SLK schließt Brackenheim und Möckmühl

Region  Der Kreistag und der Gemeinderat Heilbronn haben am Montagabend mit Mehrheit beschlossen: Die beiden Krankenhäuser in Brackenheim und Möckmühl werden in den nächsten Jahren geschlossen.

Von Reto Bosch und Iris Baars-Werner


Im Landkreis Heilbronn stellen zwei Krankenhäuser den Betrieb ein. Der Heilbronner Gemeinderat und der Kreistag haben beschlossen, die akutstationären Abteilungen in Brackenheim und Möckmühl an die großen Häuser der Stadt-Landkreis-Kliniken (SLK) in Heilbronn und Bad Friedrichshall zu verlagern. Im Gemeinderat votierten 32 Räte für und zwei gegen die Schließung. Im Kreistag sprachen sich 40 Bürgervertreter für die Neuordnung aus, 21 waren dagegen, es gab drei Enthaltungen. Die Meinungen waren auch innerhalb der Fraktionen geteilt.

Der Antrag im Kreisrat

Über diese Sitzungsvorlage haben die Kreisräte am Montagabend abgestimmt.

Verärgerte Bürger, hauptsächlich aus dem Jagsttal, empfingen die Kreisräte vor der Sulmtalhalle in Erlenbach. Sie kämpften für den Erhalt der beiden kleinen Standorte. Vergebens. Daran änderte auch Möckmühls Bürgermeister Ulrich Stammer nichts, der mehr als 10 000 Unterschriften zum Erhalt des Krankenhauses übergab. Die Bürgervertreter diskutierten vier Stunden intensiv und kontrovers.

Am Ende setzte sich aber der Vorschlag von SLK-Geschäftsführung und Landkreisverwaltung durch. Er sieht vor, dass die SLK GmbH in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten eine breite ambulante Versorgung garantiert. In Brackenheim soll die Geriatrische Rehabilitation Eckpfeiler der neu zu bauenden Einrichtung sein.

Personalprobleme

Landrat Detlef Piepenburg sagte: „Die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren und Monaten für die kleinen Häuser stark verschlechtert.“ Neben den wirtschaftlichen Defiziten bereite die Personalgewinnung Probleme. Dr. Bernhard Lasotta (CDU) sagte: „Wir müssen gestalten, so lange wir das können.“ Seiner Ansicht nach sichert das neue Konzept die medizinische Versorgung im Jagsttal und im Zabergäu. So sehen das die meisten Befürworter der neuen Struktur, sie kommen, wie die Gegner, aus fast allen Fraktionen. Die Kreisräte forderten die SLK-Geschäftsführung und den Landrat aber dazu auf, die Angebote des neuen Konzepts dauerhaft zu garantieren.

Die Grünen blieben mit ihrem Antrag erfolglos, die Entscheidung zu vertagen. Sie lehnen die Schließung der Häuser genauso ab wie die Linken, die an beiden Standorten zumindest eine Stationäre Abteilung halten wollten. Jürgen Winkler (Grüne) bezweifelte, dass die Neuordnungspläne umsetzbar sind.

Rathaus

Vor leeren Zuschauerbänken debattierte der Heilbronner Gemeinderat. Der muss als zweiter Klinikgesellschafter seinen Teil beitragen zum Umstrukturierungskonzept: 20 Millionen Euro. „Wir haben gezeigt, dass wir unserer Verantwortung gerecht werden, auch für Brackenheim und Möckmühl“, sagte OB Harry Mergel, zugleich SLK-Aufsichtsratsvorsitzender.

Dass Gesundheitspolitik und Krankenkassen seit geraumer Zeit weg gehen von der wohnortnahen hin zur qualitativ hochwertigen und erreichbaren medizinischen Versorgung, erklärte für die CDU der ehemalige SLK-Chefarzt Professor Joachim Cyran. Immer mehr ambulante Eingriffe und die bewusste Entscheidung vieler Patienten für große, spezialisierte Kliniken arbeite gegen die kleinen Grundversorgungshäuser. Cyran wehrte sich gegen Aussagen, dass in kleinen Kliniken eine menschlichere Pflege geboten werde. „Das ist eine Beleidigung für die Mitarbeiter größerer Häuser, die aufopferungsvoll für ihre Patienten da sind.“

Dass Emotionen den Blick auf die Fakten verstellen, bedauerte Rainer Hinderer (SPD). „Die sektorenübergreifenden Modelle“ zwischen Klinik und Praxis „gewinnen an Bedeutung“. Dass SLK für Brackenheim und Möckmühl allgemein- und fachärztliche sowie die Notfallversorgung und eine nachstationäre Kurzzeitpflege garantiere, sei sogar „eine Privilegierung dieser Räume“ gegenüber anderen Gebieten.
Die Grünen im Gemeinderat trugen die Entscheidung mit. Susanne Bay: „Die SLK bleibt für die Versorgung letztendlich verantwortlich.“ Sie sah im bereits vorliegenden Gutachten „alle Fakten hinterlegt“, die für eine Entscheidung jetzt notwendig seien: „Die Alternativen wurden bedacht.“

 

Konzept

Das Neuordnungskonzept der Stadt-Landkreis-Kliniken GmbH (SLK) sieht vor, in Brackenheim die geriatrische Reha auf 40 Betten auszubauen. Die SLK will sicherstellen, dass die Bürger im Zabergäu ambulant versorgt werden mit Not- und Allgemeinarzt. In Möckmühl ist ein medizinisches Zentrum geplant, in dem sich niedergelassene Fachärzte ansiedeln sollen. Die akutstationären Angebote werden an den Gesundbrunnen und in den Plattenwald verlagert. Die Investitionskosten belaufen sich zusammen auf rund 30 Millionen Euro. red

 

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Live-Blog

Die Stimme-Redakteure Iris Baars-Werner und Reto Bosch haben in einem Live-Blog von den beiden Sitzungen berichtet.