Kopfschütteln über verkürzten Zivildienst

Von Iris Baars-Werner und Steffan Maurhoff

Region Heilbronn - Wird teuer werden: Dies ist der eine Satz, den alle Betroffenen unterschreiben können. Die Verkürzung des Zivildienstes von neun auf sechs Monate wird dazu führen, dass die relativ günstigen Arbeitskräfte in Sozialverbänden und Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege durch teurere Mitarbeiter ersetzt werden müssen. Das gestern bekannt gewordene Vorziehen des Vorhabens verschärft das Problem. "Da kann ich nur noch den Kopf schütteln, ernst nehmen kann ich diese Politik nicht mehr," sagt Rainer Holthuis vom Arbeiter-Samariterbund (ASB) Heilbronn.

Zivi-freie Zone

Etwa 50 der 900 ASB-Mitarbeiter sind Zivis. Die Verkürzung der Zivildienstzeit ist für Holthuis "ein Schlag ins Kontor". Da Personalsuche und Schulung sich bei der kurzen Zeit nicht mehr lohnten, werde der ASB irgendwann "Zivi-freie Zone". Die höheren Kosten für Rettungsdienst und Krankentransporte werde man von den Krankenkassen zurückfordern − und die von den Versicherten.

"Ressourcenverschwendung" nennt das Karl-Friedrich Bretz von der Diakonie: Das Personal wechselt schneller, die Ausbildung nimmt die Hälfte der Zeit in Anspruch. Das führe entweder zu Qualitätseinbuße − oder aber dazu, dass die Sozial- und Rettungsdienste mehr Geld ausgeben müssten. "Anscheinend hat sich vorher keiner wirklich Gedanken gemacht."

"Wir sind auf Zivis angewiesen," sagt Stefan Wolf vom DRK-Kreisverband Heilbronn. Um die 40 Zivildienstleistende beschäftigt das Rote Kreuz. Nun prüft man auch hier, ob das freiwillige soziale Jahr einen Ausweg aus dem Problem darstellt − wenigstens von der Personenzahl her. Die Kosten werden auf jeden Fall deutlich steigen. Dabei weiß man beim DRK, dass die meisten jungen Leute nach dem Abitur mehr als ein halbes Jahr Zivildienst machen wollen, da sie erst im darauffolgenden Herbst mit dem Studium starten.

Mehr Kosten
 
Vom Einsatz Zivildienstleistender wird sich das Curata Seniorenzentrum Adolf-Nieden-Haus in Bad Rappenau verabschieden. "Wir hatten immer Zivis, aber darüber müssen wir jetzt nachdenken", sagt Verwaltungsleiterin Irmhild Umbreit. Ähnlich der Tenor im Kreisaltersheim des Neckar-Odenwald-Kreises in Hüffenhardt. "Die Einarbeitung lohnt sich nicht mehr", so Heimleiter Knut Bender.

Deshalb denken auch die Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) darüber nach, wo der Einsatz von Zivildienstleistenden künftig noch Sinn macht. Derzeit beschäftigt die Heilbronner Klinik-GmbH 62 Zivis. Unausweichlich ist auf jeden Fall: Weniger Zivildienst heißt auch hier mehr Kosten.




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