Spürnasen im Stresstest

Region  Rettungshundestaffel Unterland ist Gastgeber für landesweite Katastrophenschutzübung − 50 Vierbeiner bei der Vermisstensuche

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz

 

Wird hier gerade ein Hollywood-Actionfilm gedreht? Es scheint fast so. Denn die Katastrophenszenarien, die sich die Rettungshundestaffel Unterland als Gastgeber für die Landesübung am Samstag ausgedacht hat, klingen schon fast ein bisschen nach Bruce Willis’ Blockbuster "Stirb langsam" − Region-Heilbronn-Version.

Immer geht es um Vermisstensuche. 50 Hundeführer mit ihren Vierbeinern samt Helfern aus ganz Baden-Württemberg müssen sich unter anderem diesen kniffligen Aufgaben stellen: In Heilbronn ist durch eine undichte Gasleitung eine Besenwirtschaft in die Luft geflogen. In den Trümmern wird eine unbekannte Zahl von Schwarzarbeitern vermutet; bei einem Schulausflug bricht in einer Klasse Panik aus, weil ein großer schwarzer Hund vermutlich ein Kind gebissen hat. Die Suche wird durch Reporter erschwert, die an der Unglücksstelle auftauchen und für Unruhe sorgen. Abgestürzte Kinder im Heilbronner Steinbruch, eine Explosion im Kerosin-Tanklager in Untergruppenbach und im Zementwerk Lauffen, vermisste Demente, Leichenfunde: Die kreativen Köpfe der Unterländer Rettungshundestaffel lassen nichts aus, um die Vermisstensuche möglichst realistisch und anspruchsvoll zu machen. Insgesamt sind den ganzen Tag über 250 Kräfte an neun Standorten im Stadt- und Landkreisgebiet im Einsatz, unterstützt von Feuerwehren, Rettungsdienst, Deutscher Lebensrettungs-Gesellschaft und Technischem Hilfswerk.

Der Lohn für die erfolgreiche Prüfung ist kein Pokal und auch keine Urkunde. Die Hunde bekommen von ihren Führern ein Leckerli, wenn sie die vermisste Person gefunden haben und dies ihrem "Herrchen" mit lautem Bellen mitteilen. So wie Balko, ein Berner Sennenhund, seit zehn Jahren im Einsatz, ein alter Hase unter den Rettungshunden in der Vermisstensuche. "Bist ein ganz Feiner", sagt Hundeführerin Marie-Theres Fetzer von der Rettungshundestaffel Mittlerer Neckar zu Balko, als der in einem leerstehenden Haus auf dem Gelände des Lauffener Zementwerks das Opfer im ersten Stock findet.

 

 

Mitglieder der Rettungshundestaffel Unterland fungieren als Beobachter und Wettkampfrichter. Nach der Vermisstensuche gibt es Manöverkritik mit den Akteuren. Denn auch bei Spürnasen macht nur Übung den Meister. Alle zwei Jahre ist eine andere Staffel im Land Ausrichter des Großkampftags.

Doch auch die Gastgeber profitieren. Nicht nur weil die Hundeführer die Szenarien vor der Katastrophenschutzübung selbst ausprobiert haben, um zu prüfen, ob sie auch realistisch sind. "Auch das Zusammenspiel der Rettungskräfte wird auf die Probe gestellt", sagt Günter Baumann, Vorsitzender der Unterländer Rettungshundestaffel. Und das ist wichtig, um im Ernstfall Höchstleistung zu bringen.