Alte Doppelstockwagen statt uralter Silberlinge

Region  Die Bahn hat den Fahrzeugtausch auf der Frankenbahn abgeschlossen. Eine Verbesserung bei der Klimatisierung gibt es trotzdem nicht.

Von Gerhard Mayer

Alte Doppelstockwagen statt uralter Silberlinge
Die Doppelstockwagen, die jetzt auf der Frankenbahn einige einstöckige Züge ersetzen, sind rund 25 Jahre alt und nicht klimatisiert. Die Treppe ins Obergeschoss befindet sich in der Mitte. Foto: Gerhard Mayer

Der Austausch des Zugmaterials auf der Frankenbahn ist abgeschlossen. Dies hat die Deutsche Bahn auf Nachfrage bestätigt. Zwischen Stuttgart, Heilbronn und Würzburg sind jetzt mehr Doppelstockzüge im Einsatz, einige alte Loks und Wagen wurden ausgemustert. "Wir haben nun den Endzustand erreicht, wie es im Übergangsvertrag vorgesehen ist", erklärte dazu Bahn-Sprecher Martin Schmolke. Dieser Vertrag sieht ein verbessertes − wenn auch nicht neues − Zugmaterial vor und gilt bis Ende 2019.

Auf Regionalexpress-Strecke nur noch Doppelstockzüge unterwegs

Auf der Regionalexpress-Strecke, die im Zwei-Stunden-Takt von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg führt, sind jetzt nur noch Doppelstockzüge unterwegs. Ein Teil davon besteht aus Zügen, die bisher als Regionalbahn nach Osterburken unterwegs waren. Hierbei handelt es sich um Loks mit Waggons, die Mitte der 90er Jahre hergestellt wurden. Sie sind mit einer Klimaanlage ausgestattet und an den gebogenen Fenstern im Obergeschoss zu erkennen. Es gibt Wagen mit behindertengerechtem Tiefeinstieg, aber auch Varianten mit Hocheinstieg.

Alte Doppelstockwagen statt uralter Silberlinge
Im Heilbronner Hauptbahnhof fahren jetzt mehr Doppelstockzüge ein. Die klimatisierte Variante − wie hier zu sehen − fuhr bisher nach Osterburken, jetzt als Regionalexpress nach Würzburg.Foto: Archiv/Veigel

Neu hinzu gekommen sind beim Regionalexpress einige Doppelstockzüge, die Anfang der 90er Jahre für die Deutsche Reichsbahn* gebaut wurden. Diese Züge sind nicht klimatisiert. Sie sind innen anders aufgeteilt, die Treppe ins Obergeschoss befindet sich in der Mitte, die Fenster im Obergeschoss sind − außer beim Steuerwagen − nicht gebogen. Die Doppelstockwagen allgemein sind wie die einstöckigen rund 26 Meter lang und bieten in der Standardversion etwa 130 Fahrgästen Platz (bei den einstöckigen sind es 96 Plätze).

Die zweigeschossigen Züge sind in einem Vierer-Verbund unterwegs, die flachen Züge meist mit fünf Wagen. Vereinzelt sind auch Kombinationen beider Doppelstock-Varianten im Einsatz − was im Sommer zu der kuriosen Situation führt, dass in einem Zug nur einzelne Wagen klimatisiert sind.

Insgesamt betrachtet sind im Neckartal und auf der Frankenbahn nicht mehr klimatisierte Wagen unterwegs als zuvor − nur anders verteilt, bestätigt die Bahn. Das Verkehrsministerium hatte ursprünglich auch in diesem Punkt eine Verbesserung für das sogenannte Stuttgarter Netz angekündigt − allerdings nicht für konkrete Strecken.

Regionalbahn-Strecken weiterhin mit Uralt-Material bestückt

Alte Doppelstockwagen statt uralter Silberlinge

Auch auf den Regionalbahn-Strecken werden einige gebrauchte Doppelstockzüge eingesetzt − aber auch noch Züge mit einstöckigen Personenwagen. Wie viele dieser im Volksmund "Silberlinge" genannten Wagen noch von Stuttgart nach Heilbronn, Neckarsulm und Osterburken in Betrieb sind, beziffert die Bahn nicht genau. Schmolke spricht von etwa 50 Prozent der Regionalbahn-Verbindungen, die weiterhin mit dem Uralt-Material bestückt sind.

Offiziell heißen die Silberlinge "N-Wagen". Sie stammen größtenteils aus den 70er Jahren und sind später modernisiert worden. Im Laufe des März sollen noch mehrere alte Loks, die die N-Wagen ziehen, durch modernere ersetzt werden. Die Bahn hofft, dass damit Zugausfälle reduziert werden.

Einige der ausrangierten Silberlinge landen im deutschlandweiten Reservepool der Bahn, einige werden verschrottet und manche landen dort, wo sie nach Meinung vieler Fahrgäste schon lange hingehören: im Museum.

Verzögerungen wegen technischer Probleme und Personalmangel

"Von unserer Seite aus sind die Verbesserungen damit abgeschlossen", erklärt Martin Schmolke. Wegen technischer Probleme hatte sich der Einsatz der Doppelstockwagen monatelang verzögert. Hinzu kamen enorme Personalprobleme, wodurch viele Zugverbindungen ausgefallen sind. Nach heftigen Protesten von Fahrgästen und Bürgervertretern versprach die Bahn deutliche Verbesserungen. Wie berichtet hat die Bahn eine Taskforce eingerichtet, Verkehrsminister Winfried Hermann hat zudem einen Sonderbeauftragten für die Frankenbahn eingesetzt.

Da die Doppelstockwagen im Gegensatz zu den flachen Zügen auch ohne Zugbegleiter fahren können, trägt der Materialtausch auch zur Entlastung der Personalsituation bei der Bahn bei. Kommentar "Auf Bewährung"

Die Deutsche Reichsbahn der DDR fusionierte 1994 mit der Deutschen Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG.

 

Verträge

Der Übergangsvertrag, für den die Deutsche-Bahn-Tochter DB-Regio den Zuschlag erhielt, hat im Oktober 2016 den sogenannten großen Verkehrsvertrag abgelöst und gilt bis Dezember 2019. Dann übernehmen die zur niederländischen Abellio-Gruppe gehörende Abellio Rail Südwest GmbH und das britische Unternehmen Go-Ahead den Bahnverkehr im Neckartal und auf der Frankenbahn. In den neuen Verträgen, die zehn Jahre gelten, ist modernes Zugmaterial festgeschrieben – inklusive Klimatisierung, barrierefreiem Zugang und freiem WLAN. 

 

 

Auf Bewährung

 

Das neuere Zugmaterial auf der Frankenbahn ist ein erster, kleiner Schritt.

Ein Kommentar von Gerhard Mayer

Die Verbesserungen auf der Frankenbahn sind nicht zu übersehen. Bei den meisten Verbindungen zwischen Stuttgart, Heilbronn und Würzburg sind nun Doppelstockwagen im Einsatz. Der niedrige Einstieg, viel Platz für Kinderwagen, Fahrräder und Rollstuhlfahrer machen das Bahnfahren etwas komfortabler – auch wenn die gebrauchten Doppelstockwagen, die jetzt neu auf der Strecke sind, schon recht abgenutzt wirken.

Unter die Rubrik „ärgerlich“ einzuordnen ist, dass keine weiteren Wagen mit Klimatisierung hinzugekommen sind. Die bereits vorhandenen wurden lediglich von der Regionalbahn zum Regionalexpress verschoben. Die Ankündigungen von Bahn und Verkehrsministerium ließen auf mehr hoffen.

Für genervte Pendler sind aber andere Punkte entscheidend: Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Daran wird die Bahn gemessen und es sollte in ihrem eigenen Interesse sein, die Zeit bis Ende 2019 ordentlich über die Bühne zu bringen. Denn sie ist ja auch auf vielen anderen Strecken unterwegs und muss alles daran setzen, auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Der Ruf der Bahn ist speziell auf der Frankenbahn-Strecke derart ramponiert, dass es einige Zeit brauchen wird, das Image aufzupolieren. Erste positive Anzeichen sind zu erkennen.

Auch das Konzept von Verkehrsminister Winfried Hermann steht auf dem Prüfstand. Er hat in Baden-Württemberg den Wettbewerb im Bahnverkehr eingeführt – für den Steuerzahler durchaus erfolgreich. Schon mit dem Übergangsvertrag lassen sich angeblich mehr als 200 Millionen Euro sparen.

Ob die Rechnung auch für die Fahrgäste aufgeht, ist eine ganz andere Frage. In den neuen Verträgen wurde für die Anbieter ein niedrigerer Kilometerpreis festgeschrieben – mit neuem Zugmaterial und unter Beibehaltung sozialer Standards. Wer zu Discountpreisen bestellt, bekommt selten Premiumware. Die Pendler werden genau hinschauen, ob dieses Kunststück hier gelingt.

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gerhard.mayer@stimme.de