Erste Frankenbahn-Lokführer wechseln aus Unzufriedenheit

Region  Was viele Pendler prophezeit haben, beginnt jetzt: Personal der DB Regio wandert aus Unzufriedenheit ab. Die Zustände auf der Frankenbahn-Strecke werden sich möglicherweise weiter verschlechtern.

Von Adrian Hoffmann

Frankenbahn
Die Zustände auf der Frankenbahn-Strecke werden sich möglicherweise weiter verschlechtern. Foto: Gerhard Mayer

Nach Informationen der Heilbronner Stimme planen einige Lokführer aus Heilbronn ihren Wechsel zur DB Regio Kiel. Dort gibt es Bedarf an neuen Kräften – die DB Regio Kiel hatte sich bei einer Ausschreibung des Landes Schleswig-Holstein für ein Eisenbahnnetz durchgesetzt.

Anders die DB Regio Stuttgart: 2019 übernimmt das britische Unternehmen Go Ahead die Frankenbahn, dadurch sehen viele Lokführer in der Region ihre Perspektiven schwinden. Ab 1. Oktober sollen offenbar neun Lokführer aus Heilbronn, die bislang auf der Frankenbahnstrecke unterwegs waren, für die DB Regio Kiel arbeiten, erfuhr die Heilbronner Stimme aus Bahnkreisen – Oktober deshalb, weil sie eine dreimonatige Sperrfrist einhalten müssten.

"Das ist erst der Anfang"

Doch wie steht es um kurzfristigen Ersatz für die Frankenbahn? „Meine Vermutung ist, dass die Lokführer einfach gar nicht ersetzt werden“, sagt ein Insider. „Wie auch? Da kannst du nicht zum Arbeitsamt gehen und fordern: Schickt uns mal Lokführer runter.“ Das Personal, das sich für Kiel interessiere, stamme nicht aus dem Raum Heilbronn/Stuttgart. Deshalb stelle für sie ein Wechsel kein Problem dar. „Und das ist erst der Anfang.“

Werner Graf, Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart, bestätigt eine bevorstehende Abwanderungswelle von Lokführern – zu unterschiedlichen DB Regios in Deutschland. Konkrete Zahlen nennt die Pressestelle der Bahn noch keine, allerdings spricht Graf von einer „großen Fluktuation“. Man treffe Vorkehrungen, indem man Lokführer aus anderen DB Regios, die besser besetzt seien, auf die Frankenbahn-Strecke bewegen will.

Schlechtere Vertragsbedingungen bei Go Ahead

Auch Gerhard Schnaitmann aus Tübingen, der Anfang des Jahres für einige Monate zum „Sonderbeauftragten des Landes für Qualität im regionalen Schienenverkehr“ ernannt wurde, sieht die Problematik. Dass manche Lokführer nach Kiel wechseln wollen, „das passt für mich ins Bild“, so Schnaitmann. Noch interessanter seien für die Lokführer DB Regios, die deutlich näher liegen als Kiel. Gerhard Schnaitmann äußert Verständnis für die Angestellten der Bahn, ein Wechsel zu Go Ahead schließen viel aufgrund schlechterer Vertragsbedingungen aus.

Während andere Bundesländer sich besser auf die Nachwirkungen des EU-Rechts und Ausschreibungen einstellten, habe man in Baden-Württemberg Vorkehrungen verpasst. Das sei nicht das Verschulden der aktuellen Regierung, sagt Schnaitmann. „Wir wissen, dass in Übergangsphasen wie diesen solche Erscheinungen auftreten.“ Die Abwanderung von Lokführern werde weiter ein Problem bleiben. Er hoffe, dass Bemühungen, um den Personalengpass abzufedern, erfolgreich sein werden. Auch Go Ahead werde 2019 wohl Schwierigkeiten haben, genügend Lokführer zu finden.

Hoher Krankenstand durch dauerhafte Überlastung

Und zu höheren Krankenständen komme es, „weil die, die noch da sind, ja für viel mehr zuständig sind“, erklärt Schnaitmann. Ständig würden sie angerufen, ob sie diese oder jene Schicht übernehmen könnten. „Und dauerhafte Überlastung macht in jedem Beruf krank.“

Am Donnerstag waren auf der Stadtbahn-Linie S4 insgesamt 19 Fahrten ausgefallen. Zunächst war von 19 Krankmeldungen von DB Personal die Rede, dies trifft aber nicht zu. Einzelne Fahrer übernehmen mehrere Fahrten. Auch bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft beobachtet man die derzeitige Entwicklung bei der Deutschen Bahn, weshalb von der AVG mehr Stadtbahn-Lokführer ausgebildet werden.