Rückhalt für Ulrich Bopp (03.05.2010)

HWK-Präsident Ulrich Bopp. Foto: Archiv 
Heilbronn - Die Spitzen des regionalen Handwerks zeigen Geschlossenheit: Bei ihrer Frühjahrssitzung hat die Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken dem Handwerkspräsidenten Ulrich Bopp demonstrativ den Rücken gestärkt. Vor dem Hintergrund der Prüfung der Kreishandwerkerschaft (KH) Heilbronn-Öhringen durch das Stuttgarter Wirtschaftsministerium betonte Bopp gestern Nachmittag, dass er sich nichts habe "zuschulden kommen lassen" − und erntete dafür zumindest von den Heilbronner Innungsobermeistern der 36-köpfigen Vollversammlung stehend Applaus. Vergangene Woche waren Vorwürfe laut geworden, Bopp habe in seiner Zeit als Kreishandwerksmeister in Heilbronn mit dem KH-Hauptgeschäftsführer Bernd Mühleck rechtswidrige Arbeitsverträge abgeschlossen.

Keine Details

Freilich: Zu den Anschuldigungen wollten sich Bopp und die restliche Funktionärsspitze auch vor dem Handwerkerparlament nicht im Detail äußern. Nur Arbeitnehmer-Vizepräsident Bruno Heilmann sagte schließlich, dass das neue Rechtsgutachten einer Stuttgarter Anwaltskanzlei die Kreishandwerkerschaft in ihren Geschäftspraktiken bestätige. Laut dem Papier bestehe "durchaus die Möglichkeit", KH-Hauptgeschäftsführer Bernd Mühleck "außertariflich und auch übertariflich" zu bezahlen, so Heilmann. "Ansonsten müssen wir abwarten", sagte der Kammer-Vize. "Handwerker sind keine Anwälte, keine Ankläger und auch keine Richter. Das endgültige Urteil fällen andere."

Mit einem schnellen Ergebnis in Sachen Kreishandwerkerschaft ist nach Angaben des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums ohnehin nicht zu rechnen. Ministerialrat Bernd Scherrer sagte, dass die Prüfung bei der Stuttgarter Landesbehörde noch "einige Zeit" in Anspruch nehmen werde. Das Wirtschaftsministerium hält sich mit einer Einschätzung der Lage daher weiterhin zurück. Ebenso wenig gibt es konkrete Antworten zu den Anschuldigungen von Betroffenen und Handwerksfunktionären.

Riesenskandal

Zu den umstrittenen Arbeitsverträgen sagte Bopp: "Wer Bernd Mühleck kennt, weiß, dass er ein Workaholic ist und kein 25-Stunden-Mann. Außerdem, so der Kammerpräsident, "würde ich niemals sittenwidrige Verträge unterschreiben". Für Ralf Schnörr, den neuen Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, ist der "eigentliche Riesenskandal der, dass sehr vertrauliche Unterlagen aus der Kammer an die Presse" weitergegeben worden seien.

Persönliche Sache

Handwerkspräsident Ulrich Bopp vermutet in dem derzeitigen Rechtsstreit ohnehin einen "persönlichen" Hintergrund. Bereits bei seinem Start als Handwerkspräsident im Jahr 2007 habe ihm nicht nur Sympathie entgegengeschlagen. "Ich war von einigen Personen im Hauptamt bei der Kammer nicht gerade der Wunschkandidat für diesen Posten", so Bopp. "Man hat mir in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Felsbrocken in den Weg gelegt und auch vor die Füße geworfen."

Die neuesten Anschuldigungen seien "eine gezielte und bewusste Intrige". Bopp weiter: "Es ist bedauerlich, dass eine persönliche Schlammschlacht das Image des Handwerks beschädigt." Man wolle sich aber nun der öffentlichen Diskussion stellen, so der Handwerkspräsident abschließend.

Vollversammlung

Die Vollversammlung ist das oberste Beschlussorgan der Handwerkskammer. Auf der Homepage der Kammer ist vom „demokratischen Herzstück“ die Rede, vom „Parlament des Handwerks der Region Heilbronn-Franken“. Die Vollversammlung legt die grundsätzlichen Aufgaben der Handwerkskammer fest, entscheidet über den Wirtschaftsplan, die Beiträge und den Jahresabschluss. Die Vollversammlung wird von den Mitgliedern der Handwerkskammer auf fünf Jahre gewählt. Nach der Satzung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken besteht die Vollversammlung aus 36 Mitgliedern, 24 selbstständigen Handwerkern und zwölf Arbeitnehmervertretern. Die letzte Wahl fand im Sommer 2009 statt. 




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