Elf Tage Baustelle in Afrika statt Bürostuhl

Heilbronn/ Schwäbisch Hall - Außergewöhnliches Hilfsprojekt: Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma Bera bauten in einem Dorf in Äthiopien zehn Häuser.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger

Elf Tage Baustelle in Afrika statt Bürostuhl
Bernd Rath bei der Arbeit: Der Firmenchef packte auch selbst beim Hausbau-Projekt in Äthiopien mit an. "Eine prägende Erfahrung", sagt er heute. Foto: Bera

Heilbronn/Schwäbisch Hall - Die Spende hätte auch ganz einfach sein können − per Überweisung. Aber das Projekt sollte mehr sein als ein Geldtransfer, wie Bera-Chef Bernd Rath es formuliert.

Und es war viel mehr: Ein Team des Schwäbisch Haller Personaldienstleister reiste im Mai für elf Tage nach Äthiopien, um in einem Dorf etwa 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Addis Abbeba zehn Häuser zu bauen. Außerdem errichteten die Bera-Leute eine drei Kilometer lange Wasserleitung, vier Brunnen und eine Handpumpe.

Nachhaltig

Die Lebensbedingungen für 1800 Menschen in einem der ärmsten Ländern der Welt sind damit nachhaltig verbessert worden. Mehr als 70 000 Euro hat die Zeitarbeitsfirma, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, in das Hilfsprojekt der der christlichen Organisation Habitat for Humanity investiert. Das Unternehmen mit einer Niederlassung in Heilbronn beschäftigt 1400 Mitarbeiter und hat 2011 knapp 40 Millionen Euro umgesetzt − fast 90 Prozent mehr als 2010.

Eine bunte Gruppe hat sich auf den Weg gemacht: vom Zeitarbeiter über Auszubildende, Projektmanager und Niederlassungsleiter bis zum Inhaber, alle haben gemeinsam angepackt. Ihr Einsatzort lag auf 2800 Höhenmetern, was die Arbeit zusätzliche erschwerte, erzählt Rath. Mit ortsüblichen Materialien wie Eukalyptus, Stroh und Lehm bauten die Helfer aus der Region die Häuser, die Dächer sind aus Wellblech. Hand in Hand arbeiteten die 27 Deutschen mit den Familien, die die Häuser bewohnen werden.

Über Monate hatten sich die Freiwilligen auf die Aktion vorbereitet, die Kultur des Gastlandes studiert und die Impfungen über sich ergehen lassen. Die Bera-Mitarbeiter mussten die Hälfte der Einsatzzeit und zwei Wochenenden als Urlaub einbringen.

"Viele Dinge relativieren sich nach einem solchen Aufenthalt", sagt Personalmanagerin Kathrin Wiederhold aus Bretzfeld. "Menschen zu unterstützen und ihnen zu einem besseren Leben zu verhelfen, erweitert den Horizont. Ich werde mich immer an die Herzlichkeit erinnern, mit der wir aufgenommen worden sind." Ihre Kollegin Franziska Wüst aus Füssen ergänzt: "Die Arbeit war anstrengend, aber das Gefühl, mit eigenen Händen etwas zu schaffen, erleichterte jeden Spatenstich."

Team

Einige der Teilnehmer wären am liebsten dort geblieben, um für weitere Familien Häuser zu bauen. "Das war für uns alle eine prägende Lebenserfahrung", resümiert Bernd Rath. "Wir haben richtig hart gearbeitet, aber all der Muskelkater hat sich gelohnt." Der Öhringer engagiert sich schon länger für Habitat for Humanity.

Zu den Unterstützern der 1976 gegründeten Organisation gehören Jimmy Carter, Brad Pitt und Daniel Libeskind. 2013 werde es wieder ein Projekt geben, kündigt er an − außerdem will Rath eine Partnerschaft mit einer Stadt in Äthiopien organisieren.