Schockiert und standfest: Chanukka-Licht soll weiter leuchten

Heilbronn  Nach der zerstörerischen Aktion am Chanukka-Leuchter der Jüdischen Gemeinde an der Heilbronner Allee ist die Empörung in der Gemeinschaft groß.

Von Carsten Friese

Schockiert und standfest: Chanukka-Licht soll weiter leuchten

Mitte Dezember entzündet, an Weihnachten mutwillig beschädigt: der Chanukka-Leuchter an der Allee.

Foto: Seidel

 

 "Ich war schockiert. Wer macht so was?", war Sprecherin Avital Toren auch gestern noch emotional stark berührt. Man lade in Heilbronn alle Religionen zum gemeinsamen Essen und Gespräch ein, der Leuchter sei ein Symbol für Hoffnung. "Ich verstehe es nicht", sagte sie auf Anfrage.

Unbekannte hatten an Weihnachten auf dem neunarmigen Leuchter, der zum jüdischen Lichterfest entzündet wird, in drei Meter Höhe Lampen und Gaskartuschen heruntergeschlagen. An einen Dumme-Jungen-Streich glaubt Toren nicht. Die Täter müssten das Gerüst emporgeklettert sein oder eine Leiter genutzt haben. "Das war eine gezielte Aktion" − für sie eine klare antisemitische (judenfeindliche) Tat.

Polizei hat noch keine Hinweise auf die Täter

Dennoch: Einschüchtern lassen will sich die Jüdische Gemeinde nicht. "Natürlich" werde man im kommenden Jahr wieder den Chanukka-Leuchter öffentlich aufstellen, blickt Avital Toren nach vorn. Man werde nicht anfangen, sich wieder zu verstecken, sondern die Gemeinde weiterhin öffentlich vertreten. Den Sachschaden von etwa 300 bis 400 Euro sieht Toren nicht als das große Problem an. Der Verlust an geistigen Werten und Symbolik sei das Entscheidende.

Die Polizei hatte bis Mittwochvormittag noch keine Hinweise auf die Täter. Man ermittele in alle Richtungen und schließe einen judenfeindlichen Hintergrund nicht aus, sagte Sprecher Achim Küller.

Der Heilbronner Karl-Heinz Fromm hat nach eigenen Angaben die Zerstörung am Leuchter entdeckt und bei der Polizei Anzeige erstattet. Er nennt die Tat "eine Schande". Junge-Union-Vorsitzender Markus Beil verurteilt die Tat. Man könne froh und stolz sein, "dass es in Heilbronn jüdisches Leben gibt".