Weichenstellung für das Tal der Bahnlosen

Region  In den Anliegerkommunen der einstigen Schozachtalbahn mehren sich in jüngster Zeit Stimmen, die eine Reaktivierung der ehemaligen Bahnstrecke fordern. Der Verwaltungsausschuss des Kreistags hat nun einer Machbarkeitsstudie zugestimmt.

Von Steffan Maurhoff

Weichenstellung für das Tal der Bahnlosen
Dieses Schienenstück bei Beilstein erinnert an die historische Bottwartalbahn. Eine Machbarkeitsstudie soll zeigen, ob sie reaktiviert werden kann. Foto: Maurhoff  

Es war nicht der Aufbruch zu einer Reise in eine große Bahn-Zukunft. Aber eine Weichenstellung auf dem Weg dorthin könnte es doch gewesen sein: Der Verwaltungsausschuss des Kreistags stimmte zu, sich an einer Machbarkeitsstudie für die Bottwartalbahn zwischen Marbach, Beilstein und Heilbronn zu beteiligen.

Eine solche Studie hatte es bereits in den 90er Jahren gegeben − und das seinerzeit angedachte Projekt Schozachtalbahn als Ergänzung des Heilbronner Stadtbahnnetzes wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit beendet. Vom "Tal der Bahnlosen" habe man daraufhin gesprochen, erinnerte sich Landrat Detlef Piepenburg. In der Ausschusssitzung am Montag meldete der Heilbronner Kreis-Chef: "Es kommt wieder Bewegung rein."

In den Anliegerkommunen der einstigen Schozachtalbahn sowohl im Kreis Ludwigsburg als auch im Landkreis Heilbronn mehren sich in jüngster Zeit Stimmen, die eine Reaktivierung der ehemaligen Bahnstrecke fordern. Gestiegene Einwohnerzahlen, anschwellende Schüler- und Studentenströme, viele neue Arbeitsplätze − etwa bei Bosch in Abstatt − und nicht zuletzt ständig verstopfte Straßen sind Argumente, sich erneut damit auseinanderzusetzen.

Hohe Dringlichkeit im Regionalverkehrsplan

Das zeigten zuletzt Diskussionen in den Gemeinderäten von Beilstein, Ilsfeld, Abstatt, Untergruppenbach und Talheim. Dazu passt, dass der Neubau der Bottwartalbahn Anfang des Jahres bei der Fortschreibung des Regionalverkehrsplans des Verbands Region Stuttgart mit hoher Dringlichkeit eingestuft wurde.

"Es muss einfach ein Signal geben auf diese Aktivitäten", meinte Harry Brunnet (CDU) jetzt im Verwaltungsausschuss des Kreistags − auch wenn er große Zweifel daran hege, dass das viele Millionen Euro teure Vorhaben jemals realisiert werde. Dieter Böhringer (CDU) erinnerte an die negativ ausgefallene erste Machbarkeitsstudie und fragte sich gar, ob eine neue lediglich eine Beruhigungspille sein soll.

Claus-Jürgen Renelt als Chefplaner im Landratsamt erinnerte daran, dass bei der ersten Studie lediglich die Machbarkeit einer Stadtbahn untersucht worden war. Die neue Studie sei ergebnisoffen. Außerdem gebe es bei den Verkehrsströmen mittlerweile veränderte Rahmenbedingungen.

Kreise teilen sich die Kosten

Einmütig beschloss der Verwaltungsausschuss, sich an der neuen Grundsatzstudie zu beteiligen. Die Federführung hat der Landkreis Ludwigsburg. Die Kosten von 200.000 Euro teilen sich die Kreise Ludwigsburg und Heilbronn. Während der südliche Nachbarkreis sich die Hälfte seiner 100.000 Euro von seinen Anliegergemeiden zurückholt, trägt der Landkreis Heilbronn seinen Anteil ohne Beteiligung der Kommunen. Allerdings beteiligt sich die Stadt Heilbronn mit 25.000 Euro an der Studie.