Lust auf Jobticket wächst

Region  Bis zu 2500 Angestellte nutzen im Gebiet des Nahverkehrsverbunds HNV mittlerweile das Job-Ticket für Bus und Bahn. Sie erhalten dabei vom Arbeitgeber einen deutlichen Zuschuss für die Monatskarte.

Von Carsten Friese

Lust auf Jobticket wächst
Durch einen deutlichen Zuschuss beim Jobticket eine Alternative zum Auto: Stadtbahn und Bus. Vor allem im Raum Heilbronn/Neckarsulm und Öhringen sieht der Verkehrsverbund HNV weiteres Potenzial.Foto: Friese

Stauträchtige Tage durch Baustellen in Heilbronn haben Autofahrer gerade wieder erlebt. Wer schimpft und flucht denkt vielleicht auch über Alternativen nach. Einige Firmen und Kommunen haben inzwischen das Jobticket mit einem monatlichen Zuschuss des Arbeitgebers im Angebot.

Die Nachfrage ist relativ gut − wenngleich bei etwa 2500 ausgestellten Jobtickets im Areal des Nahverkehrsverbunds HNV noch kein Boom auszumachen ist. Dafür machen zu wenige mit. Als Instrument mit Potenzial, Verkehrsstaus zu verringern, sieht HNV-Geschäftsführer Gerhard Gross das Jobticket allemal.

HNV verhandelt mit zahlreichen Arbeitgebern

Audi mit 1150 Jobtickets, die Verwaltung der Schwarz-Gruppe in Neckarsulm knapp 300, das Landratsamt Heilbronn rund 220, Landesbedienstete mit dem BW-Ticket im HNV-Land rund 340 und ab 1. Juli die Stadt Heilbronn mit 500 bestellten Jobtickets gehören zu größeren Abnehmern beim Bemühen, Mitarbeiter zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn zu bewegen.

Gut 2500 Jobtickets zweieinhalb Jahre nach dem Start: "Für den Anfang ist das toll. Wir haben die zwei größten Arbeitgeber in der Region, die großen Verwaltungen und hoffen, dass das abfärbt auf andere. Zudem stehen wir in Verhandlungen mit 15 bis 20 weiteren Arbeitgebern", zeigt sich HNV-Geschäftsführer Gerhard Gross zufrieden. Die Stadt Bad Rappenau, das Klinikum am Weissenhof, PSW Automotive Engineering oder die Phorms Kinderbetreuung machen bereits mit, das Landratsamt Hohenlohe, die Firma Bürkert und die Stadt Neckarsulm sollen von einem alten Zuschussmodell aufs Jobticket umgestellt werden.

Gross sieht weiteres Potenzial, vor allem im stark verdichteten Raum Heilbronn/Neckarsulm oder Öhringen − auch mit Blick auf Pendlerzahlen, die sich in den letzten 20 Jahren in Heilbronn-Franken etwa verdoppelten und Firmen hohe Kosten bescheren, weitere Parkplätze für Mitarbeiter bereitzustellen. Zudem sieht er eine positive Entwicklung, da das Land im Schienenverkehr Verbesserungen wie verdichtete Fahrpläne umsetzen will. Ab 2019 soll es auf den Zugstrecken nach Würzburg, Stuttgart, Crailsheim und Mannheim mit neuen Betreibern engere Takte geben. Die Deutsche Bahn werde man in Heilbronn "dann nicht mehr oft sehen".

Besserer Takt

Was aber, wenn Tausende mitmachen würden und der Platz in Stadtbahnen zu eng würde? "Dann muss man die Kapazität entsprechend ausbauen", sagt Gross, zum Beispiel mit zusätzlichen Bahnen in Hauptzeiten. Kostenträger wie Land, Kreise oder Städte werden bei klar steigender Nachfrage bereit sein, Verbesserungen im Takt umzusetzen, ist der HNV-Chef überzeugt.

Lust auf Jobticket wächst
Beispiel für ein Job-Ticket des HNV: ein Arbeitgeber-Logo ist integriert.Bild: HNV

Als Standard bezeichnet Gross es, dass Firmen 50 Prozent Zuschuss zum Monatsticket geben − bei einer Zone (40 Euro Monatspreis ) wären das 20 Euro − oder bei weiteren Anreisen maximal 25 Euro pro Monat. Zudem gewährt der HNV bei größeren Mengen Rabatt und Vergünstigungen wie das Angebot, dass Familienmitglieder (ein Erwachsener oder zwei Kinder) am Wochenende gratis mitfahren können.

Wenn mehr Firmen sich beim Jobticket engagierten, sähe Gross dies als gutes Zeichen. Neue Parkplätze reichten nicht aus, um die Verkehrsprobleme zu lösen.

Als "beachtlich" stuft Hans-Martin Sauter, Vorstand im VCD-Regionalverband, die Steigerungen beim Jobticket im HNV-Land nach einem zähen Start ein. Er sieht mit Blick auf die Firmendichte noch viel Potenzial. Gleichzeitig müsse aber die Infrastruktur verbessert werden, sollten weitere Bahnen fahren. Einen verlässlichen "Viertel-Stunden-Takt" zwischen Heilbronn, Bad Friedrichshall, Schwaigern und Öhringen sieht Sauter als nötig an.