Umzug in Brackenheim: Mit Schellen und Karbatschen

Brackenheim  Beim schwäbisch-alemannischen Fasnetumzug ziehen am Samstag 52 Gruppen mit mehr als 1000 Hästrägern lautstark durch die Zabergäustadt.

Von Claudia Kostner

Mit Schellen und Karbatschen

Die gruseligen Schadda Wesa aus Weinsberg erinnern an die Krampus-Figur aus Österreich oder Südtirol.

 

Wer nicht aufpasst, wird in Frischhaltefolie oder ins Weihnachtsbaum-Netz eingewickelt. Die Hexenzunft vum Grobrunn aus Nußloch und der Hexen-Express aus Binswangen haben die passenden Utensilien mitgebracht.

Auch vor einem wilden Tanz mit dem Teufel sind die Zuschauer beim elften Umzug der 1. Fasnetzunft Brackenheim am Samstagnachmittag nicht gefeit. Wehe dem, der in der ersten Reihe steht!

Schnell wegducken

Ducken: Die Bocknarren aus Boxberg in ihren Fleckenhäsern schwenken Stöcke mit Saublasen. Die Rechaspitzer aus Althütte wuscheln langhaarigen Mädchen Konfetti ins Haar. Ein bisschen Schabernack gehört eben dazu. Insgesamt sind die Hexen und anderen gruseligen Gestalten aber recht friedlich. "Wir wollen den Kindern die Angst nehmen", sagt Gerlinde Merl von der Interessengemeinschaft HexHex-Obe-Nei aus Bretten-Neibsheim.

Normalerweise darf man die handgeschnitzten Masken, Larven genannt, nicht abnehmen. "Aber wir lüften sie schon mal, um zu zeigen, dass Menschen drunterstecken."

Jetzt wird dem einen oder anderen aber doch ein bisschen mulmig: Die Larven der Noctem Narrenzunft aus Richen sind wirklich zum Fürchten. Eine Feuersirene ertönt, und die Gestalten in ihren schwarz-roten Häsern fangen an zu rennen, aber nicht etwa, um sich Zuschauer zu schnappen - sie steigen aufeinander und zeigen eine Hexenpyramide. Glück gehabt.

Gute Seelen mit schaurigen Larven

Gefährlich muten auch die Larven der Feurigen Deifelshexa von der 1. Narrenzunft Waiblingen an. "Wir sind aber die guten Seelen der Einwohner Waiblingens, die beim großen Brand von 1634 in die Stadtmauern gebannt wurden und jedes Jahr zur Faschingszeit zurückkehren", erklärt Zunftmeisterin Sabrina Wiorek den Ursprung ihrer Kostüme.

Und plötzlich qualmt"s und stinkt"s auch in der Heuss-Stadt: das sind die Gechinger Feuersee Hexa und Deifel, eingehüllt in gelben Rauch.

Familiärer und lockerer als Karneval

An der Kreissparkasse kommentiert die Brackenheimer Zunftmeisterin Beate Ramm das Geschehen. In der Obertorstraße gibt Sprecherin Beate Ackermann dem Publikum Nachhilfe in Sachen schwäbisch-alemannische Fasnet.

Die 52 Gruppen mit ihren rund 1000 Hästrägern begrüßt sie ganz persönlich. Man kennt sich. "Die Fasnet ist familiärer und lockerer als der Karneval", findet die 59-Jährige. Dann muss sie lauter ins Mikrofon sprechen: Schon von weitem ist die Guggenmusik der Gassenfeger aus Güglingen zu hören. Direkt dahinter bahnen sich die Drills mit ihren Rätschen den Weg durch die Menge, die trotz allem nur langsam in Stimmung kommt.

Lautstark durch die Altstadt

Die Bietigheimer Wobachspatzen haben ihre eigenen Krachmachinstrumente: Sie lassen ihre Karbatschen, geflochtene Hanfseile, knallen. "Platz machen!", rät Beate Ackermann. Laut sind auch die Schellen der Mitglieder der Narrenzunft Kirrlach, die sich hüpfend durch die Gassen bewegen und die Zuschauer mit Streckscheren erschrecken. "Die Kirrlacher haben 15.000 Zuschauer bei ihrem Narrensprung. Daran müssen wir Brackenheimer noch etwas arbeiten", kommentiert Ackermann.


Es war der elfte Umzug der 1. Fasnetzunft Brackenheim. Anders als im Karneval ist die Zahl elf in der schwäbisch-alemannischen Fasnet aber keine närrische. Die Fasnet beginnt auch nicht am 11.11. Erst an Dreikönig werden Häs und Larve abgestaubt. Die Kostümierung der Brackenheimer basiert auf der Geschichte der Ochsenbacher Weiberzeche. Dargestellt werden zwei verschiedene Zechweiber, die Waldstrafblecher und der Goißbock.