Ratlosigkeit und Wut nach Anschlag auf Moschee in Lauffen

Lauffen  In der Nacht zum Freitag haben Unbekannte drei Brandsätze in das Gebäude der Islamischen Gemeinde in Lauffen geworfen. Am Freitagabend fand in der Stadt eine ökumenische Mahnwache statt.

Von Heike Kinkopf

Der Brandanschlag auf die Räume der Islamischen Gemeinschaft in Lauffen ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Mitglieder der Gemeinschaft zeigen sich ratlos, besorgt und aufgebracht. Sie fragen sich: Wer steckt hinter der Tat? Was ist das Motiv? Als einen „Schock für Lauffen“ bezeichnet Axel Jäger, stellvertretender Bürgermeister, die Tat.

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„Es ist das erste Mal, dass so etwas passiert“, sagt Yasar Tokmak und schüttelt fassungslos den Kopf. Tokmak ist Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) in Lauffen und steht am Freitagmittag mit anderen Mitgliedern vor dem langgezogenen Gebäude an der Seestraße. Im Erdgeschoss befinden sich die Gebetsräume für Männer und Frauen, weitere Zimmer für den Koran-Unterricht der Kinder sowie eine Wohnung für den Imam. In den Etagen darüber gibt es etwa 45 Wohnungen.

 

 

„Ich weiß nichts, deswegen kann ich auch nichts sagen“, meint Tokmak zu den möglichen Hintergründen des Brandanschlags. Zwischen 150 und 200 Mitglieder zähle die IGMG in Lauffen, die Männer, Frauen und Kinder kommen aus der Stadt und aus der Umgebung.

Ein Anschlag mitten in der Stadt

Aufgebracht ist Zelkif Cakmak, der nach eigenen Angaben seit 40 Jahren in Deutschland und seit 15 Jahren in Lauffen lebt. „Es sind ja nicht nur wir, sondern auch die Familien betroffen“, sagt er und weist mit der Hand auf die Wohnungen in dem Gebäude. Was Cakmak besonders in Rage bringt, ist die Dreistigkeit der Täter. Diese werfen drei Brandsätze, obwohl sich das Polizeirevier in unmittelbarer Nachbarschaft der Moschee befindet.

„Es ist unglaublich, dass so etwas in so einer kleinen Stadt passiert“, sagt der Lauffener Orhan Özer, „dass etwas in Großstädten geschieht, hört man immer mal wieder.“ Ähnlich empfindet es Bürgermeisterstellvertreter Axel Jäger. Er verurteilt die Tat: „Dass Gewalt keine Konflikte lösen kann, ist doch klar.“ Ein Brandsatz im Moscheegebäude sei genauso, als würde man einen Anschlag auf die evangelische oder katholische Kirche verüben. Jäger verweist auf Integrationsbemühungen. Die Islamische Gemeinschaft beteilige sich zum Beispiel bei der Aktion „Gemeinsam Lauf(f)en“. Eine Initiative für Toleranz in Gesellschaft und Religion. 

Ein Augenzeuge berichtet

Einer, der den Anschlag in der Nacht miterlebt, ist Etem Toker. Der Imam aus der Türkei ist seit etwa vier Wochen Gast in Lauffen. Er solle die Gemeinschaft für kurze Zeit unterstützen, sagt Vorstandsmitgliede Yildiray Varol. Toker und seine Frau schliefen im Gebäude, als Lärm sie kurz vor 2 Uhr weckte. Toker habe an einen Verkehrsunfall gedacht. Er stand auf, sah den Rauch im Flur und rettete sich mit seiner Frau ins Freie. „Es ist alles okay, es ist uns nichts passiert“, sagt Toker auf Türkisch, Varol übersetzt.

Was steckt hinter dem Anschlag? „Dazu etwas zu sagen, wäre falsch“, will Orhan Özer sich nicht an Spekulationen beteiligen. Dilek Kinik aus Bad Friedrichshall, die wegen des Vorfalls nach Lauffen gekommen ist, glaubt: „Das geht gegen den Islam.“ Kaum eine Notiz von der Attacke nimmt eine Hausbewohnerin, die vom Einkauf zurückkehrt. Sie habe nichts mitbekommen, sagt sie und nennt den Anschlag „grausam“. Es sei „leider Gottes“ nichts Ungewöhnliches, meint ein 42 Jahre alter Bewohner. Anschläge passierten immer wieder in Deutschland. Das Vorkommnis in der Nacht verunsichere ihn jedoch nicht.

Spontane Mahnwache

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Mehrere Dutzend Menschen versammeln sich am Freitagabend zu einer Mahnwache in Lauffen. Die spontane Kundgebung wird organisiert unter anderem von einzelnen Mitgliedern des Arbeitskreises Asyl und der Eine-Welt-Initiative. Ziel sei es, „schnell ein Gegenzeichen zu setzen“, sagt Mitorganisatorin Verena Niethammer. Die Teilnehmer halten Kerzen in den Händen, es gibt kurze Redebeiträge und es wird Tee ausgeschenkt.