Tiger und Löwen bleiben Stars in der Manege

Heilbronn  Der Weihnachtscircus ist vom Wildtierverbot der Stadt wegen des bestehenden Vertrags noch nicht betroffen und hofft auf eine neue Rechtsprechung. Premiere auf der Theresienwiese ist am 20. Dezember.

Von Bärbel Kistner

Tiger und Löwen bleiben Stars in der Manege
Nordamerikanische Bisons, wie sie der deutsche Tierlehrer Marcel Krämer in die Manege bringt, sind als Wildtiere nicht in der Verbotsliste der Stadt aufgeführt.

Wann immer inzwischen ein Zirkus seine Zelte aufschlägt, wird über Tiere in der Manege diskutiert. Im Fokus stehen vor allem Elefanten, Tiger und Löwen, die viele Städte durch ein kommunales Wildtierverbot nicht mehr auf ihren Plätzen dulden wollen. Auch der Heilbronner Gemeinderat hat 2015 ein Wildtierverbot beschlossen.

Für den Heilbronner Weihnachtscircus hat das Verbot zunächst noch keine Auswirkungen. Für das aktuelle Gastspiel und auch noch für die 20. Show in der Saison 2018/19 gilt ein bestehender Vertrag. Erst bei einer Verlängerung ab 2019/20 käme das Wildtierverbot zum Tragen. Doch bis dahin, so hoffen Zirkusmacher Sascha Melnjak und Uwe Gehrmann, könnte sich die Rechtslage wieder geändert haben.

Verband glaubt, dass Wildtierverbot der Stadt rechtswidrig ist 

Dieter Seeger vom Verband deutscher Circusunternehmen (VdCU) ist überzeugt: "Das Wildtierverbot der Stadt Heilbronn ist rechtswidrig." Gemeinderat und Oberbürgermeister würden Recht brechen. Seeger verweist auf diverse Gerichtsurteile von Verwaltungs- und Oberverwaltungsgerichten, wonach Verbote von Wildtieren nur in einem Bundesgesetz geregelt werden dürfen. Dass so viele Städte trotzdem Wildtierverbote erlassen, geht nach Ansicht der Zirkusmacher auf die Einflussnahme durch Tierrechtsorganisationen wie Peta zurück. "Die sind durch Untergruppen extrem gut vernetzt", sagt Dieter Seeger. Deshalb gäbe es auch auf Onlineportalen eine so große Resonanz der Befürworter.

Der Weihnachtscircus verweist dagegen auf die anhaltend gute Resonanz für sein Programm in Heilbronn. Bis zu 80.000 Zuschauer kamen in den Vorjahren zu dem Shows. Auch fürs neue Programm kann Sascha Melnjak nicht erkennen, dass der Zuspruch abnimmt. Sogar ganz im Gegenteil: "31.000 Karten sind im Vorverkauf schon weg." Das ist neuer Rekord.

Tiger und Löwen bleiben Stars in der Manege

Für Melnjak gibt es also keinen Hinweis auf einen Wertewandel beim Publikum, sondern eine Bestätigung der bisherigen Linie des Weihnachtscircus, im Wechsel Elefanten und Raubtiernummern auf die Theresienwiese zu bringen. Der britische Tierlehrer Alexander Lacey ist mit seinem Dutzend Tiger und Löwen einer der Höhepunkte im Weihnachtscircusprogramm - Lacey strahlt mit zwei mächtigen Löwenmännchen von Werbeplakaten und von der Titelseite von Flyern und der Homepage. Einzigartig seien auch die vier amerikanischen Bisons - diese Wildtiere sind in der Verbotsliste nicht aufgeführt. In der Show zu sehen sind zudem noch Esel und zwei Pferde-Nummern.

Nicht nur das Publikum wollen Sascha Melnjak und Uwe Gehrmann begeistern, sondern auch den Gemeinderat überzeugen, dass es Tieren im Zirkus gut geht. Bei modernen Tiernummern stehe nicht mehr Höchstleistung im Vordergrund, sondern Schönheit und Harmonie zwischen Mensch und Tier. "Wir wollen mit den Stadträten ins Gespräch kommen und sie diesmal zu einer Raubtierprobe mit Alex Lacey in den Zirkus einladen." Beim Internationalen Zirkusfestival in Monte Carlo hat der 41-Jährige mit seinen Raubtieren einen begehrten silbernen Clown gewonnen.

Dass Zirkus mal ohne Tiere auskommt? Auch wenn es schwieriger sei, gute Nummern zu finden, ist das für die Zirkusmacher unvorstellbar.

 


Termine und Karten

Premiere Mittwoch, 20. Dezember. Vorstellungen bis 7. Januar. Tickets unter anderem bei www.weihnachtscircus.com, bei den Stimme-Geschäftsstellen und bei der Tourist-Info.


Schlappseilartist, Chinesen, Clown

Nicht nur Tiernummern bietet der Heilbronner Weihnachtscircus in seinen insgesamt 34 Vorstellungen: Mit der China National Acrobatic Troupe kommt eine ambitionierte Truppe aus Peking nach Heilbronn, mit der Nummer "Pagoda of Bowls". Für ihre perfekte Choreographie und haben die 13 Artisten in Monte Carlo einen goldenen Clown gewonnen. Auch Zhang Fan ist Chinese und gilt als Wunderkind in der Schlappseil-Artistik. Er mehrere Preise bei internationalen Zirkusfestivals gewonnen. Viel Kraft braucht das Duo Romance aus Rumänien bei ihrer Nummer an der Stange, genannt Pole Act. Für ihre zweite Nummer steigt das Duo in die Höhe und zeigt Luftakrobatik an Strapaten. Helena Polach aus Tschechien jongliert mit Fußbällen. Wieder dabei ist Moderator Fabian Egli, der das 150-minütige Programm führt sowie das neunköpfige Zirkusorchester. Eine Überraschung wird Clown Boris Nikishin aus Moskau, der früher als Handstandartist auftrat und viele artistische Elemente in seine komischen Nummern integriert hat. kis