Friedlicher Protest vor GKN

Neckarwestheim  Drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima erinnerten in Neckarwestheim Atomkraftgegner an das Unglück in Japan. Sie forderten den sofortigen Atomausstieg.

Von unserem Redakteur Steffen Heizereder

Eine Frau steht vor dem Atomkraftwerk in Neckarwestheim (GKN). Sie weht eine Fahne in Richtung einiger GKN-Mitarbeiter, die auf einem Balkon stehen. „Atomkraft? Nein danke“ ist darauf zu lesen. Sie ist am Sonntag bei der großen Protestaktion gegen Atomkraft dabei.

Gegen 12.30 Uhr treffen sich die Kernkraftgegner in Kirchheim. Sie ziehen begleitet von Musik und Trommelklängen rund drei Kilometer bis vor das Kraftwerk Neckarwestheim. Die Veranstalter sprechen von 3100 Aktivisten, die Polizei von 1500. Die Botschaft der Teilnehmer ist eindeutig. Atomkraftwerke abschalten – und zwar sofort.

Trägerkreis

Veranstalter der Demo sind unter dem Motto „Fukushima außer Kontrolle“, das an die Katastrophe vor drei Jahren erinnert, ein Trägerkreis aus lokalen Anti-Atomkraft-Bürgerinitiativen und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

„Die regenerativen Energien haben in den letzten Jahren Quantensprünge gemacht“, sagt Herbert Würth (58), Sprecher des Aktionsbündnisses Castor-Widerstand Neckarwestheim. „Man könnte die Atomkraftwerke sofort vom Netz nehmen“, kritisiert er.

Zur Kundgebung ist auch die junge japanische Journalistin Oshidori Mako gekommen. Sie beklagt, dass viele Kinder in Japan in der kontaminierten Zone leben würden: „Die Mütter, die sich sorgen, werden als Spinner bezeichnet.“ Nach den Atombombenabwürfen von Hiroshima, Nagasaki und der Katastrophe von Fukushima habe ihr Land nichts dazu gelernt.

Franz Wagner vom Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn findet drastische Worte. „Wer sagt uns, dass nicht heute noch der Super-Gau alles trifft, was uns lieb und wichtig ist?“ An der derzeitigen Atompolitik in Deutschland übt er scharfe Kritik.

Bis zur geplanten Abschaltung aller Atomkraftwerke 2022 falle noch einmal ein Drittel mehr Atommüll an wie bisher. „Für wie dumm halten uns die Politiker eigentlich?“, fragt er.

Schutzanzug

Die Teilnehmer am Protestzug stammen aus vielen gesellschaftlichen Gruppen, längst sind es nicht mehr nur Umweltaktivisten. „Wir wissen alle, dass die Auswirkungen eines solchen Unfalls nicht regional begrenzt sind“, meint Sven Becker aus Heidelberg.

„Wenn etwas passiert, ist unser Leben schlagartig anders“, sagt eine 31-jährige Mutter von drei Kindern aus Eislingen. Die Atomenergie bezeichnet sie als Bürde für nachfolgende Generationen. Und schließlich Benjamin. Der 27-Jährige möchte seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. Seine Frau kommt aus der Nähe von Fukushima. Er trägt einen echten Strahlenschutzanzug, den er 2011 eigentlich für die Familie seiner Frau gekauft hatte. „Der Atomausstieg ist längst überfällig. Das hat Japan gezeigt.“

Die Polizei meldet einen friedlichen Verlauf. Es gab keine besonderen Vorkomnisse, sagt ein Sprecher. Das Thema Atomkraft bleibt weiter aktuell. Morgen geht es im Betriebsausschuss des Kreistags Heilbronn um den Rückbau von GKN 1.

Hintergrund Fukushima

Die Demonstration am Sonntag sollte an die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima erinnern, die sich morgen zum dritten Mal jährt. Das Unglück ereignete sich in Folge eines schweren Erdbebens. Vier von sechs Reaktorblöcken wurden dabei beschädigt. Große Gebiete sind seither wegen der hohen radioaktiven Verstrahlung unbewohnbar. Rund 150 000 Menschen wurden evakuiert. Die zerstörten Reaktoren sowie die Lagerbecken der hochradioaktiven Brennelemente müssen mit Wasser gekühlt werden.

Atomruine Fukushima
Die Atomruine Fukushima nordöstlich von Tokio. Foto: epa/Air Photo Service