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Neckarschleusen werden vom Eis befreit
Von unseren Redakteuren Jürgen Kümmerle und Bärbel Kistner
Heilbonn - Peter Dubbelmann aus Goes in Holland trägt’s mit Humor. Der Kapitän liegt mit seinem Frachtschiff Qui Vive zwangsweise seit Freitag an der Schleuse Kochendorf vor Anker. Da die Neckarschifffahrt Richtung Heidelberg durch die Eisbildung immer noch behindert ist, müssen er und die Besatzung weiterer zwölf Schiffe in Kochendorf eine unfreiwillige Pause einlegen. "Ich bin mal mit meinem Schiff zwei Wochen auf dem Mittellandkanal gestanden. Die paar Tage hier sind nicht so schlimm", sagt der 57-Jährige.
1620 Tonnen Industriesalz lagern im Bauch seines 105 Meter langen Schiffes. Ziel: Godorf bei Köln. Zwischen 1000 und 1500 Euro koste ihn ein Liegetag. "Zusammen mit meiner Frau mach’ ich jetzt eben die Buchhaltung", sagt Dubbelmann.
Jörg Huber ist Schifffahrtsamtsleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg. Mehr als 30 Schiffe warten nach seiner Information derzeit zwischen Heilbronn und Mannheim auf Weiterfahrt. "Ich bin verhalten optimistisch, dass wir die Schifffahrt bis Freitag wieder in beide Richtungen freigeben können."
Vorschlaghammer
Seit neun Tagen bemühten sich Wolfgang Ernst mit seinen elf Kollegen vom Wasser- und Schifffahrtsamt, die insgesamt vier Wehre in Neckarsulm funktionsfähig zu halten. Mit Eispickel, Brechstangen, Vorschlaghammer, Gasbrenner und Wasserpumpe befreien sie die Anlagen vom Eis. Noch immer türmen sich die Eismassen meterhoch an den Wehrkörpern. "Die Neckarschifffahrt braucht einen Wasserpegel zwischen 2,10 Meter und 2,15 Meter", sagt Ernst. Durch die Wehranlagen werde dieser Pegel reguliert. "Kommt viel Wasser, müssen wir die Wehre hochfahren, bei wenig Wasser werden sie runtergefahren." Damit dies fehlerfrei funktioniert, müsse man die Anlagen vom Eis befreien. Die milderen Temperaturen begünstigten das Abtauen.
Von einem sprunghaftem Anstieg der Temperaturen will Christel Postuwka-Schluck vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart nicht sprechen: "Es wird relativ langsam wärmer." Immerhin: Zwischen der kältesten Nacht am vergangenen Sonntag mit minus 17,1 Grad und gestern 3,9 Grad Maximum liegt der Unterschied von 21 Grad. Minusrekorde wurden in der Kälteperiode jedoch nicht erreicht: Am 2. Februar 1956 war das Thermometer in der Region auf minus 25,8 Grad gefallen.
Das einsetzende Tauwetter bereitet dem Wintervergnügen auf den zugefrorenen Heilbronner Seen ein Ende: Die Eisflächen auf dem Böckinger Ziegeleiparksee, auf dem Teich im Pfühlpark sowie auf dem Trappensee hat das Ordnungsamt wieder gesperrt. Durch die gestiegenen Temperaturen seien Löcher in den Eisflächen entstanden, die unter den Schneedecken nicht zu erkennen sind. Schlittschuhläufer könnten dadurch leicht einbrechen, begründet das Heilbronner Ordnungsamt die Entscheidung.
Margarete Müller blickt verwundert auf den Teich im Pfühlpark. Drei Mal die Woche geht sie dort mit dem Hund Gassi. "Noch am Dienstag sind Kinder auf dem Eis Schlittschuh gelaufen", sagt die 73-jährige Heilbronnerin. Gestern hatte sich eine dünne Wasserschicht über das Eis gelegt.
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