Die Selbstkontrolle des Läufers

Heilbronn  Informatiker von der Hochschule Heilbronn haben den Einsatz von digitalen Messgeräten beim Trollinger Marathon untersucht.

Von Gertrud Schubert

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Viele Läufer setzen auf Pulsuhr und Smartphone-App. Foto: dpa

Wie weit? Wie schnell? Verbessere ich mich? Viele Läufer wollen es genau wissen und rüsten sich mit digitalen Messgeräten aus. Junge Heilbronner Informatiker wollten es noch genauer wissen und untersuchten beim Trollinger Marathon 2016 den Einsatz von Fitnessarmbändern, Lauf-Apps und GPS-Sportuhren. Erstes auffallendes Ergebnis der Studie: Nur knapp 24 Prozent der rund 1000 befragten Läufer halten die technische Laufkontrolle für überflüssig und sagen einfach: "Ich verlass’ mich auf meinen Körper."

Zehn Studierende und Mitarbeiter im Studiengang Medizinische Informatik (MI) waren mit Fragebögen unterwegs, schon am Samstag vor dem Marathon und kurz vor dem Start: Wer nutzt welches Gerät? Sie unterschieden die Antworten nach Geschlecht, Alter und Laufdisziplin.

Fitnessarmbänder tragen nur wenige

Das Ergebnis: Knapp 45 Prozent laufen mit GPS-Sportuhren, Smartphones mit App sind mit 18,5 Prozent oft vertreten. Smart Watch und die in der Werbung so häufig vorgestellten Fitnessarmbänder tragen nur wenige. Auch Pulsuhren ohne GPS, Fahrradcomputer, GPS für Golf und gewöhnliche Stoppuhren sind im Einsatz. Alles in allem 156 Modelle von 36 Herstellern.

Monika Pobiruchin (30), Doktorandin und Mitarbeiterin in MI, zieht das Fazit: Marathonläufer, egal ob Männer oder Frauen, nutzen häufiger als Halbmarathonläufer ein Messgerät. Am häufigsten ist es bei jungen Männern anzutreffen. Wer "ohne" läuft, zählt meist zu den Älteren ab 50 Jahren, und Frauen verzichten eher darauf. "Das korreliert mit der Smartphone-Nutzung", stellt die junge Forscherin wenig überrascht fest.

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Wie genau messen die Geräte?

Um die Genauigkeit der Geräte ging es bei der Frage nach dem Zieleinlauf. Ein Selbsttest hatte die passionierte Läuferin Monika Pobiruchin auf die Idee gebracht, mal nachzufragen, "was da läuft": Auf ihrer Hausstrecke nach Bad Wimpfen war die Rappenauerin laut ihrer Lauf-App 8,31 Kilometer gelaufen, ein Aktivitätsmesser von der Hochschule Heilbronn (HHN) übertrieb mächtig und zeigte 14,02 Kilometer an. Auf dem Radwegschild stehen vier, also müsste es so um die acht Kilometer gewesen sein.

So krasse Abweichungen haben die jungen Forscher nach dem Trollinger Marathon bei 262 zusätzlich Befragten nicht festgestellt. Beim Halbmarathon (21,0975 Kilometer) war die weitest gemessene Strecke 22,55 Kilometer, die kürzeste 20 Kilometer. Auch beim Marathon selbst (42,195 Kilometer) machte ein Läufer laut seinem Messgerät einen kleinen Umweg und war 43,7 Kilometer unterwegs, ein anderer wäre mit 41,48 Kilometer noch gar nicht über der Ziellinie gewesen. Wurden Schlangenlinien und Abkürzungen gelaufen? Es muss an den Geräten liegen, denn beim Marathon in Heilbronn handelt es sich um eine ausgemessene Referenzstrecke.

Nur wenig Abweichung der Uhren

Pobiruchins Fazit nach Sichtung aller Angaben: Die durchschnittliche Abweichung der Sportuhren beim Halbmarathon betrug nur 120 Meter, bei Smartphones mit Apps jedoch 350 Meter. "Für Otto Normalsportler taugt das auch", beurteilt Pobiruchin dieses Ergebnis, zumal es die Lauf-Apps ja umsonst gibt.

"Es mag nicht wirklich relevant klingen", verteidigt die Informatikerin ihre kleine Studie. In der Regel liegt der Fokus der Medizinischen Informatik auf den Patienten, Pobiruchin promoviert zum Beispiel über Krebsregisterdaten am SLK-Klinikum. Bei der Arbeit über die tragbaren Messgeräten stehen die Konsumenten und gesundheitsbewussten Bürger im Mittelpunkt. Die Forscherin hat die Versicherungen im Visier: Wenn sie Laufgeräte zur Verfügung stellen, um für Bewegung Boni zu vergeben, dann ist es wichtig, ob sich die Geräte überhaupt vergleichen lassen. Außerdem stellte sie fest, dass gar nicht so viele Fitnessarmbänder im Umlauf sind, wie die Werbung glauben machen will.

Deshalb ist sie gespannt, was für Zahlen sie beim Trollinger Marathon im Mai ermitteln werden. Dieses Mal wollen sie auch Ursachenforschung betreiben: Warum tragen Hobbysportler solche Messgeräte?