Rückbau-Start am Kernkraftwerk Neckarwestheim

Neckarwestheim  Davon dürfte Franz Untersteller in seinen Zeiten als Grünen-Oppositionspolitiker immer geträumt haben: Eines Tages bei der Demontage eines Atomkraftwerkes mitarbeiten zu können - so wie jetzt in Neckarwestheim.

Von Reto Bosch

Echte Handarbeit: Franz Untersteller (rechts) und Hans-Josef Zimmer lösen die Schrauben eines Rohrleitungsbogens von GKN I. Foto: Mario Berger

Am Montag hat der Umweltminister zusammen mit EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer ein wichtiges Teil von GKN I ausgebaut - beim symbolischen Start des Reaktor-Rückbaus. In den kommenden zehn bis 15 Jahren tragen Fachleute das Kraftwerk Stück für Stück ab. Kritik an der Vorgehensweise üben Atomkraftgegner.

Elektrizität produziert der 1976 ans Netz gegangene Kernkraftwerksblock seit 2011 nicht mehr. Damals zog die Bundesregierung unter dem Eindruck der Katastrophe im japanischen Fukushima acht älteren deutschen Reaktoren den Stecker. Die EnBW stellte 2013 den Antrag für den ersten Rückbauschritt, die Genehmigung erteilte das Landesumweltministerium im Februar dieses Jahres. Sofort begannen erste Arbeiten.

"Damit sind wir, was den Start der Arbeiten angeht, die Ersten in Deutschland", sagte Technikvorstand Zimmer mit Blick auf die acht stillgelegten Meiler. Er betonte, dass die EnBW damit rechnet, die Rückbaugenehmigung für den älteren Block in Philippsburg (KKP 1) demnächst zu erhalten. Der Abbau in Obrigheim läuft seit 2008. Und für KKP 2 und GKN II wurden die entsprechende Anträge bereits eingereicht. Am längsten wird der zweite Neckarwestheimer Block in Betrieb bleiben - bis Ende 2022.

Dokumentation der Abbauarbeiten

"Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Beendigung der Atomenergie in Deutschland", sagte Franz Untersteller im Maschinenhaus von GKN I, in das viele geladene Gäste gekommen waren. Er wies darauf hin, dass die Anregungen der Öffentlichkeit in das Genehmigungsverfahren aufgenommen worden seien. 2500 Einwendungen hat es gegeben, die bei einem Erörterungstermin in Neckarwestheim diskutiert worden sind.

Die EnBW sei beispielsweise zu einer umfassenden Dokumentation der Abbau-Arbeiten verpflichtet, müsse sich über neueste Rückbaumethoden informieren und diese anwenden. "Die Sicherheit von Mensch und Umwelt steht an erster Stelle." Er versicherte, dass der gesamte Rückbauprozess von der Atomaufsicht und externen Sachverständigen begleitet und überprüft werde.

Zweifel der Gegner

Genau dies bezweifeln Kernkraftgegner. Die Arbeitsgemeinschaft "Atomerbe Neckarwestheim" spricht von einem "Billig-Abriss zu Lasten von Mensch und Natur". Gemeint ist damit unter anderem das sogenannte Freigabeverfahren. Es sieht vor, dass Material mit einer Reststrahlung, die unter extrem niedrigen Grenzwerten liegt, auf dafür geeigneten Deponien entsorgt werden darf.

Dazu komme, dass parallel zum Rückbau GKN II weiter am Netz bleibe und zusätzliche Castoren aus Obrigheim auf dem GKN-Gelände eingelagert werden sollen. Das Umweltministerium sieht mit Blick auf das Freigabeverfahren keinerlei Gefahr. Die Belastung der Menschen im Umfeld der Deponien liege weit unter der natürlichen Strahlung.

 

Rückblick: GKN II wird 1989 eingeweiht

Im Vorfeld von heftigen Protesten der Atomkraftgegner begleitet, beginnt der Bau des Gemeinschaftskernkraftwerkes II in Neckarwestheim 1982. Eingeweiht wird es am 12. März 1989. Von Dezember 1988 bis Januar 1989 findet die stufenweise Inbetriebnahme statt. Mit einem Investitionsvolumen von fast 5 Milliarden Mark ist das Atomkraftwerk das gewaltigste Bauwerk, das je in Baden-Württemberg gebaut wurde. GKN II soll bis 2022 Strom liefern.

 

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