Rad, E-Bike, Auto, Bahn: Wer ist am schnellsten im Berufsverkehr?

Region  Stau, ausgefallene Bahn oder eine gesperrte Straße können den Weg zur Arbeit verderben. Wir haben die Strecke zwischen Bad Friedrichshall und Heilbronn getestet: Es macht einen Unterschied, mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist.

Von unserer Redaktion

Wie lange braucht man mit dem Rennrad (blau), mit dem Pedelec (hellblau), mit dem Auto (rot) und mit der Stadtbahn (orange) zur Arbeit? Wir haben es ausprobiert. Klicken Sie auf die Karte, um das Pendler-Rennen nachzuverfolgen.


Fahrrad, E-Bike, Auto oder Bahn: Wer macht auf den meist frequentierten Pendlerstrecken der Region das Rennen? Für Bad Friedrichshall-Heilbronn ergab der Test einen knappen Sieger: Das Fahrrad hat das Auto haarscharf ausgestochen, der Bahnfahrer war weit abgeschlagen.
 
Stimme-Leser Timo Haberl war unserem Aufruf gefolgt und hat die Strecke vorgeschlagen. Regelmäßig pendelt er von seinem Wohnort in Kochendorf zur Arbeit in die Heilbronner City. Beim Wettrennen an einem Werktag morgens um 7.30 Uhr startete er fast außer Konkurrenz. Mit seinem Wettkampfrennrad war Haberl nicht zu schlagen.

Im Schlepptau hatte er vier Redaktionsmitglieder, die mit Cross-Rennrad, E-Bike, Auto und Stadtbahn ins Rennen gingen – ausgestattet mit Videokameras und GPS-Ortung auf dem Handy. Das Rennen sollte möglichst fair sein, dennoch gab es Unwägbarkeiten, wie die Erfahrungsberichte zeigen – von der Tür-Panne bis zur Parkplatzsuche.
 
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  1. Unterwegs mit dem Rennrad
    Für Fahrradfahrer ist die Strecke von Bad Friedrichshall-Kochendorf ins Heilbronner Stadtzentrum eine Wucht. Am Anfang ist es nur einmal nötig, aus den Pedalen auszuklicken, um die vielbefahrene Heilbronner Straße zu überqueren. Dann geht es unter den Gleisen hindurch an den Neckar auf den bestens ausgebauten Radweg. Das heißt freie Fahrt in landschaftlich reizvoller Umgebung bis zum Wehr südlich des Neckarsulmer Audi-Werks. Konstant Tempo 30 ist drin. Stimme-Leser und Rennradpendler Timo Haberl ist auf seiner Rennmaschine schon längst am Horizont verschwunden. Ansonsten geht es an diesem Morgen vergleichsweise ruhig zu auf dem Radweg. In Heilbronn angekommen, geht der schadenfrohe Blick zur parallel verlaufenden Neckartalstraße. Dort stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Radler nehmen den gut ausgeschilderten Weg ins Zentrum, am Bahnhof vorbei geht es zur erst dritten Ampel auf der gesamten Strecke. Vorsicht ist am Götzenturm geboten, wo sich Fußgänger-, Radler und Autoverkehr maximal verheddern. Am Wollhaus kommen Rennradler und E-Biker gleichzeitig an – kurz vor dem Autofahrer, der 50 Sekunden länger gebraucht hat. Recht sportlich war die Radelei in dem Tempo. Glücklich, wer am Arbeitsplatz Dusche und Umkleide hat.
  2. Unterwegs mit dem Auto
    Gemütlich setzen sich die Räder des VW-Kombi in Bewegung. Zuerst navigiert der Wagen in Kochendorf durch die 30er-Zone. Auf der B27 dann rote Lichter. Mit 40 Stundenkilometern rollt die Autokolonne Richtung Heilbronn. Es ist die neue Normalität im Straßenverkehr. Bei freier Fahrt wären 100 erlaubt. Einige fahren in Neckarsulm ab. Während im Radio 80er laufen, kommt nun der fünfte Gang zum Einsatz. Bis an die Heilbronner Stadtgrenze, dann beginnt der Ampelmarathon. Grüne Welle funktioniert nur mit Tempo 50. Solche Geschwindigkeiten sind um diese Zeit allerdings unerreichbar. Stattdessen nimmt man jede Rotphase mit. Das Linksabbiegen auf die Mannheimer Straße dauert und ist erst beim zweiten Grün zu schaffen. Auf der Allee erneut Stop and go, Stadtbahn und Fußgänger queren die Straße. Dann wird der Stellplatz in der Wollhausstraße angesteuert. Die Kostenfrage darf man beim Auto nicht stellen – sie ist kaum zu beantworten. Das gilt auch für für den Parkplatz. Wenn der Arbeitgeber nicht dafür aufkommt, muss man in Heilbronn mit mehr als 50 Euro monatlich für einen Stellplatz rechnen. Müsste man jetzt nach einer kostenfreien Lücke suchen, wäre das Rennen verloren. Auf dem Weg zum Wollhaus wird klar: trotz vier Rädern kein Sieg fürs Auto.
  3. Unterwegs mit dem Pedelec
    Ob man die Strecke von Bad Friedrichshall nach Heilbronn mit dem normalen Rad oder dem Pedelec schneller bewältigt, das hängt von der persönlichen Fitness ab. An diesem Morgen bringt das E-Bike keinen zeitlichen Vorteil gegenüber den Rennradfahrern. Als durchtrainierter Radsportler war Timo Haberl trotz „angezogener Handbremse“ mit einigen Minuten Vorsprung am Ziel. Die Zeitersparnis beim Pedelec kommt später. Denn eine Dusche ist nach dieser halben Stunde entspannter Fahrt nicht notwendig – zumindest nicht bei frühlingshaften Temperaturen. Dafür kann man unterwegs die Landschaft genießen und kommt mit einem Lächeln im Gesicht zur Arbeit. Das alles spricht für dieses moderne Fortbewegungsmittel. Seine größten Stärken spielt es dann aus, wenn der Weg zur Arbeit nicht nur kurz, sondern auch hügelig ist. Selbstverständlich ist auch dieses Zweirad nur dann mit Freude zu gebrauchen, wenn das Wetter mitmacht. Die Anschaffungskosten sind nicht zu unterschätzen – unter 2000 Euro gibt es derzeit noch kaum gute Elektrobikes. Dazu sollte man die eine oder andere Wartung und Reparatur einplanen, wenn man es als Pendler nutzt. Immerhin: Die Stromkosten sind mit unter fünf Cent für die 13 Kilometer zu vernachlässigen.
  4. Unterwegs mit der Stadtbahn
    Spätestens nach dem Pendlervergleich unserer Zeitung von Bad Friedrichshall nach Heilbronn steht fest: Wer mit der Stadtbahn zur Arbeit fährt, muss die meiste Zeit mitbringen. Fußweg vom Startpunkt in der Bad Friedrichshaller Bachstraße bis zum Bahnhof Kochendorf plus Warten auf die Stadtbahn dauert fast schon halb so lange wie die gesamte Fahrtzeit der anderen Verkehrsmittel – egal ob Auto oder Fahrrad. Dazu kommt an diesem Morgen noch eine technische Panne, die noch einmal drei bis vier Minuten Zeit kostet: An der Haltestelle Neckarsulm gibt’s Probleme mit einer Tür, erklärt der Lokführer im Vorübergehen. André Götz aus Bad Rappenau fährt trotzdem jeden Tag mit der Stadtbahn zur Arbeit. „Der Zustand auf der Straße ist eine Katastrophe. Und es wird immer schlimmer.“ Seit er Stadtbahn fahre, sei er viel entspannter. Meist nutze er die Zeit, um ein Buch zu lesen. Auch der ökologische Aspekt sei ihm wichtig. „Die Stadtbahn ist wesentlich umweltfreundlicher als das Auto.“ Nach rund 50 Minuten ist das Ziel erreicht. Entspannt und ohne Staus. Dennoch: 50 Minuten für gut zwölf Kilometer ist nicht schneller als ein guter Langstreckenläufer. Und am Abend die gleiche Zeit nochmal zurück: Macht eine Stunde und 40 Minuten Pendelzeit.
     
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