Stoch: Gute Chancen für neue Lehrer

Heilbronn  Für 131 junge Leute beginnt am Seminar Heilbronn die schulpraktische Ausbildung.

Von unserer Redakteurin Gertrud Schubert

Stoch: Gute Chancen für neue Lehrer
Alles eine Frage der Vermittlung: Auf den Lerninhalt kommt es an − und auf eine offene Beziehung zu den Schülern. Foto: contrastwerkstatt/Fotolia

Die Einstellung konnte er ihnen nicht garantieren. Doch gute Chancen in den Schuldienst übernommen zu werden, hätten sie alle Male − allen Spar- und Streichankündigungen zum Trotz. Gestern Vormittag vereidigte Kultusminister Andreas Stoch am Heilbronner Seminar für Didaktik und Lehrerbildung 131 Lehreranwärter für Grund- und Werkrealschulen.

Fit für die Schule

18 Monate schulpraktische Ausbildung. Da lernen die frisch studierten Lehrkräfte in Seminar und Schule, wie sie völlig unterschiedlich lernstarke Kinder unterrichten und fördern. Sie werden fit gemacht für die Ganztagsschule. Und sie erfahren, was es mit Diagnose und Lernstandskontrolle auf sich hat.

Weil in dieser Woche die Halbjahreszeugnisse den Schul- und Familienalltag prägen, erklärte die leitende Schulamtsdirektorin von Ludwigsburg, Gabriele Traub, den Neulingen, wie Noten für die individuelle Förderung zu interpretieren sind: Sie dienen nicht dazu, Kinder untereinander zu vergleichen und zu sortieren. Paul heute wird an Paul vor ein paar Monaten gemessen, Sophie an Sophie − so wird sichtbar, was ein jedes Kind gelernt hat und wo noch Lücken sind.

Stoch: Gute Chancen für neue Lehrer
Andreas Stoch Foto: dpa

Die Ausbildung in Heilbronn verspricht Einblicke in vielfältige Lernkultur. Mit Innovation und Mut zu Neuem bereichern junge Lehrkräfte die Schulen, sagte die Vorsitzende des örtlichen Personalrats, Andrea Krieg, und forderte von Kultusminister Andreas Stoch "eine reelle Chance auf Einstellung, nicht nur zu einem Gastspiel. Wir brauchen sie dringend an unseren Schulen." Bildungspolitik sei keine mathematische Gleichung, 20 Prozent weniger Kinder entspreche eben nicht 20 Prozent weniger Lehrkräften. "Personalvertretung und alle Gewerkschaften werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz ringen", kündigte Krieg an.

Qualität geht vor

Die Zahl 11 600, die für die Kürzung von Lehrerstellen bis 2020 im Raum steht, wollte Kultusminister Andreas Stoch indes nicht wiederholen. "Sparen steht nicht vor Qualität", kritisierte er im Gespräch mit der Heilbronner Stimme eine falsche Reihenfolge in der Diskussion. Mit jedem Landesetat gelte es den Bedarf für den Bildungsbereich aufs Neue zu definieren, um die Qualität von Schule zu sichern und zu verbessern. Im Abgleich mit frei werdenden Stellen zeige sich, wo gespart werden könne. Stoch verwahrte sich dagegen, zuerst eine Zahl zu setzen.

Für den Kultusminister bestehen keine Zweifel, dass Lehrer zu werden sich lohnt − und das nicht allein weil ältere Lehrkräfte in den Ruhestand gehen. Vor allem gesellschaftliche Veränderungen − weniger Kinder, Auflösung sozialer Milieus, Zuwanderung − stellen Schule vor neue Herausforderungen. Sie zu meistern, darin sieht Stoch Chancen für junge, gut qualifizierte Lehrer.