"Mich fasziniert, dass er an seinen Idealen festhält"

Carlesso über Theodor Mögling, Horst Köhler und die Literatur

"Mich fasziniert, dass er an seinen Idealen festhält"
Preisverleihung in Berlin: Die Brackenheimerin Giovanna-Beatrice Carlesso mit Bundespräsident Horst Köhler (rechts) und Dr. Lothar Dittmer, Mitglied im Vorstand der Körber-Stiftung, die den Geschichtswettbewerb ausrichtet.Foto: Peter Himsel

Giovanna-beatrice - Mehr als 1800 Projekte wurden für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten "Helden: verehrt - verkannt - vergessen" eingereicht, einen der fünf ersten Preise hat, wie berichtet, die Brackenheimerin Giovanna-Beatrice Carlesso gewonnen. Am Freitag wurde ihr die Auszeichnung von Horst Köhler in Berlin überreicht. Thomas Dorn hat mit der 18-Jährigen danach telefoniert.

Wie fühlt es sich an, dem Bundespräsidenten die Hand zu drücken?

Giovanna-Beatrice Carlesso: Es war schon ein tolles Gefühl, irgendwie der Höhepunkt der ganzen Arbeit. Man fühlt sich schon geehrt.

Hat Horst Köhler etwas zu Ihrer Arbeit gesagt?

Carlesso: Der Bundespräsident hat mich beglückwünscht. Er hat gemeint, es sei erstaunlich, was ich so alles mache.

Sind Sie mit der Familie nach Berlin gereist?

Carlesso: Nein, ich bin mit meinem Geschichtslehrer und Tutor Karl Heinz Möller hier.

Dass Sie lokalhistorisch interessiert sind, haben Sie ja schon öfter in Forschungsarbeiten bewiesen...

Carlesso: Ja, aber hier hat mich einfach dieses Thema "Helden" angesprochen. Als ich spontan zugesagt habe, wusste ich noch nicht, über wen ich forschen würde.

Wie sind Sie auf den Brackenheimer Theodor Mögling gestoßen?

Carlesso: Als als ich über die Geschichte meiner Schule geforscht habe. Möglings Vater war Präzeptor, also Leiter der damaligen Brackenheimer Lateinschule. Über Möglings Beteiligung an der badischen Revolution habe ich dann in seiner Autobiographie gelesen, einer bewegenden Lebensgeschichte.

Theodor Mögling hat eine Autobiografie geschrieben?

Carlesso: Ja. Ich werde sie übrigens wieder neu herausgeben, im Verlag meines Vaters. Das Ganze soll nicht mit dem Preis enden. Ich will Mögling wieder der Öffentlichkeit bekannt machen. Das Vorwort von mir ist auf der Grundlage meines Wettbewerbstextes entstanden.

Ist Mögling tatsächlich Ihr Held geworden? Was fasziniert Sie an ihm?

Carlesso: Er ist nicht zum Helden gekürt worden. Aber für mich persönlich hat er eine Vorbildfunktion. Mich fasziniert, dass er konsequent an seinen Idealen festhält und sich ein Leben lang aufopferungsvoll für Freiheit und Demokratie einsetzt.

Ihre eigentliche Liebe gehört ja der Literatur...

Carlesso: Das Schöne ist, dass ich in meiner Recherche beides verbinden konnte. Ich bin auf den Dramenentwurf "Die Revolution" von Georg Heym gestoßen, da hat Mögling die Hauptrolle spielen sollen. Heym hat den Namen aber nur aus einem geschichtlichen Werk gekannt.

Sie machen in diesem Schuljahr Abitur, besuchen gleichzeitig ein Frühstudium. Wird Ihnen das nicht zu viel?

Carlesso: Nein, ich empfinde das als Bereicherung, nicht als Last.

Andere Teenager gehen tanzen, ins Kino, treiben Sport. Ist das auch für Sie interessant?

Carlesso: Ich interessier' mich tatsächlich mehr für Literatur als fürs Tanzen. Meine Hobbys sind Schreiben und das Theater.

Was läuft nach der Schule?

Carlesso: Ich werde Germanistik studieren und mich mit Literatur beschäftigen. Ich will auch weiter selber schreiben. Am 4. Dezember hab' ich eine Lesung mit eigenen Texten in der Heilbronner Stadtbücherei.