Das Glitzern der Salzkristalle

Bad Friedrichshall  Im Jahr 2008 wegen Gästerückgangs geschlossen, ist das Besucherbergwerk der Südwestdeutschen Salzwerke in Kochendorf seit 2012 wieder geöffnet – mit spektakulären Lichtinstallationen und modernen Multimedia-Präsentationen.

Von unserer Redakteurin Vanessa Müller

 

Blaues Licht lässt die Kristalle an den Wänden geheimnisvoll glitzern. Und während ein weißes Leuchten die hohe Decke überzieht, hallt ein Donnern durch die langen Gänge, wie bei einer Sprengung. Beinahe unwirklich ist die Stimmung hier unten, ähnlich der in einem Science-Fiction-Film. Eben noch haben die Besucher den Juni-Sonnenschein auf der Haut gefühlt. Jetzt jagt ein leichter Schauer darüber hinweg. Der Temperaturunterschied macht sich bemerkbar. 180 Meter hat sie der Förderkorb in die Tiefe gebracht. Hinab in Kammern, in denen es nie heißer oder kälter als 18 Grad wird. Hinab in das Reich des weißen Goldes.

Schacht

Im Jahr 2008 wegen Gästerückgangs geschlossen, ist das Besucherbergwerk der Südwestdeutschen Salzwerke in Kochendorf seit 2012 wieder geöffnet − mit spektakulären Lichtinstallationen und modernen Multimedia-Präsentationen. "Wir setzen auf Interaktion und Information", erklärt Personalleiter Thomas Bölz das Konzept. Angesprochen werden soll jeder, von der Oma bis zum Enkel. Und das kommt an. Sausten im Mai 2008 noch 6800 Personen bei 15 Öffnungstagen mit dem Förderkorb in die Stollen, waren es vergangenen Monat ganze 10 700. Und das an nur elf Tagen, an denen das Bergwerk für Besucher zugänglich war.

Auch an diesem Samstag ist einiges los. Plaudernd manövrieren die Besucher um die Pfützen auf dem Boden herum. "An der Feuchtigkeit merkt man, dass es Sommer ist", sagt Bölz. Die warme Luft, die aus der Schachteinfahrt nach unten dringt, kondensiert. Je weiter die Gäste in Richtung Stollen und Besucherrundgang vordringen, desto mehr verschwindet die Flüssigkeit. "Würden wir in den Kammern nicht auf das Klima achten, würde das Salz sich im Wasser einfach auflösen", erklärt Bölz.

Sümpfe

Dann öffnet sich vor ihm die riesige Geologiekammer. Hier startet die spannende Wissensvermittlung: Ein 160 Meter langer Bohrkern entpuppt sich als Logbuch bei der Reise durch die Erdgeschichte. Und in leuchtenden, begehbaren Würfeln wird die Entstehung des Salzes im Raum Heilbronn erklärt. Rund 240 Millionen Jahre ist es alt. Und schlummerte über zahllose Epochen unberührt unter Schiefer-, Dolomit- und Anhydritschichten, bis 1883 der Abbau begann. Staunend stehen zwei Grundschüler vor Nachbildungen verschiedener Saurier, die zu dieser Zeit die Erde bevölkerten. "Boah, riesig!" Die Jungs begutachten das Maul des fünf Meter langen Ur-Lurchs Mastodonsaurus, der in den Sümpfen des Unteren Keupers auf Beute lauerte. Dann gehen sie schweren Herzens weiter. Schließlich gibt es noch einiges mehr zu entdecken.

An acht Stationen erzählt die 1,5 Kilometer lange Rundstrecke nicht nur, wie Salz entstanden ist, sondern auch, wie es gewonnen und wofür es benötigt wird. Die KZ-Gedenkstätte der Miklos-Klein-Stiftung erinnert an die Gräueltaten der Nationalsozialisten, die in Bad Friedrichshall ein KZ errichteten und Zwangsarbeiter unter Tage für die Rüstungsindustrie arbeiten ließen. Maschinen und eine Schausprengung lassen die Besucher erahnen, welche großen Kräfte beim Abbau unter Tage nötig sind. Die Heidenheimerinnen Stefanie Schmid (15) und Ramona Baisch (12) sind sich einig: "Total spannend".