Tödlicher A6-Unfall: War die Zufahrt zum Rastplatz blockiert?

Heilbronn/Bad Rappenau  Ein Auto prallt auf das Begleitfahrzeug eines Schwertransports. Die Fahrzeuge gehen in Flammen auf. Die Identifizierung der Opfer dauert an. Derweil fahndet die Polizei nach einem Mann aus Lettland.

Von Heike Kinkopf

 

Dass Menschen bei Unfällen mit Gefahrgut- und Schwertransporten verletzt werden, passiert selten. Das teilt das Innenministerium Baden-Württemberg mit. Bei einem schweren Unglück auf der A6 bei Bad Rappenau jedoch starben zwei Menschen, und eine Frau wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Auf dem Weg nach Frankreich

Der Schwertransport war am Mittwoch auf dem Weg von Wackersdorf nach Chalampé in Frankreich auf der Autobahn Richtung Mannheim unterwegs. Gegen 23 Uhr erreichten der Lastzug, der einen Bagger geladen hatte, und das dahinter fahrende Auto zur Absicherung den Rastplatz Bauernwald auf Höhe von Bad Rappenau-Grombach. Zeugen gaben gegenüber der Polizei an, dass der Tross an der Einfahrt zum Parkplatz etwa eine Viertel Stunde auf dem Verzögerungsstreifen stand. Das Begleitfahrzeug hielt hinter dem Schwertransporter.

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Leichen stark verkohlt

Noch ist ungeklärt, warum ein Auto wahrscheinlich ungebremst gegen das Heck des Begleitwagens prallte. Fest steht: Beide Fahrzeuge begannen zu brennen. Die Person im auffahrenden Pkw wurde offensichtlich eingeklemmt und kam in den Flammen um. Wer hinter dem Steuer saß, ist noch ungeklärt. Eine Identifizierung könnte über die Fahrgestellnummer des Autos erfolgen. Dies wird einige Zeit beanspruchen, so die Polizei. Die stark verkohlte Leiche erschwert zudem die zweifelsfreie Identifizierung. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

In dem Renault, der den Schwerlaster begleitete, saßen zwei Frauen. Beide wurden der Polizei zufolge durch den Aufprall aus ihrem Wagen geschleudert. Die Fahrerin schwebte in Lebensgefahr und kam ins Krankenhaus, die Beifahrerin verbrannte direkt neben dem Auto. Um wen es sich bei ihr handelt, will die Polizei im Laufe des heutigen Tages bekanntgeben, kündigt Frank Belz, Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn an.

Lkw-Fahrer stammt aus Portugal

Beim Zusammenstoß der Fahrzeuge wurde der Motorblock des Begleitautos herausgerissen und schleuderte auf den Schwertransport. Dessen Fahrer, ein 56 Jahre alter Portugiese, erlitt leichte Verletzungen.

Geschah der tödliche Unfall, weil der Parkplatz überfüllt war? Die Polizei fahndet nach einem Lkw-Fahrer aus Lettland, der die Zufahrt zur Raststelle blockiert haben soll. Ob der Parkplatz überfüllt war, oder ob der gesuchte Lkw die Möglichkeit hatte, einzufahren, wird untersucht. Die Polizei hatte beim Unfall die Personalien des Letten aufgenommen. Der Mann fuhr anschließend weiter, ohne von der Polizei aufgehalten worden zu sein. Dass es in Baden-Württemberg zu wenige Ruheorte entlang der Autobahn gibt, ist bekannt. Auf 2500 schätzt das Verkehrsministerium die Zahl der fehlenden Lkw-Stellplätze im Land. Besonders betroffen: A5, A6 und A8.

Suche nach weiterer Person

Unter Hochdruck leisteten die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Rappenau Hilfe. Erschwert wurde ihre Arbeit, weil lange keine Klarheit darüber bestand, wie viele Menschen sich in den Fahrzeugen befanden. So gaben Zeugen an, an der Unfallstelle "Mama"-Rufe gehört zu haben. Feuerwehrleute suchten das Gelände bei der Unfallstelle ab. Eine weitere Person fanden sie nicht. Bis kurz nach 2 Uhr war die Strecke komplett gesperrt.

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