Biergartenwirt und Abenteurer

Naturfotos von Jürgen Ross werden bei Experimenta-Sonderausstellung gezeigt

Biergartenwirt und Abenteurer
Eines der preisgekrönten Fotos von Jürgen Ross. Sein Motto lautet: Möglichst nah ran. Aufgenommen wurde dieses Foto im Krüger Nationalpark.Foto: Jürgen Ross

Die Lucky Strike und der Kaffee. Diese fürwahr ungesunde Kombination scheint aber gerade das Überlebenselixier von Jürgen Ross zu sein. Der Pächter des ASV-Biergartens im Heilbronner Wertwiesenpark fühlt sich prächtig. Nicht nur, weil sich der 56-Jährige hin und wieder doch einen Schluck bekömmlicher und nahrhafter Milch gönnt, sondern weil er mit seinen Bildern beim weltweit größten Wettbewerb für Naturfotografien ganz weit vorne gelandet ist.

Würdigung Beim BBC Wildlife Photographer of the Year gehen jährlich mehr als 40 000 Einsendungen von Profis, Amateuren und Nachwuchstalenten aus aller Welt ein. Mehr als 100 preisgekrönte und lobend erwähnte Bilder, schon bei der Premiere in London gefeiert, werden derzeit im Rahmen einer Sonderausstellung in der Experimenta im Hagenbucher gezeigt. Mit "Highly Commended" (sehr empfehlenswert) hat die Jury sein eindrucksvolles Foto gewürdigt.

So spannend und unverwechselbar wie seine Fotografien ist das Leben von Jürgen Ross. Nach dem Abitur studiert der gebürtige Heilbronner, der heute in Talheim lebt, in Stuttgart Architektur. Den Beruf übt er jedoch nie aus: "Ich hab" nicht fertig gemacht. War zu anstrengend", hakt er diesen Lebensabschnitt in seiner für ihn typisch pragmatischen Art ab. Er versucht sich in der Autovermietung und kommt aus diesem Abenteuer "mit einem blauen Auge" davon.

Es folgt der Weg in die Gastronomie. Gartenlaube, Mad Max und seit zwölf Jahren Pächter des ASV-Biergartens. Es sind die Jahre, in denen er seine Liebe für Australien, Südostasien und Afrika entdeckt. "Anfangs habe ich auf meinen Reisen den lieben Gott einen guten Mann sein lassen", gesteht Ross. Der begeisterte Motorradfahrer erinnert sich: "Ich war einmal drei Jahre weg − zwei Jahre Australien, ein Jahr Afrika − und ich hab" nur einen Tag dort gearbeitet. Es war eine herrliche Zeit. Das Leben war einfach. Das muss man aber auch sehen."

Kontrastprogramm Irgendwann in dieser Phase wächst die Liebe zur Fotografie in Jürgen Ross. Während er in der warmen Jahreszeit seinen Biergarten führt, begibt er sich im Winter auf ausgiebige Fotoreisen. Er bringt sich alles selbst bei und entwickelt seinen eigenen Fotografiestil. Sein Motto: möglichst nah ran. Das Geschöpf stellt er immer und immer wieder in den unverrückbaren Mittelpunkt. Seine Fotografien werden immer künstlerischer. Jürgen Ross wagt sich in Wettbewerbe − und macht sich einen Namen.

"Fotografieren ist das perfekte Kontrastprogramm zu meinem Job", sagt Ross. Während der Saison von tausenden von Menschen umgeben, danach allein in der Wüste. "Ich hab" es sehr gut erwischt. Nicht nur, dass ich in meinem Biergarten den geilsten Arbeitsplatz der Welt habe." Während er dies sagt, wirft er seinem Border Collie Page, dem beliebten Biergartenhund, immer wieder Stöckchen zu. Es scheint, als träume Jürgen Ross gerade von einem weiteren Foto-Abenteuer.

Biergartenwirt und Abenteurer
Jürgen Ross in seinem Biergarten. Für ihn ist es der "geilste Arbeitsplatz der Welt". Im Winter geht er wieder auf Foto-Safari.Foto: Andreas Veigel