Für bunte statt braune Städte

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger

Für bunte statt braune Städte
NGG-Chef und Festredner Möllenberg (von links) mit seinem Landeschef Uwe Hildebrand und dem Heilbronner NGG-Geschäftsführer Burkhard Siebert.Foto: T. Braun 

Heilbronn - Früher, sagt Gewerkschaftsboss Franz-Josef Möllenberg, habe er gerne darauf hingewiesen, dass er einst etwas Ordentliches gelernt hat: Bankkaufmann. Inzwischen spart er sich dieses Thema normalerweise, beim Heilbronner DGB-Jahresempfang hat es Kreis-chefin Silke Ortwein in ihrer Begrüßung aber ausgeplaudert.

Natürlich hat der NGG-Bundesvorsitzende beim Banken-Thema schnell die Lacher auf seiner Seite − aber der Gastredner bremst die Heiterkeit und nimmt die Beschäftigten der Geldhäuser in Schutz vor billiger Häme. Das ist typisch für Möllenbergs vielschichtige Rede vor gut 200 Gästen im Haus des Energieversorgers Zeag. Immer wieder überrascht der Gewerkschafter, etwa wenn er bei der Debatte um Griechenland und die anderen Euro-Schuldenstaaten die dortigen Menschen auch als Verbraucher ins Spiel bringt: "Auch die mittelständische Ernährungsindustrie hat eine Exportquote von 28 Prozent", sagt er. Der Großteil der Waren geht in die anderen EU-Staaten. "Jeder vierte Arbeitsplatz hängt davon ab." Deutschland dürfe die Nachbarländer nicht links liegen lassen.

Billiglöhne

Natürlich spricht der Chef der Gewerkschaft NGG, die für die Ernährungsbranche zuständig ist, das Thema Billiglöhne an. "Die Werkvertragsproblematik müssen wir lösen, weil das sonst die guten Arbeitgeber nicht durchstehen", fordert er − und warnt davor, das Thema an der Nationalität der Werkvertragler festzumachen, die oft aus Rumänien kommen.

Auch im Zusammenhang mit der jüngsten Heilbronner Demonstra-tion gegen Rechts fordert er null Toleranz. "Wenn wir den Braunen die Straße und die Betriebe überlassen, dann holt uns die Geschichte ein." Die jiddischen Lieder der Gruppe Homentaschn im Rahmenprogramm sind eine eindringliche Erinnerung daran, was das bedeutet. Beim Kampf gegen Rechts dürfe es nicht um Parteipolitik gehen, betont Möllenberg: "Wir müssen vorleben, was Demokratie bedeutet und so für bunte Städte sorgen."

Aus der Lebensmittelbranche kennt der Gewerkschafter auch die Problematik der Rohstoffspekulanten, deren Gewinne oft auf Kinderarbeit etwa bei der Zuckerproduktion in Brasilien oder beim Kakaoanbau in der Elfenbeinküste beruhten. Nicht nur Deutschland müsse sozial gestaltet werden, wie es auf dem Banner auf der Bühne steht, sondern die Welt, fordert er.

Das ist Stoff genug für Diskussionen für Besucher aus fast allen Bereichen des regionalen Lebens. Ob es nur am parallel stattgefundenen FDP-Empfang lag, dass vergleichsweise wenige Vertreter des bürgerlichen Lagers unter ihnen waren?




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