Tausende Atomkraftgegner demonstrieren in Neckarwestheim

Neckarwestheim/Kirchheim  Mehrere Tausend Menschen haben am Sonntag in Neckarwestheim anlässlich des vierten Jahrestages der Atomkatastrophe von Fukushima gegen Atomkraft und für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert.

Veranstalter der Demonstration  waren mehrere Bürgerinitiativen und Umweltschutzverbände. Der Demonstration unter dem Motto „Fukushima – Keine Entwarnung“ schlossen sich mehr als 1000 Menschen an, wie die Polizei mitteilte. Die Veranstalter vom Trägerkreis „Endlich Abschalten“ sprachen von mehr als 3000 Teilnehmern.
 

 

Atomausstieg soll nicht in Vergessenheit geraten

 

Bei strahlendem Sonnenschein zogen die Demonstranten vom Kirchheimer Bahnhof zum Atomkraftwerk Neckarwestheim. Die Menschen trugen gelbe Fahnen mit „Atomkraft, nein danke“-Logo sowie Plakate mit der Aufschrift „Deutschland braucht den Wechsel“ oder „Atomausstieg jetzt!“. Auch Vertreter der Grünen, der ÖDP, von Greenpeace und von anderen Organisationen beteiligten sich an der Aktion.

„Ich bin aus Vaihingen an der Enz, bei einem Atomunglück in Neckarwestheim wären wir unmittelbar betroffen“, erklärte Christoph Hansen. „Deshalb demonstriere ich hier dafür, das Werk so schnell wie möglich abzuschalten.“ Extra aus Darmstadt angereist war eine andere Demonstrantin. „Ich habe das Gefühl, dass der Atomausstieg in Vergessenheit gerät“, sagte die Frau. Den Leuten werde gesagt, die Energiewende sei zu teuer. „Wir müssen demonstrieren und zeigen, dass das nicht stimmt.“
 

 

Kritik an Vorbereitungen für Rückbau von Block I

 

Auf einer Kundgebung auf dem Gelände des Kraftwerks Neckarwestheim sprachen sich verschiedene Redner für die Stilllegung der noch laufenden Reaktoren und für die sichere Entsorgung des radioaktiven Atommülls aus. „Jedes AKW birgt die Gefahr, dass eine Katastrophe wie in Fukushima passieren könnte“, sagte Franz Wagner von der AG Atomerbe Neckarwestheim. In den vergangenen drei Jahren sei kein einziges Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet worden. „Das ist kein Atomausstieg, das ist Pro-Atompolitik.“

Kritik übten die Redner auch an den Vorbereitungen für den Rückbau des stillgelegten Block I in Neckarwestheim. Daran werde die Öffentlichkeit kaum beteiligt, die Informationen seien mangelhaft. „Wir befürworten den Abriss, aber er muss richtig und verantwortungsvoll mit optimalem Schutz für die Menschen ausgeführt werden“, sagte Wagner.

Veranstalter: Mehr Demonstranten als erwartet

Veranstalter Franz Pöter vom Bund Baden-Württemberg war hocherfreut über die rege Teilnahme an der Demonstration. „Es sind mehr Leute gekommen, als wir erwartet haben“, sagte er.

Die Berichterstattung über die Energiewende sei in den vergangenen Jahren weniger geworden. „Vielen Leuten ist gar nicht klar, dass immer noch viele AKWs am Netz sind.“ Umso wichtiger sei es, für ihre Abschaltung zu demonstrieren. „Atomenergie ist immer noch ein wichtiges Anliegen, auch wenn es bereits einen Atomausstiegsbeschluss gibt.“ abi