„Bauer sucht Frau“ - oder hat sie längst gefunden

Region Heilbronn - Welche Schwierigkeiten Landwirte bei der Partnersuche haben und was sie von der TV-Sendung halten

Von Melanie Kräuter

Landwirtschaftlicher Betrieb
Viehwirtschaft bedeutet für Bauern großen Zeitaufwand. Foto: dpa Z1003 Jens Büttner (dpa/zb)

Region Heilbronn - Der „romantische Schwarzwälder Frank“, der „gemütliche Getreidebauer Georg“, der „attraktive Schweinebauer Torsten“... Von RTL mit verschiedenen Attributen ausgestattet, suchen wieder neun Landwirte in „Bauer sucht Frau“ die Partnerin fürs Leben.

Helmut Eberle, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Heilbronn, hält nichts von der Sendung. „Ich finde, das ist eine Diskriminierung unseres Berufsstandes.“ Sie spiegele nicht die reale Situation der Landwirte wider. „Es ist schon ein Stück weit schwierig, eine Frau zu finden, die in den Betrieb passt.“ Das sei aber vor allem durch das Zeitproblem begründet, das auch andere Berufsgruppen hätten. Auch beobachtet Eberle, dass Töchter aus landwirtschaftlichen Betrieben oft einen anderen Beruf ergreifen. „Sie sehen an ihren Eltern, wie viel Arbeit darin steckt.“ Trotzdem sind die 4000 Landwirte des Kreisverbandes partnerschaftlich gut versorgt. „Die Zahl der ledigen Landwirte ist relativ gering.“

Kühe melken

Harald Gurr, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins Biberach, sieht das Problem vor allem bei Bauern, die Tiere halten. „Kühe wollen auch sonntags und an Feiertagen gemolken werden. Da ist es schon ein Problem, wenn die Frau nicht mitzieht.“ Urlaub oder am Wochenende weggehen sei da schwierig bis unmöglich.

„Glück fürs Herz und Leben kann es mit Andrea geben, 31/1,70, ledig, schlank, natürliche Frohnatur, auf dem Lande lebend.“ So lautet eine Anzeige des Instituts Schnepf im „Landwirtschaftlichen Wochenblatt“. „Der Beruf des Landwirts ist bei jungen Frauen angesehen“, weiß Werner Schnepf, einer der beiden Inhaber der Partnervermittlung mit Sitz in Böckingen und Stuttgart. Viele hätten ihre Einstellung zur Ernährung geändert, wollten selbst Einfluss darauf nehmen oder verbinden mit dem Landwirt Sicherheit.

Internetseiten wie www.landflirt.de richten sich an Leute aus der Landwirtschaft. Mit Zunahme der Partnerbörsen im Internet spürte das Institut einen Einbruch. „Inzwischen melden sich wieder verstärkt Leute bei uns.“ Vor allem diejenigen, die auf anderen Wegen negative Erfahrungen gemacht haben. Auf den Erfolg ist Schnepf stolz: Bei den 20- bis 30-Jährigen fand das Institut in 80 Prozent der Fälle einen Partner.

Bei der Kreislandjugend (KLJ) seien viele auf der Suche, sagt Vorsitzender Thomas Rembold. Neben dem Zeitproblem könne es in einem Familienbetrieb auch Konflikte mit den Eltern geben. Außerdem sind mehr Männer unter den 80 Mitgliedern. Es gibt aber auch Glückliche: „Über die Kreislandjugend haben sich schon einige Paare gefunden“, weiß Ilona Baier, Vorsitzende der KLJ. Die Sendung im Fernsehen schauen beide an. Rembold: „Teilweise entsprechen die Themen schon der Realität.“