Burgberg soll historischen Charakter behalten

Staatsweingut will 80 Ar Rebflächen mit Mauern und Terrassen anlegen - Kosten rund 180 000 Euro

Von Joachim Kinzinger

Burgberg soll historischen Charakter behalten
Auch diese Brachfläche unmittelbar unter der Burgruine Weibertreu will das Staatsweingut bewirtschaften und dort neue Mauern errichten.Foto: Ulrike Kugler

Weinsberg - Gras überwuchert Mauern, Brombeeren breiten sich aus. Allmählich verbuscht eine rund 0,5 Hektar große Brachfläche des Landes. An historischem Ort: auf der Westseite der Weibertreu. Das Staatsweingut Weinsberg hat Pläne vorgelegt, zwei Meter breite Terrassen zu erstellen, die Trockenmauern zu sanieren, auch für Rebflächen auf der Südseite. Bürgermeister Stefan Thoma signalisiert breite Unterstützung: „Es ist wichtig, dass der Burgberg seinen historischen Charakter erhält.“

Dr. Günter Bäder, Leiter der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO), erwähnt die uralte Tradition: Weinbau unterhalb der Burgruine. Das Staatsweingut bewirtschaftet auf der Südseite eine Muskateller-Anlage mit 35 Ar. Zu Bedingungen wie vor 50 Jahren: Keine direkte Zufahrt, steile Aufstiege, alles Handarbeit. Rund 50 Zentimeter breite Terrassen können selbst zu Fuß nur schwierig begangen werden.

Paradebeispiel Zudem wolle das Land Personalstellen an der LVWO streichen. Bäder sieht nur eine Alternative: „Wir brauchen mechanisierbare Lagen.“ Er nennt als Paradebeispiel die Fläche vor Burg Wildeck in Abstatt. Mitarbeiter des Staatsweinguts hatten dort vor Jahren eine 70 Meter lange Trockenmauer gesetzt, das Gelände mit jeweils einer Rebzeile terrassiert.

„Wir wollen das Gelände nur behutsam modernisieren, keine Flurbereinigung“, macht Bäder klar. Stadtchef Thoma verweist darauf, dass alle Trockenmauern erhalten bleiben. LVWO-Abteilungsleiter Dr. Walter Kast hat die Pläne für eine rationelle Bewirtschaftung des oberen Burgkranzes erstellt. Insgesamt sind es 80 Ar, mit bis zu drei Meter hohen Mauern und Gesamtlängen von 250 bis 300 Metern. „Bei diesem Eingriff wird möglichst wenig Erde bewegt“, betont Kast. Auf der Nordwestseite werden neun, auf der Südseite vier Terrassen mit je einer Rebzeile angelegt.

Burgberg soll historischen Charakter behalten
So wie vor Burg Wildeck soll das Gelände terrassiert werden.Foto: Dittmar Dirks

Für den Weinbaufachmann ist wichtig, dass das bisherige Landschaftsbild durch die horizontale Führung der Rebzeilen bestehen bleibt. Allerdings braucht die LVWO eine Zufahrt. Die soll über eine Biotopfläche führen, die stark mit Brombeeren überwuchert ist. Die Gesamtkosten beziffert die LVWO nach Schätzungen auf 180 000 Euro. Bürgermeister Thoma unterstützt die Pläne, „weil es ein wichtiges Projekt ist“. Wenn man nicht eingreife, habe man eine Brachfläche.

Vom Ministerium für Ländlicher Raum in Stuttgart sagt Pressesprecher Thomas Deines, dass Rebflächen in Handarbeit wie unterhalb der Weibertreu keine Zukunft haben: „Unser klares Ziel ist, den Steillagenweinbau zu erhalten.“ Und die Kulturlandschaft mit der Querterrassierung. Allerdings sei das Projekt noch im Anfangsstadium: „Es müssen alle Partner mit ins Boot.“ Die Finanzierung erfolge über das Vermögens- und Bauamt Heilbronn.

Vorgaben Direktor Bäder verweist darauf, dass die Kreisbehörde die Querterrassen befürwortet. Landratsamt-Pressesprecher Hubert Waldenberger signalisiert eine grundsätzliche Bereitschaft, die Sache positiv zu sehen. Aber: „Man braucht eine detaillierte Planung.“ So führe die vorgesehene Zufahrt durch Feldgehölze: „Hier sind Vorgaben zu beachten.“



Hintergrund: Weinbauschule

Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO) wurde als Königliche Weinbauschule 1868 gegründet und ist die älteste deutsche Wein- und Obstbauschule. Geistiger Vater und Hauptinitiator dieser Weinbauschule war Immanuel Dornfeld. Ihren jetzigen Namen erhielt sie 1952.