Bahn bekommt Chaos auf Schiene in den Griff

Südwesten  Die Zahl der Zugausfälle sinkt, die Pünktlichkeit nimmt zu. Der Sonderbeauftragte der Landesregierung spricht von einem Aufwärtstrend. Der Regionalchef bei DB Regio setzt auf mehr Personal.

Von Wolfgang Müller

Bahn bekommt Chaos auf Schiene in Griff
Der Sonderbeauftragte der Landesregierung, Gerhard Schnaitmann (li.), und der Regionalchef der DB Regio, David Weltzien, verfolgen ein gemeinsames Ziel: Die Bahn muss zuverlässiger und pünktlicher werden. Fotos: Wolfgang Müller

"Der Bahnbetrieb verträgt keine Eingriffe. Er muss sich einschwingen" − das Credo des Sonderbeauftragten der Landesregierung für einen geregelten Bahnverkehr in Baden-Württemberg klingt auf den ersten Blick widersprüchlich. Ist es doch gerade Gerhard Schnaitmann selbst, der eingreifen soll, damit die DB Regio den Zugverkehr im Land wieder in den Griff bekommt.

David Weltzien steht auf der anderen Seite. Aber der Regionalleiter der DB Regio ist sicher: Man zieht gemeinsam an einem Strang. Klar ist, beide Seiten stehen unter Druck. Verkehrsminister Winfried Hermann politisch. Die Deutsche Bahn wirtschaftlich.

Zugausfälle und Strafzahlungen für Verspätungen reißen dem Verkehrunternehmen allein auf der Frankenbahn ein namhaftes sechsstelliges Loch in die Kasse − pro Woche.

Ausgelaufener Verkehrsvertrag sorgt für Chaos

Bahn bekommt Chaos auf Schiene in Griff
Die neue Lok aus der Baureihe 147 von 2016 modernisiert den Fuhrpark.

Seitdem der Verkehrsvertrag zwischen dem Land und der Bahn im Oktober ausgelaufen ist, ist Sand im Getriebe. Zugausfälle und Verspätungen haben rasant zugenommen. Im Januar und Februar sprachen Landtagsabgeordnete, Interessenvertreter und Fahrgäste vom Chaos auf der Schiene.

"Inzwischen sind wir auf einem guten Weg. Die erreichte Stabilität gilt es zu festigen", sagt Weltzien bei der gemeinsamen Zugfahrt mit Schnaitmann von Heilbronn nach Stuttgart. Immerhin: die Zahl der Ausfälle sinke. Und landesweit seien 93 Prozent der Züge inzwischen pünktlich.

Wenn die Regionalbahn ausfällt, hält jetzt der Regionalexpress

Der Sonderbeauftragte nickt und nennt Gründe für den Aufwärtstrend: "Dispositives Reagieren auf Störungen." Als Beispiel nennt der ehemalige Chefplaner der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW), dass beim Ausfall einer Regionalbahn der nachfolgende Regionalexpress auch die kleineren Bahnhöfe ansteuert. "Nichts ist ärgerlicher für den Fahrgast, als wenn der eigene Zug ausfällt und der nächste einfach durchrauscht", weiß der 65-Jährige.

Bahn bekommt Chaos auf Schiene in Griff
Die 20 neue Lokomotiven von Bombardier sind digital zu steuern.

Auch Personal soll helfen. Konkret heißt das für Weltzien, dass allein für die Leitstelle Heilbronn 30 Zugbegleiter, die laut Übergangsvertrag nicht mehr hätten beschäftigt werden müssen, bis 2019 an Bord bleiben. Ab April finanziert vom Land. Für die ersten drei Monate von der Deutschen Bahn. Zehn davon würden derzeit als Lokführer ausgebildet. "Und wir versuchen, Lokführer auf dem freien Markt anzuwerben", sagt der 56-jährige Regionalchef. Für Schnaitmann und Weltzien eine Weichenstellung für die Zukunft. "Lokführer sind Mangelware", sagt Schnaitmann.

Mobile Trupps reparieren Züge unterwegs

Für mehr Züge auf den Gleisen sollen mobile Reparaturtrupps sorgen. 16 Beschäftigte in acht Gruppen greifen in Heilbronn, Stuttgart und Ulm den Lokführern unter die Arme und sehen auf der Strecke nach dem Rechten. Kleine Mängel könnten so behoben werden anstatt den Zug von der Strecke zu nehmen. Weltziens Ziel ist es, Wagen schneller zu reparieren. Von 830 Fahrzeugen in Baden-Württemberg stehen rund 100 in der Werkstatt. "Unser Ziel sind 60 Wagen", sagt Weltzien. Darüber hinaus nahm die Bahn eine Anregung des Sonderbeauftragten auf und stellt jetzt eine Lok mit Lokführer in Stuttgart in Bereitschaft.