GKN I: Experten arbeiten an Rückbauplanungen

Von unserem Redakteur Reto Bosch

Viel Aufwand, kein Strom
Blick in den Leitstand: Die Steuerungs- und Überwachungselemente für den konventionellen Teil der Anlage wurden außer Betrieb genommen. 

Neckarwestheim - Seit fast einem Jahr ruhen Turbine und Generator des Kernkraftwerks GKN I. Trotzdem sieht der Alltag für viele Beschäftigte des abgeschalteten Reaktors fast genauso aus wie in Betriebszeiten. Unterdessen arbeiten die Experten des Betreibers EnBW an den Rückbauplanungen − ein langwieriges Projekt.

Von 1976 bis 2011 versorgte der Reaktor etwa 1,5 Millionen Haushalte mit Elektrizität. Am 16. März 2011 ging das Kraftwerk als Konsequenz der Katastrophe von Fukushima und des energiepolitischen Kurswechsels der Bundesregierung vom Netz und in die sogenannte Nachbetriebsphase. Für einige Bereiche gilt aber: "Wir haben heute noch denselben Aufwand für Betrieb und Wartung der Systeme, die wir für den sicheren Nachbetrieb benötigen", erklärt der Technische Geschäftsführer Christoph Heil. Und zwar so lange, bis alle Brennelemente entfernt sind.

Nasslager

Dies wird einige Jahre in Anspruch nehmen. Grund: Diese müssen im Nasslagerbecken Radioaktivität abbauen, also abklingen, bevor sie in Castoren verpackt und ins unterirdische Zwischenlager gebracht werden können. Den Reaktorkern haben die Fachleute inzwischen geräumt, die 177 aktuellen Brennelemente ins Nasslager verfrachtet. Insgesamt stehen dort 277 Elemente.

Schichtleiter, Stellvertreter, Reaktorfahrer, Leitstandfahrer und Anlagenwärter: Sie alle gehören zum Mitarbeiterteam eines Kernkraftwerks. Das ist bei GKN II so, das ist aber auch beim älteren Meiler noch so. "Weniger Aufwand haben wir nach dem Abschalten im Sekundärbereich, also im konventionellen Teil", sagt Heil. Er meint damit jene Anlagen, die zum Beispiel Dampf in Strom umwandelten: Turbine und Generator. Auch Teile des Kühlsystems werden nicht mehr benötigt. Eine Ausnahme ist das Lagerbecken. Da die Brennstäbe nach wie vor Wärme abgeben, benötigt das Wasser Kühlung.

Mitarbeiter

Die EnBW-Kernkraft GmbH beschäftigt rund 800 Mitarbeiter in Neckarwestheim. Da viele Angestellte in beiden Meilern zu tun haben, lässt sich für GKN I keine genaue Zahl sagen. "Wir brauchen für den Rückbau noch Jahrzehnte qualifiziertes Personal", sagt EnBW-Sprecher Ulrich Schröder. Nur schrittweise werde der Bedarf sinken, meint Heil. Dennoch rechnet er nicht mit Kündigungen, da einige Beschäftigte altershalber ausscheiden. Weiterbildungen sollen die Mitarbeiter für den Rückbau fit machen − eine Qualifikation, die in den kommenden Jahren nicht nur in Neckarwestheim sehr gefragt sein wird.

Demontage

Wann beginnt die Demontage von GKN I? Eine Antwort darauf gibt es noch nicht. Derzeit laufen die Vorbereitungen. Systeme werden geleert und gespült. Die Fachleute befreien Komponenten von Radioaktivität, nehmen nicht mehr benötigte Anlagen außer Betrieb. Eine große Herausforderung haben die Planer zu schultern. In welchen Abschnitten erfolgt der Rückbau? Welche Systeme sind Gegenstand des ersten Abbauantrags? Wann beim Landesumweltministerium die ersten Unterlagen eingehen, ist unklar. Genauso wie die Bearbeitungsdauer dort. Zum Vergleich: Vom ersten Antrag für die Demontage des Kernkraftwerks Obrigheim (KWO) bis zur Genehmigung verstrichen vier Jahre.

Auf einen gravierenden Unterschied zwischen Obrigheim und Neckarwestheim weist Ulrich Schröder hin: Im Fall von KWO sei langfristig klar gewesen, wann der Reaktor vom Netz geht. Als die EnBW-Experten die Nachricht erreichte, dass Neckarwestheim I stillgelegt werden soll, bereiteten sie gerade die Sicherheitsnachrüstungen für die Laufzeitverlängerung vor.

Begriffserklärung

Die Abkürzung GKN stammt aus der Zeit, als die Anlage noch Gemeinschafts-Kernkraftwerk Neckarwestheim hieß.

Kraftwerk

Der Druckwasserreaktor Neckarwestheim I ist 1976 in Betrieb gegangen. Das Kraftwerk erzeugte nach Angaben der EnBW insgesamt 201 Milliarden Kilowattstunden Strom. Die Einsparung an Kohlendioxid beziffert der Karlsruher Konzern auf 193 Millionen Tonnen. GKN I verfügte über einen Bahnstromgenerator, um die DB beliefern zu können. Derzeit wird in Neckarwestheim ein Umrichterwerk gebaut, um Elektrizität dieser Frequenz weiterhin anbieten zu können. red
 

Viel Aufwand, kein Strom
Das Reaktorbecken von GKN I im Vordergrund enthält keine Brennstäbe mehr. Die 177 Elemente wurden nach Abschalten des Meilers in das Abklingbecken nebenan umgesetzt. Dort bleiben sie mehrere Jahre.Fotos: EnBW 



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