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Magna-Mitarbeiter blicken in düstere Zukunft
Von Carsten Friese
Zaberfeld - Im Fackelschein sind die zwei Banner am Werkstor gut zu lesen. "Wir wehren uns", steht darauf, als am Montagabend rund 150 Mitarbeiter des Zaberfelder Magna-Werks bei Minustemperaturen gemeinsam mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE) eine Mahnwache abhalten.
Von wehrhaftem Widerstand ist vor dem Tor jedoch nicht viel zu sehen. Die Stimmung zwischen den Metalltonnen mit brennenden Palettenresten ist auffallend ruhig. Niedergeschlagenheit ist in den Gesprächen mit den Menschen zu spüren, deren Firma vor dem endgültigen Aus steht. Heute haben sie erfahren, dass auch ein in Auftrag gegebenes Gutachten eines Wirtschaftsprüfers Magna in Zaberfeld keine Chance mehr einräumt. Zu schlecht steht das Werk betriebswirtschaftlich da, das Sonnenblenden für Autos produziert.
"Es tut weh", sagt ein 45-Jähriger, der heute mit dem Gefühl nach Hause geht, "dass es das wahrscheinlich war". Er hat Familie, er hat nach einem Hausbau Schulden. "Papa, müssen wir das Haus verkaufen?", haben seine Kinder schon gefragt. Die Zukunft? Er weiß es nicht. Bei der derzeitigen Lage auf dem Arbeitsmarkt sei es verdammt schwierig. "Jede Firma wartet doch ab." Als "ganz großen Mist" bewertet ein 58-jähriger Mitarbeiter die aktuelle Entwicklung. Man habe "das Beste gegeben", sagt eine 46-Jährige, die mehr als zehn Jahre im Betrieb ist. Ihr Gefühl: "Am Boden zerstört." Auch sie hat Familie und muss ein Haus abbezahlen. Nach Brandenburg ziehen, wohin ein Teil der Produktion verlagert werden soll? Sie kann es sich nicht vorstellen, hier "alles im Stich zu lassen".
"Man will es einfach nicht glauben", sagt eine 44-jährige Kollegin, die mehr als 20 Jahre bei Magna arbeitet. Sie fragt sich, ob es "so weit kommen musste". Bürgermeister Thomas Csaszar ist ans Werkstor gekommen. Die Enttäuschung ist auch bei ihm groß, weil viele Familien vom größten Arbeitgeber im Ort abhängig sind. Bei einigen Ehepaaren arbeiten sogar beide hier. Mit der Wirtschaftsfördergesellschaft Heilbronn-Franken hat Csaszar Kontakte geknüpft, um zu versuchen, einen neuen Arbeitgeber für das Magna-Gelände zu interessieren und nach Zaberfeld zu bringen.
Ende im September?
Wie es weitergeht? "September", nennt Gewerkschaftssekretär Wendelin Schmidt ein von Magna genanntes Eckdatum für die Schließung. Teilbereiche würden sicher vorher verlagert. Für Schmidt geht es nun darum, einen Sozialplan mit "vernünftigen Lösungen" für alle Mitarbeiter auszuhandeln. Er weiß, dass die Jobsuche sehr schwierig wird, zumal einige "keinen Führerschein haben".
"Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt eine 29-Jährige vor dem Werkstor. Wirklich dran glauben kann heute Abend jedoch niemand mehr.
239 Mitarbeiter waren im Zaberfelder Werk des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna beschäftigt, als die Firmenleitung Anfang November 2009 die geplante Schließung des Standorts Zaberfeld bekannt gab. Derzeit sind es noch 220. Das Werk, das Sonnenblenden für die Autoindustrie produziert, schrieb in den vergangenen fünf Jahren rote Zahlen. Jetzt ist eine Verlagerung der Produktion ins brandenburgische Massen und nach England im Gespräch. 2004 hatte Magna in Zaberfeld in einen Erweiterungsbau rund fünf Millionen Euro investiert.
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