Eiseskälte beherrscht den Alltag

Von unserer Redaktion

 Bildergalerie: Kältewelle in der Region
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Region - Die Kältewelle hat endgültig die Region erreicht und vor allem Menschen mit Freiluftarbeitsplätzen kräftig zugesetzt. Minus neun Grad zeigt ein ausgeliehenes Riesen-Gartenthermometer gestern gegen 10 Uhr an, als die Stimme an der Volksbank-Baustelle an der Allee nachfragt. SER-Mitarbeiter André Kaufmann hat extra Anglerunterwäsche angezogen. Dicke Jacke, Handschuhe, Wollmütze und ein Tuch über Nase und Mund ergänzen seinen Kälteschutz. Über vier Stunden ist er da schon bei der Arbeit im Freien. "Ich freue mich, wenn es langsam gegen null Grad geht."

Spezialschutz

Trotz herrlichem Sonnenschein: Mit Spritzbeton kann gestern auf der Baustelle niemand arbeiten. Wasser wäre gefroren. Und auch auf dem nahen Wochenmarkt können Gemüseverkäufer nur mit Spezialschutz ihre Ware anbieten. Die Stände sind rundum mit Planen abgehängt, im Innern sorgt ein gasbetriebenes Heizgebläse für Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. "Ohne geht es nicht", sagt Hakan Gündemer von S&G Fruchthandel. Den Kundenstrom bei der Kälte nennt er "sehr durchwachsen". Ein paar Marktanbieter "müssen aber da sein".

Ehrliche Antwort von zwei Müllentsorgern in Handschuhen: "Die Kälte ist schlimm, vor allem an den Händen", sagen Asir Simsek und Silas Meyer. Teilweise rennen sie zwischen den Mülltonnenstandorten, um warm zu bleiben. Eine "heiße Dusche" ist das, worauf sie sich nach acht, neun Stunden Arbeit freuen.

Traumhaft angenehm

Den Spieß umgedreht hat Christoph Moog. Er ließ es sich an seinem 41. Geburtstag im 32 Grad warmem Soleo-Außenbecken gut gehen. Sein Urteil: "traumhaft angenehm".

Dick vermummt und mit Baby-Creme im Gesicht trug Stimme-Zustellerin Monika Wengert (61) gegen 4.30 Uhr in Wüstenrot-Neuhütten bei minus 12 Grad mit dem Rad die Zeitung aus. Danach ein guter Kaffee zu Hause, "dann ist die Kälte schnell vergessen", sagt sie.

 

 

Eine Cabriofahrt bei minus neun Grad in den Abstatter Weinbergen: Der Fahrer des neuen Porsche 911 wird diesen Tag nicht so schnell vergessen. Der Grund für die "Oben-ohne"-Fahrt: Hans-Dieter Seufert aus Winnenden fotografiert das Gefährt für die aktuelle Ausgabe des Magazins "Auto, Motor und Sport". "Cabrios muss man halt offen fotografieren", sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Das ist dem Cabrio-Fahrer vergangen "Die Heizung läuft voll, und so oft wie möglich schließ’ ich das Verdeck", erzählt er.

Ein Verdeck gibt es bei Forstwirtschaftsmeister Jürgen Waldbüßer nicht. Dafür einen mollig aufgeheizten Bauwagen im Wald bei Löwenstein. Dort wärmen sich Forstarbeiter auf. "Der kalte Wind ist das Problem", sagt Waldbüßer. Er, der schon bei minus 25 Grad im Wald arbeitete, trägt’s mit Fassung. "Man muss sich erst noch an die Temperatur gewöhnen." Sein Tipp: mehrere Kleiderschichten übereinander.

Cooler Sizilianer

So handhabt es auch Filippo La Monica. Seit 9.30 Uhr arbeitet er als Parkplatzeinweiser in der Wartberg-Apotheke in Heilbronn. Kalt ist dem gebürtigen Sizilianer nicht. "Das macht ehrlich Spaß", sagt er, der 40 Jahre bei Audi gearbeitet hat. "Ich bin 1968 nach Deutschland gekommen. Da gab es noch kalte Winter."

Die spaßige Seite der eisigen Temperaturen will die Jugend im Kraichgau genießen. Beim Eppinger Jugendhaus wird am Donnerstag ein Basketballfeld geflutet. Eine gleichartige Eisfläche entsteht in der mit Plastikplanen ausgelegten Fun-Arena für Kirchardter Rollschuhfahrer. Allerdings bilden sich gestern Luftblasen unter der Plane. Bauamtsleiter Michael Baumgartner improvisiert: "Notfalls müssen wir morgen noch eine Schicht drüberfrieren lassen."

Einzelhändler profitieren

Einzelhändler mit Winterware freut die Eiseskälte. Nach der milden Witterung hatte Galeria Kaufhof in Heilbronn die Preise für Handschuhe, Schals, Mützen, Jacken bereits reduziert. Jetzt gebe es reißenden Absatz, berichtet Geschäftsführer Karl Pommée.

Auf eine extreme Nachfrage und phasenweise Versorgungsengpässe beim Einkauf von Mineralöl verweist die Firma Domesle. Es gebe Anfragen von früh bis spät, alle Fahrzeuge seien im Einsatz.  cf/jükü/gab
 

 



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