Tausende Tonnen strahlender Müll

Neckarwesteim  Das Standortabfall-Lager auf dem Gelände des GKN soll mehrere tausend Tonnen schwach- und mittelstark strahlenden Müll aus dem Rückbau der beiden Atomkraftwerke aufnehmen. Wie lange das Material in Neckarwestheim bleibt, ist noch unklar.

Von unserem Redakteur Reto Bosch

Tausende Tonnen strahlender Müll
Der ältere Block Neckarwestheim I (linke Kuppel) ist 1976 in Betrieb und 2011 vom Netz gegangen. GKN II soll noch bis zum Jahr 2022 laufen. Foto: Archiv/Veigel

Allein aus dem Abbau von GKN I will die EnBW 2800 Tonnen schwach- und mittelradioaktiven Abfall in Neckarwestheim deponieren. Wie lange dieses Material im noch zu bauenden Standortabfalllager (SAL) bleiben wird, hängt davon ab, wann das Endlager für solche Stoffe bei Salzgitter in Betrieb gehen kann. Der Genehmigungsantrag für das SAL enthält jedenfalls keine Befristung. Der Betreiber versichert, dass von dem Lager keine Gesundheitsgefährdung ausgeht. Zum Einsatz kommen Spezialbehälter, die die Strahlung abschirmen sollen.

Schacht Konrad

Im Gegensatz zu den hochradioaktiven Brennstäben haben schwächer strahlende Stoffe bereits einen endgültigen Bestimmungsort zugewiesen bekommen: das Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen. Unklar ist allerdings, wann die Anlage die ersten Behälter aufnehmen kann. Zurzeit gilt die Sprachregelung "nicht vor dem Jahr 2022". Das stellt die EnBW vor Probleme. Beim Betrieb von Atomkraftwerken entsteht strahlender Müll, beim Abbau der Reaktoren noch viel mehr. "So lange Schacht Konrad nicht in Betrieb genommen ist, sind wir gemäß Strahlenschutzverordnung verpflichtet, diese Abfälle zwischenzulagern", erklärt die EnBW.

Behälter

Deshalb hat der Karlsruher Energieversorger den Bau eines Lagers mit den Maßen 133 mal 30 mal 21 Meter beantragt. Die Gemeinde Neckarwestheim hat den Plänen im zweiten Anlauf zugestimmt. Es bietet Platz für 12 000 Kubikmeter Material, Behälter inbegriffen. Bei GKN I rechnet die EnBW mit 2800 Tonnen schwach- und mittelradioaktivem Müll. Welche Menge mit GKN II hinzukommt, kann das Unternehmen nicht sagen. Nur soviel: "Die Größe ist so ausgelegt, dass alle am Standort Neckarwestheim vorhandenen und beim Rückbau beider Blöcke anfallenden schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle aufgenommen werden können." Damit sei gewährleistet, dass die Reaktoren auch dann abgebaut werden können, wenn Schacht Konrad nicht rechtzeitig zur Verfügung steht.

Wie schützt die EnBW die Bevölkerung vor Strahlung? Die Abfälle würden in Behältern eingelagert, die die Strahlung sicher abschirmen: Mosaik-Behälter aus Gusseisen mit Kugelgraphit und Konrad-Container. Hersteller ist laut EnBW die "Gesellschaft für Nuklear-Service". "Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wird sichergestellt, dass es nicht zu unzulässigen Freisetzungen kommen kann", erklärt das Landesumweltministerium auf Anfrage. Messeinrichtungen sind nach EnBW-Angaben auf dem Kraftwerksgelände und außerhalb des Areals vorgesehen. Auch die Abluft werde kontinuierlich überwacht.

Tausende Tonnen strahlender Müll

Grenzwerte

"Entscheidend für Mensch und Umwelt ist, dass uns Grenzwerte für die Strahlung vorgegeben sind", erläutert der Betreiber auf Stimme-Anfrage. Der Wert von 0,4 Millisievert (mSv/a) Direktstrahlung pro Jahr dürfe auch weiterhin nicht überschritten werden. Diesen Wert unterschreite GKN bei weitem. Die durchschnittliche Strahlenbelastung eines Menschen in Deutschland betrage vier Millisievert pro Jahr. Neben der EnBW überwacht auch das Land die vom Kernkraftwerk und SAL ausgehende Belastung. Das Umweltministerium versichert, dass im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für das Lager sichergestellt wird, dass die Belastung der Bevölkerung ein Millisievert pro Jahr nicht überschreitet: 0,4 mSv Direktstrahlung, 0,3 mSv aus Ableitungen mit der Luft, 0,3 mSv aus Ableitungen mit dem Abwasser.

Das GKN-Zwischenlager für die hochradioaktiven Brennstäbe wird noch viele Jahrzehnte in Betrieb sein. Und das SAL? "Eine belastbare Aussage ist nicht möglich", sagt Ministeriumssprecher Frank Lorho. Die Genehmigung sei unbefristet beantragt. Die Landesregierung setze sich seit langem dafür ein, dass Schacht Konrad möglichst bald in Betrieb geht. Die EnBW wiederum appelliert an die Politik, ihrer Pflicht, Endlager zur Verfügung zu stellen, nachzukommen. Kommentar "Sicherheit"