Ein Familienmensch mit vielen Interessen

Josef Hubert Graf von Neipperg feiert heute seinen 90. Geburtstag

Von Stefanie Pfäffle

Leidenschaft für Geschichte und Politik: Josef Graf von Neipperg.Foto: Pfäffle

Schwaigern - Er war in Afrika in Stellung, als er einen Brief erhielt, der seinen Lebensplan von Grund auf verändern sollte. „Meine Mutter schrieb, dass mein Bruder in Russland gefallen war.“ Damit rückte der junge Josef Hubert, von allen Jof genannt, in der Erbfolge an die erste Stelle vor. Statt einer Laufbahn im Heer stand seine Karriere nun unumstößlich fest: Der damals 23-Jährige wurde Graf und Herr von Neipperg. Heute feiert seine Erlaucht seinen 90. Geburtstag.

Bereits sein einziger Kriegsurlaub aus Afrika diente dem jungen Mann der Betriebserkundung. „Ich hatte ja bis dahin keinen Grund gehabt, mich näher damit zu beschäftigen“, erzählt der Mann mit dem schlohweißen, aber vollen Haarschopf. Höchstens der Wald hätte mal sein Interesse gefunden, dann aber auch nur zur Jagd.

Gefangenschaft Nach der Kapitulation geriet er zunächst in Afrika in Gefangenschaft. Dass es zunächst mal nichts zu essen gab, dafür hatte er Verständnis. . „Die Amerikaner waren plötzlich für die Versorgung von 100 000 Soldaten mehr zuständig.“ In Amerika dann hatte er Glück. Im Offizierslager bauten die Gefangenen eine Art Lageruni auf, er besuchte Vorlesungen zur Anatomie von Haustieren und vieles mehr. „Wegen des Stacheldrahts hatten wir viel Konzentration für das Studium übrig.“

Am 11. Januar 1946 kam er über einige weniger erfreuliche Stationen mit Vorbildung zurück nach Schwaigern. Es ging darum, den Betrieb erstmal wieder zum Laufen zu bringen. Die Angestellten waren eingezogen, die Gebäude in Klingenberg fast vollständig abgebrannt und Neipperg heruntergekommen. Nebenbei beschäftigte er sich schnell wieder mit seiner anderen Leidenschaft – Politik und Geschichte. Noch heute hält er für die christliche Stephanus-Gemeinschaft Vorträge, um anderen Menschen politisches Denken nahe zu bringen.

Obwohl sich der Graf erst einarbeiten musste, entwickelte der achtfache Vater schnell großes Interesse am Weinbau sowie der Land- und Forstwirtschaft. Nach dem Verkauf von landwirtschaftlicher Fläche in Klingenberg verfügte er plötzlich über Mittel, „die ich als Landwirt niemals hätte erwirtschaften können“. Er weitete sein Geschäftsfeld auf Frankreich aus, die dortigen Weingüter betreibt heute Sohn Stephan. Karl-Eugen hat Mitte der 80er den heimischen Betrieb übernommen. Außerdem kaufte Josef von Neipperg mit seinem heutigen Schwager einen Wald in Chile, den er heute noch jedes Jahr aufsucht.

Kaum Ruhepausen Nach dem Tod seiner ersten Frau Mary Gräfin von Ledebur, vermählte er sich 1986 mit Therese von Neipperg, geborene zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. „Wir kannten uns schon lange, ich hab sie mal bei der Jagd angeschossen“, erzählt der Graf verschmitzt. Auch mit 90 Jahren kennt der Graf kaum Ruhepausen. Er liest viel, kümmert sich um seinen Wald, und dann sind da ja auch noch die 22 Enkel – Familie ist für Josef Hubert am Allerwichtigsten.