Realistische Chance für drei Ortsumfahrungen

Stuttgart/Region  Euphorie hat der Bundesverkehrswegeplan 2030 von Beginn an nicht ausgelöst. Doch die zaghafte Hoffnung bei Anwohnern einiger dicht befahrener Durchgangsstraßen, irgendwann wieder die Fenster öffnen zu können, scheint nun doch nicht ganz unbegründet.

Von Christian Gleichauf

Realistische Chance für drei Ortsumfahrungen

Die geplanten Ortsumfahrungen für Offenau, Ellhofen und Willsbach gehören zu den Projekten, für die in den nächsten sieben Jahren die Planungen beginnen.

Das geht aus der Priorisierungsliste hervor, die das Landesverkehrsministerium am gestrigen Dienstagabend bei der Straßenbaukonferenz 2018 in Stuttgart vorgestellt hat. "Man kann nicht alle Projekte gleichzeitig vorantreiben. Das führt zur Verschleppung aller Umsetzungsmaßnahmen", erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) dazu. 

Dutzende Projekte in Planung

Mit der Priorisierungsmethode sei die Landesregierung in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewesen und habe große Akzeptanz gefunden.

Demnach wurden alle Maßnahmen, die im sogenannten vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 gelistet sind, in Gruppen unterteilt. Derzeit plant die Straßenbauverwaltung des Landes aktiv an 47 Neu- und Ausbaumaßnahmen an Bundesfernstraßen in einem Gesamtvolumen von zirka 4,2 Milliarden Euro. Dazu gehört beispielsweise der vierspurige Ausbau der B 27 bei Neckarsulm. Daneben gibt es nun zwei weitere Gruppen. Für die erste ist der Planungsbeginn bis 2025 vorgesehen. Für die zweite Gruppe danach. Wann mit einem Baubeginn zu rechnen ist, bleibt allerdings weiter unklar.

Hoffnung in Obersulm

Für Ellhofen, Obersulm und Offenau bedeutet die Eingruppierung in die erste Gruppe, dass sich erstmals ein Zeithorizont für eine mögliche Umsetzung abzeichnet. "Klar ist, dass wir als Kommune großes Interesse an einer Umfahrung Willsbach haben", erklärt etwa Tilman Schmidt, Bürgermeister von Obersulm. Bisher zerschneidet die B 39 den Ort in zwei Teile. Deshalb freue er sich auch darüber, nun in die erste Gruppe aufgenommen worden zu sein.

Positiv sei zudem, dass die Umgehungen Willsbach und Ellhofen getrennt aufgelistet sind. "Wir wollten ohnehin versuchen, die zwei Maßnahmen, die im Bundesverkehrswegeplan als ein gemeinsames Projekt dargestellt wurden, nun wieder zu entkoppeln und damit die Planungen für Willsbach zu beschleunigen." In der Priorisierung steht Willsbach unter sechs geplanten Ortsumfahrungen im Regierungsbezirk Stuttgart auf Rang drei.

Zurückhaltung in Ellhofen

Ellhofen folgt auf Rang vier. Dort waren in den vergangenen Monaten vermehrt kritische Stimmen von Anwohnern laut geworden, die eine Umfahrung direkt an der bestehenden Wohnbebauung vorbei verhindern wollen. Die Gemeinde hatte daraufhin ein Gutachten in Auftrag gegeben, um verschiedene Varianten zu untersuchen. Der Gutachter bestätigte die Bedenken und warnte vor der bisher vorgesehenen südlichen Variante mit Tunnel durch den Ketzersberg. Stattdessen erschien ihm eine Untertunnelung der bestehenden Bundesstraße sinnvoller. Alle Varianten waren allerdings deutlich teurer als die 26,8 Millionen Euro, die im Bundesverkehrswegeplan für die Umfahrung veranschlagt sind.

Die besten Chancen hat Offenau

Auf dem Papier weiter fortgeschritten sind die Pläne für Offenau, das die Priorisierungsliste anführt. Doch auch hier herrscht nicht uneingeschränkte Freude über die Pläne des Bundes, denn die B 27 sieht man dort auch als Frequenzbringer für die vielen Geschäfte. Offenbar haben sich viele mit der Beschränkung auf Tempo 30 angefreundet. Aktiv eingefordert wird die Umfahrung jedenfalls nicht.

Viel Verkehr auf der B27

Der Verkehr auf der Bundesstraße 27 zwischen Heilbronn und Offenau kommt regelmäßig zum Erliegen. Zu viele Fahrzeuge versuchen täglich, auf der zweispurigen Straße voranzukommen. Die Ampelanlage in Jagstfeld ist Staufalle Nummer eins auf der Strecke. Die Ortsumfahrung Jagstfeld wurde in den Bundesverkehrswegeplan mit aufgenommen.

Um schneller zu einer Lösung zu kommen, hat die Stadt Bad Friedrichshall allerdings eine Planung auf eigene Kosten erstellt. Ziel ist, die B 27 bei Jagstfeld tieferzulegen und darüber einen Kreisverkehr zu bauen. Dass die Ortsumfahrung nun keine realistische Chance auf Umsetzung über den Bundesverkehrswegeplan mehr hat, ist für Bürgermeister Timo Frey die "logische Konsequenz".

Er geht davon aus, dass der Baubeginn für den Umbau des Knotenpunkts 2022 erfolgt. Mit dem Land steht er in Verhandlungen, dass gleichzeitig der Neubau der Jagstbrücke Richtung Duttenberg und eine Optimierung des Abzweigs nach Duttenberg erfolgt. cgl