Dauergerüchte um Katzenfänger

Region Heilbronn - Immer wieder warnen Tierschutzvereine vor angeblichen Katzenfängern, die – getarnt als Straßensammler für Altkleider und Schuhe – Lockstoffe auslegen und nachts die Vierbeiner einfangen. Doch selbst der Landestierschutzverband zweifelt diese Theorie an.

Von Carsten Friese

Katzenfänger
Region Heilbronn - Sie hat Tränen vergossen und überall in der Nachbarschaft Vermisstenzettel mit dem Foto von "Asterix" aufgehängt. Es brachte nichts. Ingeborg Wenzels zwölfjähriger Kater, der über Nacht verschwunden war und sonst "jeden Tag" von seinen Streifzügen heimkehrte, tauchte nicht wieder auf.

Hinweise im Internet machten die Heilbronnerin hellhörig. Immer wieder warnen Tierschutzvereine vor angeblichen Katzenfängern, die - getarnt als Straßensammler für Altkleider und Schuhe - Lockstoffe auslegen und nachts die Vierbeiner einfangen. Zur Zeit, als "Asterix" verschwand, standen auch in der Straße von Ingeborg Wenzel (Foto: Friese) die Eimer. "Entsetzlich" empfindet die 61-Jährige den Verdacht, dass ihr Kater vielleicht wie im Internet beschrieben als Rheumadecke oder Fellbesatz für Schuhe und Mäntel endete.

Verdächtig

Auch in Horkheim verschwand zuletzt ein Kater. "Auch dort war eine Altkleidersammlung", erfuhr Katzenfreund Walter Urich (46) von dem Besitzer. Ein "dubioses Fahrzeug" mit zwei Männern, getönten Scheiben und auswärtigem Kennzeichen fiel Lkw-Fahrer Urich zu dieser Zeit in Horkheim auf. "Das ist sehr verdächtig."

Was ist dran an den Katzenfänger-Gerüchten, die quer durch die Republik die Runde machen? Eine ganze Fänger-Mafia müsste da in deutschen Landen unterwegs sein.

Heilbronns Polizeisprecher Rainer Köller kennt die Vermutungen, die Tierfreunde immer wieder mal vorbringen. Aber: "Es gibt keine massive Häufung. Es waren Einzelfälle", wenn Katzen verschwanden. Nie habe sich ein Verdacht auf eine Straftat ergeben.

Zweifel

Selbst der Landestierschutzverband zweifelt die Katzenfang-Theorie an. "Es gibt viele Punkte, die dagegen sprechen und keine Beweise dafür", sagt der Vorsitzende Herbert Lawo. Tierversuchslabore könnten mit Wildfängen nichts anfangen, da sie strenge Auswahlkriterien hätten. Und um Katzenfelle zu erhalten, wäre die Methode mit Straßensammlungen sehr aufwändig. Da sei es einfacher, "die Tiere zu züchten".

Katzen streunen kilometerweit, sie können überfahren werden, es gibt sogar Katzen, die in fremden Haushalten bleiben, wenn sie dort bestens versorgt werden. Einzelfälle, dass Tierhasser Gewalt gegen die Vierbeiner anwenden, kennt Lawo zwar. Ein flächendeckendes Fangsystem hält er jedoch nicht für stichhaltig. Die Theorie sei mit der Zeit "ein Selbstläufer" geworden.

Proben

Auch Silke Anders, Vorsitzende des Heilbronner Tierschutzvereins, steht der Theorie "sehr zwiespältig" gegenüber. Der Verein hat sogar Sammeleimer auf Lockstoffe untersucht: Man fand nichts.

Für einige Firmen wird der anhaltende Gerüchtestrom unter Tierfreunden dennoch zum Problem. "Mit Katzenfängern haben wir nichts zu tun", steht vorsorglich auf dem Deckel einer Stuttgarter Textilsammelfirma, die ihre Eimer zuletzt in Flein aufstellte.

Dass einige Anwohner die aufgestellten Sammeleimer schon weggeworfen oder aggressiv reagiert hätten, hat die die Firma „Menschliche Arbeit“ schon erlebt, berichtet Geschäftsführer Manhal Kuriakos. Deshalb habe man den Schriftzusatz aufgebracht. Selbst das Loch im Eimerboden interpretierten Tierfreunde damit, dass es ein Luftloch für gefangene Katzen sein müsse. Wie Kuriakos versichert, hat es einen ganz anderen Grund: Falls der Deckeleimer nicht hundertprozentig drauf sei und Regen eindringe, könne das Wasser abfließen.


Hintergrund: Fundkatzen

Im Heilbronner Tierheim wurden im Vorjahr 693 Fundkatzen abgegeben – 13 pro Woche. Die Straßenmeisterei Neuenstadt entsorgt pro Woche eine überfahrene tote Katze auf den Straßen der Region. cf