fast 25 Grad gefallen.
Erholung von der Kälte gibt es kaum: Auch bei den „wärmeren Tagen“ am Donnerstag und Freitag bleibt Nachtfrost die Regel. Tagsüber könnten sich die Temperaturen am Rhein laut Steiner aber fast schon der Null-Grad-Marke annähern. Erneuter Schneefall läute dann am Freitag den nächsten Wetterwechsel ein - und die Temperaturen gehen im Südwesten wieder weiter in den Keller. „Ein Ende der Kälteperiode ist vorerst nicht in Sicht.“
Eis auf dem Neckar
Innerhalb nur eines Tages hat die Kälte den Neckar in Heilbronn teilweise mit einem dicken Eispanzer überzogen. Flussaufwärts Richtung Stuttgart ist Schifffahrt auf bestimmten Strecken nicht mehr möglich. Zwischen Heilbronn und Mannheim versucht das Schifffahrtsamt, den Fluss freizuhalten. „Es sind zwei Schiffe mit Kohle nach Heilbronn und Walheim unterwegs. Wir versuchen alles, sie durchzukriegen“, sagte Amtsleiter Jörg Huber am Abend.
Michael Hönig (57) ist seit 1978 bei der Wasserschutzpolizei in Heilbronn. "Eine leicht geschlossene Eisdecke auf dem Neckar habe ich bisher noch nicht erlebt", sagt er.
Von einem extremen Jahr spricht auch Wolfgang Ernst, der Schichtleiter der Heilbronner Schleuse. "Ein bis zwei Zentimeter Eis sind kein Problem, doch jetzt sind es vier", sagt der 60-Jährige. Schweres Gerät muss her. Ein Arbeitsboot schiebt den Ponton durch den Schleusenbereich und bricht dadurch die Eisschicht auf. Damit die Schleusen auch bei anhaltender Eiseskälte reibungslos funktionieren, werden sie von fünf Mitarbeitern im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr in Funktion gehalten. Auch wenn kein Schiff geschleust werden muss: "Das Hydrauliköl wird bei diesen Temperaturen wie Pudding, die Tore müssen bewegt werden", sagt Ernst.
Schiffe können auf dem Neckar zwar noch fahren. Doch seit Anfang der Woche gilt eine "Abladebeschränkung". Sie dürfen nur noch 2,70 Meter Tiefgang haben statt 2,80. "Damit wollen wir vermeiden, dass Wasser auf Wehre und Anlagen schwappt, dort friert und unsere Anlagen außer Gefecht setzt", erklärt Jochen Bode vom Schifffahrtsamt Heidelberg.
Acht bis 13 Zentimeter
Nach ersten Eiseinbrüchen von Menschen in Baden-Württemberg warnen Behörden in der Region vor dem Betreten zugefrorener Seen. Die Stadt Heilbronn hat weder Pfühl-, Trappen-, Ziegeleiparksee noch die Wasserflächen im Wertwiesenpark freigegeben. Eine Messung ergab gestern Eisdicken von acht bis 13 Zentimetern. Erst ab 15 Zentimeter Dicke sei ein gefahrloses Betreten möglich, gibt die DLRG als Regel vor.
In Zaberfeld warnt die Gemeinde vor Eisfreuden auf der Ehmetsklinge, ein Betreten der Eisfläche ist dort ebenso verboten wie am Breitenauer See. Es sei einfach "zu gefährlich", der See friere nicht gleichmäßig zu, mahnt eine Mitarbeiterin des Naherholungszweckverbands.
Keine Probleme sieht die Stadt Beilstein beim Annasee. "Er ist nur 30 bis 60 Zentimeter tief, da kann eigentlich nichts passieren", sagt Hauptamtsleiter Hermann Harst.
Im Bereich des Scillawäldchens bei Talheim hat die Wasserschutzpolizei dagegen am Sonntag zwei Kinder von der Eisfläche geholt. Aus Erfahrung sei es "noch zu früh, um aufs Eis zu gehen", erklärt Michael Hönig. In Eppingen gibt es weder eine offizielle Freigabe noch ein Verbot für die Seen in Mühlbach oder Elsenz. "Schlittschuhläufer tun es auf eigene Gefahr", betont Rathaussprecherin Cathrin Leuze.
Alle Hände voll zu tun haben Heizungsfachfirmen angesichts der Dauer-Minusgrade. Die Hälfte der Arbeit seien derzeit Notfalleinsätze, wenn Heizungen defekt, Öltanks leer oder Wasserleitungen eingefroren seien. Inzwischen sind alle Elektroheizgeräte seines Betriebs bei Kunden, bilanziert der Obersulmer Jürgen Hohl, Vize-Obermeister der Innung Heizung-Sanitär. "Man kommt langsam an Grenzen."
Verspätungen
Während Stadtbahnbetreiber AVG Verspätungen einräumt, da die extreme Kälte vor allem früh morgens Störungen bei der Türsteuerung auslöse, spüren die SLK-Kliniken die Auswirkungen der kalten Temperaturen bisher noch nicht. "Es scheint, als würden die Menschen der Kälte Rechnung tragen", sagt Pressesprecherin Valerie Blass auf Anfrage. Möglich sei, dass sich die Menschen eher im Innern aufhalten und körperliche Anstrengung vermeiden. jükü/cf/ah/dpa
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