Polizei erklärt Markt- und Kiliansplatz zum Brennpunkt

Heilbronn  Die Polizei fährt in der Innenstadt inzwischen täglich Streife, um Präsenz zu zeigen. Junge Migrantengruppen fallen am Markt- und am Kiliansplatz negativ auf.

Von Carsten Friese

Ungute Gefühle am neuen Brennpunkt
Wird mittlerweile täglich von der Polizei bestreift: das Areal um Marktplatz, Haltestellen, Kilianskirche und Kaiserstraße. Foto: Andreas Veigel

In den letzten Wochen hat sich auf dem Heilbronner Markt- und Kiliansplatz eine Szene etabliert, die einige Bürger und die Polizei mit Sorge betrachten. Größere Gruppen junger ausländischer Männer treffen sich in wachsender Zahl, die im Herzen Heilbronns untereinander kommunizieren, aber auch schon öfter negativ in Erscheinung traten.

Die Polizei fährt dort inzwischen täglich Streife, will Präsenz zeigen, wie der stellvertretende Heilbronner Revierleiter Lars Walther feststellt. Seit Anfang März hätten Beschwerden zugenommen, über Beleidigungen, auch mit sexuellem Hintergrund, vereinzelte Straftaten wie Körperverletzungen unter verschiedenen Gruppen, über ein ungutes subjektives Sicherheitsgefühl wegen großer Gruppen oder verunreinigter WCs. Inzwischen stuft die Polizei das Areal in der Konzeption Sichere City "als roten Brennpunkt" ein, so Walther − die höchste Stufe.

Zwölf Streifen wegen Schlägerei

"Wenn da Personen massiert auftreten, in der Regel 20 bis 60 , fällt das auf", sagt Walther. An einem Abend seien es 120 gewesen. Ende März musste die Polizei mit zwölf Streifen anrücken, weil es zu Schlägereien verschiedener Flüchtlingsgruppen gekommen war. Die Gruppen seien aber nicht nur Flüchtlinge, betont Walther, sondern auch Gruppen, die bereits länger hier leben − auch aus dem benachbarten Landkreis.

Das Auftreten der jungen Männer wirkt nach. Nach einem Besuch abends in einem Lokal am Marktplatz fanden Heidi und Andreas Fenske die Situation mit vielen jungen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und sieben Einsatzfahrzeugen der Polizei "befremdend und beängstigend". Sie überlegen nun, ob sie abends das Herzstück von Heilbronn eher meiden, was eigentlich "sehr schade" wäre.

Auch Gastwirte am Marktplatz sehen die Entwicklung kritisch. Es gebe viele junge Männer, die ihre Energie ausleben, sagt Liberté-Gastronomin Hülya Wieland. Sie berichtet von lauter Musik, dass einige auf dem Robert-Mayer-Denkmal herumkletterten, von hinterlassenem Müll und Schmutz. Einige hätten bei ihnen inzwischen Hausverbot. Eine größere Polizeipräsenz würde sie begrüßen. Für Ratskeller-Gastronom Rainer Mosthaf ist der Marktplatz "der Treffpunkt der internationalen Kulturen" geworden. Auch er beklagt eine hohe Lautstärke, hinterlassenen Müll und vereinzelte Prügeleien. Von den Gästen werde dies als "sehr störend" empfunden. Mosthaf wäre für eine Videoüberwachung auf zentralen öffentlichen Plätzen oder aber eine dauerhafte Präsenz der Ordnungshüter.

Aggressives Verhalten und lautes Rufen

Selbst ein Flüchtlingshelfer wie Fred Dausel hat sich schon "über manche Situation" mit jungen Migranten in der Innenstadt "erschrocken". Aggressives Verhalten, lautes Rufen über größere Entfernungen spricht er an. Wenn er die Leute kenne, gehe er auf sie zu. Vom Asylcafé, das er leitet, kennt er solche Szenen nicht. "Langeweile ist der Hintergrund", sagt Dausel. Er regt an, den jungen Männern Alternativen anzubieten, einen Aufenthaltsort mit Sitzmöglichkeiten, Tischkicker oder Basketball.

Streetworker könnten Kontakt aufbauen. "Das müssen Profis machen." Bei einem runden Tisch würde Dausel Erfahrungen einbringen. Einen runden Tisch fände auch Kilianskirchenpfarrer Hans-Jörg Eiding sinnvoll, um vernünftige Lösungen zu suchen. Er hat schon Unmutsäußerungen von Gemeindemitgliedern gehört. Um die Kirche würden oft jüngere Menschen mit ihren Handys sitzen, "das sind aber nicht nur Flüchtlinge". Er hat an der Kirche noch keine Störungen erlebt. Wenn wenn man die jungen Männer bitte, Platz zu machen, sei es kein Problem. "Mit ihnen kann man reden."

Rathaussprecher Christian Britzke bestätigt Vorfälle, dass von eng zusammenstehenden Gruppen "Aggressivität" ausgegangen sei. Bei Störungen informiere man die Polizei. In einem Fall hat die Stadt gegen einen Hauptbeteiligten einer Schlägerei ein zweimonatiges Aufenthaltsverbot ausgesprochen. Der Kommunale Ordnungsdienst und Sozialarbeiter würden stärker vor Ort präsent sein. Man könne sich weiter angstfrei in Heilbronn aufhalten, so Britzke. Und: Der Arbeitskreis Miteinander in der City sei dabei, "Strategien zu entwickeln".

Um Verstärkung gebeten

Als "Einsatzschwerpunkt" stuft Vize-Polizeirevierleiter Lars Walther das Areal um Marktplatz und Kilianskirche ein. Es gab schon Platzverweise. Man werde auch künftig verstärkt Kräfte einsetzen, habe beim Präsidium um Unterstützung durch Bereitschaftspolizisten angefragt. Dauerpräsenz "schaffen wir aber nicht". Bei Straftaten sei man auch auf Bürgerhinweise angewiesen. Eine Videoüberwachung hätte gewisse abschreckende Wirkung. Es würden aber auch Passanten und Cafébesucher gefilmt, gibt er zu bedenken. cf