Wie fünf Frauen ihr Herz und viel Geld im Internet verloren

Region  Es ist eine üble Masche im Netz: Das Romance Scamming. Auch in der Region gibt es Betroffene. Fünf Opfer von Liebesbetrügern haben über 500.000 Euro verloren - und sich beim Weißen Ring gemeldet.

Von Helmut Buchholz

Falsche Romeos: Fünf Frauen verlieren ihr Herz und viel Geld

Wie groß muss die Sehnsucht der Frauen nach Liebe sein, dass sie einem Mann, den sie noch nie gesehen haben, ihr ganzes Geld überweisen? Sehr groß offenbar. Wie sonst ist zu erklären, dass sich bei der Opferorganisation Weißer Ring fünf Damen aus Heilbronn und dem Landkreis gemeldet haben, die dachten, sie hätten ihren Traumpartner übers Internet gefunden. Stattdessen ist das Quintett um mehr als 500.000 Euro ärmer − von dem gebrochenen Herzen ganz zu schweigen.

Der Liebesbetrug hat System. Die Masche ist schon so verbreitet, dass Ermittler ihr einen eigenen Namen gegeben haben: Romance Scamming. Eine moderne Form von Heiratsschwindel, die sich als Werkzeug der sozialen Netzwerke Singelbörsen im Internet bedient, vor allem kostenloser. Alfred Kulka vom Weißen Ring in Heilbronn nimmt die fünf Fälle im Heilbronner Raum zum Anlass, vor den fiesen Tricks der Gefühlsabzocker zu warnen. Das Beispiel der Opfer soll andere vor ähnlichen emotionalen Tragödien bewahren.

Kontakt über Facebook angebahnt

Die Betrüger suchen gezielt einsame Herzen. Alter: ab 40 Jahre. Vier der Frauen aus der Region waren rund 60 Jahre alt, eine erst 50. "Der Kontakt bahnt sich zum Beispiel über Facebook an", berichtet Kulka. Die Männer geben sich als Briten oder Amerikaner aus. Dann folgt ein reger E-Mail-Austausch oder Chat-Dialog, schließlich Briefe, Telefonate, heiße Schwüre, zarte Worte. Die Männer wickeln ihre Frauen um den Finger, schicken teilweise Fotos von sich, versprechen ihnen das Blaue vom Himmel herunter. Alles Lüge.

Die Bilder sind gefälscht, die Profile in den sozialen Netzwerken oder Online-Dating-Seiten auch. In Wirklichkeit kommen die Gauner meist aus Nigeria oder Ghana, wo sich um diesen Modus operandi herum offenbar regelrechte Banden gebildet haben. Ist das Feuer im Herzen der Frau entfacht, zündet die zweite Phase: "Es fängt mit kleinen Geldbeträgen an, die sich die Männer überweisen lassen, etwa weil angeblich der Sohn im Krankenhaus ist, dann wird es immer mehr." Die Summen in den regionalen Fällen betragen drei Mal 60.000 Euro, einmal 80.000 und einmal fast 300.000 Euro.

Geplatztes Rendez-Vous in London

Die Schwindler machen zwar Treffen aus, einmal flog eine der Frauen aus dem Heilbronner Raum sogar nach London, um ihren vermeintlichen Gatten in spe zu sehen. Doch das Rendez-Vous platzte genauso so wie der Traum vom Glück. Sind die Bankkonten erstmal leergeräumt, verschwinden die Männer auf Nimmerwiedersehen, die gefälschten Profile im Internet ebenso.

Kulka berichtet, dass eines der Opfer sogar zwei Mal betrogen wurde. Zuerst von einem angeblichen Amerikaner, dann von einem zweiten Amerikaner, der vorgab, das verlorene Geld vom ersten Betrüger wieder zurückzuholen. Der Herr sprach Deutsch, war angeblich früher in Kaiserslautern stationiert. Eine andere Frau hatte extra einen Kredit aufgenommen, um ihrem Romeo finanziell zu helfen. Wenn die Opfer dann aus dem siebten Himmel auf den Boden der Tatsachen fallen, "ist die ?Scham groß", berichtet Kulka. So groß, dass die Frauen sich nicht an die Polizei wenden. Die Dunkleziffer sei deshalb groß.

 

Opfertelefon

Alfred Kulka vom Weißen Ring in Heilbronn rät: "Niemals Geld an Personen überweisen, die man noch nie gesehen hat." Opfer können sich an den Ring wenden, Telefonnummer 07131?920737 oder an das bundesweite Opfertelefon 116006.