Streitpunkt Festqualität: Kampf um Besucher wird härter

Von Carsten Friese

Im September testet eine Jury des Weininstituts das Heilbronner Weindorf. Foto: HSt/Archiv

Region Heilbronn - Die Diskussion ist losgetreten. Mit seinem Ruf nach mehr Qualität auf den Festen in der Region hat Heilbronns Marketingchef Bernhard Winkler ein Thema gesetzt, das viele berührt. Gibt es wirklich inflationär viele Festangebote und sind die meisten allenfalls Mittelmaß?

Erlenbacher Weinfest, Lichterfest in Heilbronn, Zunftmarkt in Bad Wimpfen: Das sind Säulen der Festkultur in der Region Heilbronn, und wenn jeweils Tausende über die Festmeilen pilgern, sagt das viel über die Akzeptanz. Und sonst?

Gratwanderung

Auf das alle drei Jahre stattfindende Käsritt-Spektakel bereitet sich die Gemeinde Leingarten gerade vor. „Ich sehe nicht, dass wir ein größeres Qualitätsproblem haben“, sagt Bürgermeister Ralf Steinbrenner. Natürlich könne man immer etwas verbessern. Doch zwischen Aufwand und Kosten, zwischen vertretbar und notwendig, sei es immer eine Gratwanderung. Qualität macht Steinbrenner nicht an starren Kriterien fest. „Ein Fest für Jugendliche definiert sich anders als eines für Senioren.“

Auch in Lauffen sieht Carlotta Thumm keinen Nachholbedarf. „Wir haben bereits jetzt qualitativ hochwertige Feste“, sagt die Festbeauftragte der Stadt und nennt das Brückenfest oder die Veranstaltung Wein auf der Insel. Bis zu 100 Termine stehen im Lauffener Festkalender, und die Mehrheit der Bürger steht laut Thumm voll dahinter. „Es kommt auf eine gute Mischung an.“

Dass ein Fest im Notfall auch einmal beerdigt werden muss, hat dagegen die Stadt Brackenheim erlebt. Das Straßenfest gibt es nach 30 Jahren nicht mehr, weil immer weniger Vereine mitgemacht hatten und die Besucherzahlen deutlich zurückgegangen waren. Das Angebot neben Speisen und Getränken sei nicht mehr ausreichend gewesen, sagt Hauptamtsleiterin Sarina Pfründer. „Da haben wir schon gemerkt, dass man Qualität braucht.“ Es gebe eben viele Festangebote, „und die Besucher sortieren aus“. Das Schlossfest an historischer Stätte ist auf viel kleinerer Fläche eine Art Nachfolger auf anderem Niveau. Pfründer: „Es sind sehr viele Anstrengungen notwendig, wieder Besucher zu bekommen.“

Gütesiegel

Heilbronns Marketing-Chef Bernhard Winkler hat nach seiner Qualitätsaussage selbst Kritik einstecken müssen zur Qualität mancher städtischen Veranstaltung. „Wir stellen unsere Feste auch auf den Prüfstand“, verspricht er. Dennoch: Winkler bleibt dabei. Bei Vielfalt und Angebot gibt es „große Unterschiede“. Ab einer bestimmten Festgröße sei ein Zusatzprogramm notwendig, die besondere Note hält er ebenso für wichtig. „Wenn Feste austauschbar sind, ist es äußerst schlecht.“ Er glaubt, dass weitere Feste in Zukunft sterben werden, wenn die Zugkraft oder die Bereitschaft der Mitarbeiter nachlässt.

Ein klares Zeichen für Qualität bietet das Weininstitut Württemberg Organisatoren von Weinfesten an. Wer will, kann seit Juli ein Zertifikat erhalten – falls er mindestens 280 von 340 Punkten erreicht. „Es soll auch ein Anstoß sein, besser zu werden“, sagt Weininstitut-Geschäftsführer Ulrich-Michael Breutner, der in der Branche nicht selten auf eine gewisse Betriebsblindheit stößt. Wein- und Speisenangebot, Fachkompetenz an den Ständen, Ambiente, Sicherheit, Jugendschutz und Musikangebot werden bewertet. Die Anforderungen nennt Breutner hoch. Er kenne viele Feste, bei denen er Bedenken hätte, ob sie „durch die Zertifizierung kommen“. Das Heilbronner Weingut Martin Heinrich und die Weingärtner Willsbach haben bestanden. Im September testet die Jury das Heilbronner Weindorf.


Ihre Meinung ist gefragt: Was macht für Sie ein qualitativ gutes Fest aus? Sie haben die Möglichkeit, mehrere Antworten anzukreuzen oder uns andere Kriterien zu nennen. Die Redaktion wertet Ihre Angaben aus und berichtet in Kürze über das Ergebnis.


Breites Getränkeangebot mit guter Qualität bei Weinen, Sekt, Cocktails usw.
   

Breites Speisenangebot vom einfachen Salatteller über Maultaschen und Steaks bis Scampis oder Paella.
   

Musik im Hintergrund, aber nicht zu laut.
   

Viele verschiedene Musikbands, für jeden Geschmack etwas.
 

Es gibt auch Bereiche auf dem Fest ohne Musik, wo man sich in Ruhe unterhalten kann.
   

Freundlichkeit der Menschen an den Ständen.
 

Stimmungsvolles Ambiente durch Lichter, Ständeschmuck, Tischdecken, alte Gemäuer, Fest am Wasser.
   

Besondere Programmangebote wie Theater, Quiz, Führungen, besondere Showeinlagen.
   

Spielangebote für Kinder.
 

Gute Organisation des Fests, bspw. Parkplatzangebot, Sicherheitsdienst, keine allzu langen Schlangen an den Ständen, Nachschub klappt.
   

Saubere und ausreichend Toiletten.
   

Kleines, überschaubares Fest ist oft besser als ein Massenfest.
   

Andere Kriterien / Was Ihnen wichtig ist

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