Weihnachtszirkus endet mit Besucherrekord

Heilbronn  80.000 Besucher kamen auf die Theresienwiese. Die Zirkusmacher hoffen für 2018 auf eine Wende beim Wildtierverbot. Nach aktuellem Stand dürfen nur noch einmal Elefanten oder Raubkatzen gezeigt werden.

Von Bärbel Kistner

Weihnachtszirkus endet mit Besucherrekord

Zum fünften Mal lud der Verein Miteinander 1800 Kinder aus der Region zum Zirkuspalast in den Heilbronner Weihnachtszirkus ein.

 

Mit einem Besucherrekord ist das 19. Gastspiel des Heilbronner Weihnachtszirkus zu Ende gegangen. Viele Vorstellungen waren bis auf den letzten der 2500 Plätze im Zelt besetzt. Dreimal war die Show komplett gebucht, etwa als Firmenevent und am Sonntag zum Abschluss vom Heilbronner Verein Miteinander, der wieder Kinder aus der Region eingeladen hatte, deren Familien sich sonst keinen Zirkusbesuch leisten können. 1800 Kinder und ihre Betreuer aus Kitas und Schulen saßen in der Manege. Auch Schirmherr Günther Oettinger und Kunsturnerin Elisabeth Seitz zählten zu den Gästen.

Klassischer Zirkus

Sascha Melnjak ist überzeugt, dass die Weihnachtsgala auch deshalb wieder so erfolgreich war, weil "wir das Spektrum des klassischen Zirkus" zeigen. Und da gehören aus seiner Sicht Tiernummern wie die von Alexander Lacey mit seinen Löwen und Tigern dazu. "Das wollen die Zuschauer sehen."

Die Diskussion um Wildtiere im Zirkus begleitete das Gastsspiel von Anfang an. Die Tierrechtsorganisation Peta protestierte vor einigen Vorstellungen auf der Theresienwiese. Vor allem aber ein Video auf Facebook über einen Stangeneinsatz im Löwenkäfig sorgte für Wirbel - doch nicht die Raubkatzen wurden mit der Stange traktiert, vielmehr entfernte ein Tierpfleger nach der Fütterung einen Knochen aus dem Käfig, damit sich die Tiere nicht darum streiten - die Stimme berichtete ausführlich.

Zirkus bittet zur Raubtierprobe

Mit Informationen will der Weihnachtszirkus beim Heilbronner Gemeinderat für einen Meinungsumschwung sorgen und hatte zu einer Raubtierprobe eingeladen. Sascha Melnjak hofft darauf, dass das 2015 beschlossene Wildtierverbot 2018 wieder auf die Tagesordnung kommt: "Wir wollen überzeugen und nicht klagen."

Bliebe es beim Verbot, dürfte der Weihnachtszirkus nur noch bei seinem 20. Gastspiel 2018/19 Wildtiere im Programm haben - Melnjak plant dafür eine Elefanten-Nummer. Danach würde das Verbot greifen. Das will man dann nicht hinnehmen, der Gang vor Gericht wäre eine Option für die Zirkusmacher.

Melnjak geht jedoch davon aus, dass kommunale Wildtierverbote juristisch nicht haltbar sind. Einige Städte hätten den Erlass wieder zurückgenommen. Aufgrund von Verwaltungsgerichtsurteilen seien Städte zurückgerudert und hätten 2017 doch keine Verbote erlassen.

Mergel: Kein Anlass, Haltung zu ändern

Für Oberbürgermeister Harry Mergel gibt es keinen Anlass, "unsere bisherige Haltung zu verändern". Es gehe nicht um die Frage, ob Wildtiere im Weihnachtszirkus "so gut wie unter diesen Umständen überhaupt möglich behandelt werden".

Vielmehr sieht Mergel "eine ethische Grundfrage", ob es "mit der Würde dieser Kreaturen zu vereinbaren ist, wenn sie Männchen machen, durch Reifen springen oder in Kisten eingesperrt transportiert werden oder ob nicht schon grundsätzlich die Hürde zur Tierquälerei überschritten ist". Der OB ist überzeugt, dass der Weihnachtszirkus sein Niveau auch nach einer Umsetzung des Wildtierverbots "locker halten kann".

Verbot nur bei Missständen?

"In Heilbronn wird wieder eine Diskussion in Gang kommen", glaubt Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH, die die Theresienwiese vermietet. Schoch befürwortet ein Wildtierverbot nur dann, wenn es Missstände in der Haltung gibt. Diese kann er beim Weihnachtszirkus aber nicht erkennen. Kein anderer Tierhaltebetrieb werde besser kontrolliert als ein Zirkus, sagt er mit Blick auf Tiermastbetriebe. Sein Ansatz: "Den Kontrollen vertrauen und sich nicht von Ideologien leiten lassen."

In der Region bleibt das Thema umstritten. Eine Mehrheit von 52 Prozent spricht sich in einer Umfrage auf stimme.de für ein Wildtierverbot aus. Wer wilde Tiere sehen wolle, rät ein Facebook-User, soll sich doch ins Flugzeug setzen.