Obstbauern und Wengerter finden kaum ein Mittel gegen den Frost

Region  Durch die frostigen Nächte im April drohen bei Weinlese und Obsternte erhebliche Verluste. Mit Frostkerzen, Beregnung, Hubschraubern und kleinen Feuern versuchen Landwirte die Schäden abzumildern - mit wenig Erfolg.

Von Janis Dietz

Frostkerzen im Odenwald
Mit Frostkerzen schützen Obstbauern ihre Plantagen.

Bei Marcus Föll ist derzeit Nachtschicht angesagt. Schließlich geht es darum, seine Obsternte gegen den Frost zu schützen. Vor allem die Mini-Kiwis sind sehr kälteempfindlich, berichtet der Obstbauer aus Ilsfeld. Zur ihrem Schutz brannten auch in der Nacht zum Freitag wieder rund 100 Frostkerzen. Die ganze Nacht läuft Föll durch die Anlage und prüft, ob die Temperatur über dem Gefrierpunkt bleibt. „Die letzten Jahre haben wir damit gute Erfahrungen gemacht“, sagt Föll. Doch weil es in der Nacht zum Donnerstag besonders kalt wurde, dürften auch seine Kiwis etwas abbekommen haben.

Besonders schlimm hat es die Früh-Erdbeeren getroffen. Obwohl der Obstbauer versuchte, die bereits blühenden Pflanzen zu schützen, dürfte der Ernteschaden bei rund 80 Prozent liegen. Wie es bei Äpfeln, Birnen und Sauerkirschen aussieht, kann er noch nicht einschätzen.

Hubschrauber und Hackschnitzel bringen wenig

Große Schäden und kaum ein Gegenmittel - so wie Marcus Föll ging es vielen Obstbauern und Wengertern in der Region in den vergangenen Nächten. Mit ungewöhnlichen Mitteln versuchten sie sich gegen drohende Ernteausfälle zu schützen. Bei Obersulm startete der Weinbauverband den Versuch, mittels Hubschraubern die frostige mit wärmerer Luft zu vermischen. Letztlich ohne Erfolg – es war einfach zu kalt. Ein Obstbauer aus Hohenlohe versuchte mit feststehenden Rotoren den gleichen Effekt zu erzielen.

Mehrere Obstbauern in der Region arbeiteten mit einer gezielten Beregnung der Pflanzen, um so die empfindlichen Blüten durch eine Eisschicht zu schützen. Durch die sogenannte Kristallisationswärme bleibt die vom Eis umschlossene Blüte vom Frost verschont.

 

 

Siegfried Weippert aus Pfedelbach-Oberohrn versuchte den Frost mit brennenden Holz-Hackschnitzeln aufzuhalten und so seine Äpfel zu schützen. „Wahrscheinlich ohne Erfolg“, wie der Obstbauer am Donnerstag enttäuscht feststellt. Der Rauch der brennenden Schnitzel sollte die Apfelplantage einhüllen und so für wärmere Temperaturen sorgen. Um rund ein Grad konnte Weippert auf diese Weise die Temperatur erhöhen, zu wenig bei bis zu -6 Grad. Viele Apfelblüten dürften zerstört sein.

Anwohner beschweren sich über Lärm und Rauch

Selbst in Öhringen ist der Hackschnitzel-Rauch noch zu riechen. Weippert erreichten die Beschwerden von Anwohnern, auch beim Polizeirevier Öhringen gingen am frühen Morgen sechs Anrufe ein - teils um sich zu beschweren, teils um auf das Feuer hinzuweisen. „Manche Anwohner haben sich gestört gefühlt, aber es ist nur eine Nacht“, wirbt der Obstbauer um Verständnis. Für viele Landwirte ist die Jahresernte in Gefahr.

„Die Stimmung ist genauso weit runter wie die Temperaturen“, sagt  Reinhold Fritz, Vorstandvorsitzender der Weinkellerei Hohenlohe. Es habe erhebliche Schäden bei den Weinbauern der Genossenschaft gegeben.

Feuerwehr muss ausrücken

Wo die Reben nicht geschützt wurden, sind die Schäden deutlich zu sehen.

Im Heilbronner Stadtgebiet meldeten mehrere Weinbauern Reisigfeuer in ihren Weinbergen bei der Feuerwehr an. Das sei mittlerweile gar nicht mehr verpflichtend, sagt Markus Widmann von der Feuerwehr Heilbronn. Zu oft waren Hinweise auf einen Brand fälschlicherweise abgetan worden, weil  die Feuerwehr dachte, dass es sich um ein angemeldetes Reisigfeuer handelte. So wurde auch die Feuerwehr im Landkreis Heilbronn zu zwei Einsätzen in Langenbrettach und Schwaigern gerufen, die sich vor Ort als Heizfeuer von Weinbauern entpuppten.