Wie Eidechsen und Co. aus einer Natursteinmauer vertrieben werden

Brackenheim  Die Trockenmauern entlang der Kreisstraße 2973 bei Brackenheim-Hausen werden erneuert. Von Juni bis September wird die Straße dann auch komplett gesperrt.

Von Christian Gleichauf

Eine gut vorbereitete Vertreibung aus dem Paradies

Mit schwarzer Folie wird die Mauer abgedeckt, damit sich Salamander, Eidechse und Co. vorübergehend eine andere Wohnung suchen. Foto: Christian Gleichauf

 

Die Trockenmauern entlang der Kreisstraße 2973 bei Brackenheim-Hausen sind zum Teil schon mit Folien abgedeckt. Die Eidechsen, für die die Aktion überhaupt nur gestartet wurde, lassen sich an diesem Vormittag nicht sehen. Ab Juni werden hier 500 Meter Mauer abgetragen und erneuert - in traditioneller Bauweise.

Autofahrer nehmen keine Rücksicht

Von Juni bis September wird die Straße dann auch komplett gesperrt. Momentan müssen die Autofahrer nur die Wanderbaustelle umfahren, tun dies aber teilweise mit erschreckend wenig Verständnis für die Arbeiter. Einige Fahrzeuge beschleunigen sogar, während sie nur wenige Zentimeter an den Menschen vorbeifahren. "Wir dachten anfangs, dass wir mit einer halbseitigen Sperrung auskommen, aber das funktioniert nicht", sagt Ralf Hoffmann, der stellvertretende Leiter des Straßenbauamts des Landkreises.

Thomas Pfeuffer von der Baufirma Pfeuffer (von links), Harald Klein und Bernd Kirn vom Planungsbüro Landschaft 4 und Ralf Hoffmann vom Landratsamt begutachten die Arbeiten.  

Gut 100 Jahre alt soll die Mauer sein, erzählt Landschaftsarchitekt Bernd Kirn vom Büro Landschaft 4, das die Maßnahme des Landratsamts begleitet. Das Material stamme wohl von dem kleinen Steinbruch, der nur wenige hundert Meter entfernt an der Straße liegt. Sein Partner Harald Klein ergänzt: "Einige Steine können wir wieder verwenden, es gibt aber auch einige faule dabei. Die zerbröseln geradezu." Ein Sandstein lebe.

Privatbesitzer haben ihre Arbeit schon erledigt

Die alten Weinberg-Terrassen, die sich darüber erheben, befinden sich im Vergleich zur unteren Mauer in einem ziemlich guten Zustand. "Die gehören den Privatbesitzern", sagt Hoffmann.

Die Trockenmauern an den Weinbergterrassen oberhalb der Straße sind in einem relativ guten Zustand.  

Wie dort oben soll nun auch neben der Straße in traditioneller Bauweise die Trockenmauer wieder hergestellt werden. Hoffmann richtet den Blick ein paar Meter weiter: "Hier hat man vor einigen Jahren mal einen Abschnitt durch eine Betonmauer ersetzt."

Schwarze Folien nehmen den Tieren das Licht

Doch im Gegensatz dazu sind die Trockenmauern Biotope, Lebensraum für viele wechselwarme Tiere. Wenn dieser Unterschlupf jetzt erneuert wird, sollen die Tiere natürlich nicht getötet werden. Deshalb befestigt die Baufirma Pfeuffer aus Grünsfeld nahe Tauberbischofsheim jetzt schwarze Folie darüber, damit die Mauereidechsen, Salamander und Schlangen ihre Verstecke verlassen. "So vergrämen wir sie", sagt Thomas Pfeuffer. Obwohl so dicht an einer vielbefahrenen Straße, ist es für die Tiere quasi die Vertreibung aus dem Paradies. Nach vier, fünf Wochen werde oberhalb ein Zaun angebracht, "damit sie nicht zurückkönnen", wie Pfeuffer sagt. Doch momentan seien kaum Tiere unterwegs.

Von diesem Steinbruch stammen die Steine der Trockenmauern  

Der Neubau der Mauern kostet den Landkreis rund eine halbe Million Euro. Wie es günstiger geht, zeigt Ralf Hoffmann ein paar Meter weiter, gleich hinter dem Sandsteinbruch. Dort hat der Landkreis im vergangenen Jahr die verfallenen Mauern nur mit Maschendrahtzaun befestigen lassen. Als Lebensraum für Tiere durchaus eine brauchbare Variante. Hoffmann: "Aber wir wollen hier ja auch die historische Kulturlandschaft erhalten."