Harter Kampf um alte Kleider

Region Heilbronn - Wild aufgestellte Altkleidercontainer werden in der Region zunehmend zum Problem. Weil für die Ware derzeit Höchstpreise bezahlt werden, machen immer mehr unseriöse Firmen den gemeinnützigen Einrichtungen Konkurrenz.

Von unserem Redakteur Christian Gleichauf

Harter Kampf um alte Kleider
In Bad Wimpfen hat es jemand auf den Container der gemeinnützigen Malteser abgesehen. Er wurde umgestoßen, die namenlosen stehen daneben.Foto: privat

Region Heilbronn - Die Jeans ist zu weit, die Mode enger geworden. Wohin jetzt mit dem alten Ding? Für die meisten Menschen ist die Sache klar: Ab in den nächsten Altkleidercontainer damit. Das ist für einen guten Zweck, ein Bedürftiger hierzulande oder auch im Ausland wird sich schon darüber freuen. Tatsächlich freuen sich zunehmend Geschäftemacher über die Spende. Weil sich mit intakten Textilien momentan besonders viel Geld machen lässt, wird in der Branche mit harten Bandagen gekämpft.

Konkurrenz

Wer darauf achtet, findet an vielen Stellen Behälter ohne die Embleme der bekannten Hilfsorganisationen. "Hunderte wilder Container" gebe es allein im Landkreis Heilbronn, schätzt der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs im Landratsamt, Norbert Raatz. Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung vor kurzem in Bad Wimpfen: Vier anonyme Container wurden neben einem des Malteser Hilfsdienstes aufgestellt, der Behälter der gemeinnützigen Organisation umgeworfen. "Wer dahintersteckt, können wir nicht sagen", erklärt der Bezirksgeschäftsführer der Malteser, Peter Neuhauser. Doch unüblich sei solches Geschäftsgebaren nicht mehr. In Kiel wurden zuletzt ganze Container samt Inhalt gestohlen. Andernorts werden die nicht mehr brauchbaren Teile über die Behälter der Konkurrenz entsorgt.

Lukrativ

Simon Striebel, dessen Firma in Langenenslingen für die Malteser die Verwertung der Altkleider übernimmt, erklärt die Hintergründe: "Das hat natürlich mit dem Preis zu tun." Der Branchendienst Euwid gibt derzeit bis zu 45 Cent pro Kilogramm unsortierte Ware an. Striebel schätzt, dass im Direktexport sogar noch höhere Preise erzielt werden können. Nimmt man an, dass mit jedem Container jährlich vier bis fünf Tonnen Kleidung gesammelt werden, wird deutlich, wie lukrativ die Geschäftsidee mit den anonymen Sammelstellen ist: Pro Container hieße das 2000 Euro und mehr.

Seriöse Firmen können diese Summe nicht als Reingewinn einstreichen. Die Firma Striebel etwa sortiert die Ware in Deutschland. Zudem bezahlt sie an die gemeinnützigen Organisationen, in deren Namen sie tätig ist, einen zweistelligen Cent-Betrag pro Kilogramm Altkleider. Damit, so erklärt Malteser Regionalgeschäftsführer Klaus Weber, werde die Sachspende zur Geldspende. Mit dem geächteten Logoverkauf habe die Vereinbarung nichts zu tun.

Illegalen Geschäftemachern ist grundsätzlich schwer beizukommen. In der Regel sind keine Firmennamen oder gar Adressen auf den Sammelbehältern angegeben, allenfalls über eine Mobilfunknummer kann man etwas über die Besitzer erfahren. Bei einem Testanruf meldet sich eine Frauenstimme: Der Mann liege im Krankenhaus in Heidelberg, er habe das Geschäft seit Monaten nicht mehr weiter betrieben, man unterstütze mit den Textilien Caritas und Diakonie, den Namen will man aber nicht in der Zeitung lesen und eigentlich auch gar nicht angeben. Wenn es Probleme mit einem Container gebe, kümmere sich der Schwager darum. "Auf Wiederhörn."

Änderungen

Die Dame am Telefon kennt sich offensichtlich aus: Die Rechtslage hat sich in den vergangenen Monaten nämlich geändert. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht vor, dass Privathaushalte ihre Abfälle grundsätzlich den kommunalen Entsorgern zu überlassen haben. Und inzwischen müssen Sammlungen beim Landkreis beziehungsweise der Stadt Heilbronn angemeldet werden. Eine groß angelegte Verschrottungsgaktion von illegal aufgestellten Containern wie jüngst im Stuttgarter Raum ist zwar nicht geplant. Doch vor allem der Landkreis möchte den Erlös aus dem Kleiderverkauf auch den Gebührenzahlern zugute kommen lassen. "Malteser, DRK, und andere gemeinnützige Organisationen sind privilegiert und bleiben es", sagt Norbert Raatz. Bei anderen Anbietern wird künftig genauer darauf geschaut, ob ein sozialer Zweck gegeben ist oder nur vorgetäuscht wird. Raatz weiß aber auch: Letzte Sicherheit wird es bei den Angaben nicht geben.