Gesundheitskarte im Test: Bisher ist alles im grünen Bereich

Region Heilbronn - Die elektronische Gesundheitskarte soll als digitaler Tausendsassa wichtige Patientendaten vorrätig halten und das deutsche Gesundheitssystem revolutionieren. Heilbronn gehört zu den größeren der insgesamt sieben Testregionen. Der Versuch startete vor einem Jahr. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Von Siegfried Lambert

»Wir haben mit Abstand die niedrigste Fehlerquote.«

AOK-Chef Thomas Weber

Region Heilbronn - Die elektronische Gesundheitskarte soll als digitaler Tausendsassa wichtige Patientendaten vorrätig halten und das deutsche Gesundheitssystem revolutionieren. Heilbronn gehört zu den größeren der insgesamt sieben Testregionen. Der Versuch startete vor einem Jahr. Zeit für eine Zwischenbilanz.

»Durchaus zufrieden« zeigt sich Gerald Hauke, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft zur Einführung der E-Card im Südwesten. »Wir sind bewusst langsamer gestartet«, ergänzt Thomas Weber, Geschäftsführer der Allgemeinen Ortskrankenkasse Heilbronn-Franken (AOK). Das scheint sich gelohnt zu haben. »Unsere Testregion hat mit Abstand die niedrigste Fehlerquote.«

Noch läuft der Versuch in Heilbronn offline, das heißt, dass keine Versichertendaten digital übertragen und ausgetauscht werden. 8500 Versicherte, die sich freiwillig gemeldet haben, nehmen daran teil.

Seit dem Start im vergangenen Oktober wurde die Gesundheitskarte in 1759 Fällen praktisch eingesetzt. 832 digitale Rezepte wurden damit in Apotheken eingelöst. Mit im Boot sind neben den SLK-Kliniken auch elf Krankenkassen, neun Apotheker und 15 Ärzte.

Vorteile

Hans-Hugo Schlemmer, Hausarzt in Leingarten, gehört zu ihnen. Dass die Karte unter Medizinern besonders beliebt wäre, lässt sich schwerlich behaupten. »Ich habe Anrufe von Kollegen erhalten, dass meine Beteiligung nicht im Sinne der Ärzteschaft ist«, sagt Schlemmer rückblickend. »Aber das hat nach kurzer Zeit aufgehört.«

Der niedergelassene Arzt nennt eine ganze Reihe von Gründen, die ihn bewogen haben, bei der Erprobung mitzumachen. »Ich arbeite seit 1984 mit Computern und teste auch Praxissoftware. Als teilnehmender Arzt kann ich dazu beitragen, Schwachstellen aufzuspüren, bevor das System eingeführt wird.« Wie ist sein Fazit nach zwölf Monaten? »Positiv. Es treten relativ wenige Fehler auf.« Die Lesegeräte funktionierten, ebenso die Updates von neuer Software. Das Ausstellen eines Rezepts mit der E-Card erfordere jedoch bis zu zehn Sekunden Zeit, erheblich mehr als für ein Papier-Rezept.

Das Zwischenspeichern der Daten sei im Moment auch nicht möglich. Für Schlemmer steht deshalb fest: »Das Verfahren muss noch beschleunigt werden.«

Online

Mit einiger Spannung sieht er der zweiten Stufe des Tests im Frühjahr 2009 entgegen. Dann geht die E-Card online, allerdings nur mit dem elektronischen Abgleich von Patientendaten. »Wenn zu Beginn eines Quartals alle beteiligten Ärzte die Karten einlesen, bedeutet das eine enorme Belastung des Systems.« Ob das dann funktioniert, sei eine durchaus spannende Frage.

Die zentrale Speicherung von Patientendaten erfordere darüber hinaus einen hohen Sicherheitsstandard. »Der muss mindestens so hoch sein wie im Bankensektor oder besser darüber hinaus reichen. Sonst geht die Akzeptanz verloren«, sagt Schlemmer. »Unter den niedergelassenen Ärzten gibt es einen deutlichen Wandel, was die Einstellung zur Gesundheitskarte angeht«, erklärt AOK-Chef Thomas Weber.

Gegenrede

Haben die Mediziner in der Region wirklich ihren Frieden mit der E-Card geschlossen? Martin Uellner, Vorsitzender der Kreisärzteschaft, widerspricht dieser Einschätzung heftig. »Solche Äußerungen sind für mich nicht nachvollziehbar.« Von der Kosten-Nutzen-Analyse, dem Datenschutz bis zu den Folgen in der Praxis gelte nach wie vor die Ablehnung, die bereits der Ärztetag vor einem Jahr formuliert habe. »Warum sollen wir Ärzte ein Projekt unterstützen, das uns keinen einzigen Vorteil bringt, sondern ausschließlich Nachteile?«

Der Widerstand lässt sich auch an einer bundesweiten Umfrage unter niedergelassenen Ärzten ablesen. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Healthcare fand dabei heraus, dass die Mehrheit zwar einen Vorteil durch die Einführung der E-Card sieht, was Informationen über Therapien und Diagnosen angeht. Nur ein Drittel der Mediziner glaubt jedoch an eine verbesserte Behandlung und Betreuung chronisch Kranker; 84 Prozent erwarten einen erhöhten Verwaltungsaufwand.