Tatmotiv nach Brandanschlag auf Moschee noch unklar

Lauffen  Nach dem Brandanschlag auf das Gebäude der Islamischen Gemeinschaft in Lauffen ist laut Polizei noch unklar, ob der Anschlag einen fremdenfeindlichen Hintergrund hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes.

Von Heike Kinkopf

Ein oder mehrere unbekannte Täter warfen am Freitag gegen 2 Uhr drei Molotowcocktails auf das Gebäude der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs in Lauffen, in dem sich unter anderem Gebets- und Unterrichtsräume befinden. Verletzt wurde niemand. Zum Tatzeitpunkt hielt sich der Polizei zufolge ein Imam in den Wohnräumen auf. Im Gebäudeinneren kam es zu erheblichen Verrußungen, das beginnende Feuer wurde gelöscht. Den Schaden schätzte die Polizei auf 5000 Euro.

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Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung eingeleitet. Hinweise auf die Täter liegen der Polizei noch keine vor; bei der Kriminalpolizei wurde eine achtköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Hintergrund laut Polizei noch völlig offen

Ob dem Anschlag ein fremden- oder islamfeindlicher Hintergrund zugrunde liegt, ist offen. Zum Tatmotiv trifft die Polizei keine Aussagen. Die Ermittlungen liefen in alle Richtungen, teilt Polizeisprecher Achim Küller mit.

"Wir sind traurig, diese Situation in Deutschland zu erleben", sagte der türkische Generalkonsul Ahmet Akinti, der sich am Freitagmittag in Lauffen ein Bild von dem Brandanschlag machte. Akinti zufolge kommt es in Deutschland vermehrt zu Straftaten gegen Moscheen und türkische Kulturvereine. "Wir erwarten vom deutschen Volk, dass es bei solchen Taten unseren muslimischen Brüdern und Türken beisteht", sagte Akinti.

 

 

Anti-islamische Übergriffe sind kein Einzelfall

Hetze gegen Muslime, Angriffe auf Frauen, die Kopftuch tragen, Schmierereien an Häusern und Moscheen: Mindestens 950 Angriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen gab es im vergangenen Jahr in Deutschland. Dabei sind 33 Menschen verletzt worden. Dies teilte das Bundesinnenministerium auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion mit. In fast allen Fällen waren die Täter Rechtsextreme. In Baden-Württemberg sind 2017 insgesamt 100 islamfeindliche Straftaten erfasst worden.

Dem baden-württembergischen Innenministerium zufolge bilden die Region Heilbronn und das Land im bundesweiten Vergleich keine Schwerpunkte anti-muslimischer Agitation oder Hetze, teilt ein Sprecher des Ministeriums auf Stimme-Anfrage mit. "Islamfeindliche Straftaten" werden jedoch erst seit Januar 2017 gesondert erfasst. Die genauen Zahlen sollen in einer Woche veröffentlicht werden. In der Stadt Heilbronn registrierte die Polizei im vergangenen Jahr drei islamfeindlichen Straftaten. Es handelte sich dabei unter anderem um Schriftzüge und Hetze im Netz.

 

Organisation wird vom Verfassungsschutz beobachtet

Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs steht unter Beobachtung des Verfassungsschutzes des Landes Baden-Württemberg. In ihrem Bericht für das Jahr 2016 heißt es: "Während die Organisation nach außen hin moderat und dialogorientiert auftritt, weist sie nach innen Merkmale eines geschlossenen, ganz auf die muslimische Weltgemeinschaft ausgerichteten Systems auf."