Neue Ausstellung im Museum im Schafstall eröffnet

Neuenstadt  So nah wie möglich an die Realität heranzukommen - darum geht es bei der Trompe-l'oeil-Malerei. Am Freitagabend wurde im Museum im Schafstall eine Schau dazu eröffnet. Sie wartet mit 170 Gemälden auf.

Von Anja Krezer

Man möchte am liebsten zugreifen und sich eine Erdbeere in den Mund stecken. Das Silberbesteck liegt vor einem, und man hört es klirren. Das Papier sieht aus, als ob es eben jemand zerknüllt hätte. „So nah wie möglich an die Realität heranzukommen“: Das ist für Grégory Asselbergh denn auch Herausforderung und Faszination zugleich an der Trompe-l’oeil-Malerei. Die Werke von Asselbergh und 19 weiteren hochkarätigen Künstlern aus Frankreich sind in Neuenstadt zu sehen. Am Freitagabend wurde die Schau „Trompe-l’oeil/Réalité“ im Museum im Schafstall eröffnet. 

Täuschend echt

Auch ein Landrat kann der Versuchung kaum widerstehen. „Ich stehe vor den Bildern und möchte am liebsten hinfassen: Ist das echt?“, sagt Schirmherr Detlef Piepenburg bei der Vernissage. Den anderen Gästen geht es ebenso. Ingeborg Richter aus Möckmühl zum Beispiel:  „Hier sind so viele Dinge, die ich nie für ein Bild halten würde.“ Täuschend echt:  Darum geht es bei der Trompe-l’oeil-Malerei, zu deutsch: trügerischer Schein, optische Täuschung. 

Künstler der 1960 in Frankreich gegründeten Trompe-l’oeil-Bewegung müssen Perfektionisten sein  -  oder wie es Janine Mielcarek, Delegierte der Société Académique Arts-Sciences-Lettres, in ihrer Einführung in die Schau formuliert: „Sie müssen sich dem Wahnsinn hingeben.“ Nur wer peinlich genau arbeitet, erzielt maximale Wirkung. 

Hände im Zaum halten

Ein Jahr lang hat Ludovic Bottosso aus Nimes an seiner 1,46 mal 1,14 Meter großen „Reise in die Antike“ gemalt. „Ich brauche Pausen dazwischen, denn man muss sehr konzentriert sein.“  Das Ergebnis: Man möchte den matt schimmernden Globus am liebsten drehen und den Zeus-Kopf am liebsten berühren. Und stets muss man seine Hände im Zaum halten. 13 Werke zeigt der 39-Jährige in Neuenstadt. Wie entscheidet Bottosso, welche Objekte zusammen auf ein Bild kommen  - Playmobilfiguren etwa, Muscheln oder Papier? Schwer zu erklären: „Die Objekte sprechen zu mir, und ich versuche sie dann zu kombinieren.“

Im Winter 2012/13 waren tausende Besucher von der ersten Trompe-l’oeil-Schau im Schafstall begeistert. Deshalb hat Museumsleiter Hubert Sawatzki erneut seine Kontakte nach Frankreich genutzt. Jetzt sind 170 Gemälde aus-gestellt. Nur fünf davon waren bereits beim ersten Mal zu sehen. Zwölf Künstler sind eigens zur Schau aus Frankreich angereist, die Anne Kox-Schindelin an der Harfe und Anne Rüttiger auf der Querflöte als Duo Sicilianne feierlich-heiter umrahmen. 

Liebe zum Leben

Die Künstler malen – meist in Öl - Gegenstände des Alltags: Grégory Asselbergh zum Beispiel hat Pfeifen, Schachfiguren, Weizenähren, Streichhölzer, Schatullen und vieles andere mehr zu seinem  Bild „Kuriosenkabinett“ komponiert. „Dem Alltag wird hier Wertschätzung und Farbe gegeben“, betont Neuenstadts Bürgermeister Norbert Heuser. Künstler Daniel Solnon beschreibt es so: „Trompe-l’oeil bezeugt die Liebe zum Leben.“

Weil alles so echt wirkt, schaut der Betrachter ganz genau hin – und entdeckt dabei erst das Humorvoll-Hintersinnige, das typisch für die Trompe-l’oeil-Malerei ist.  Asselberghs Gemälde etwa ist gar kein Triptychon, wie es zunächst scheint: Der linke Flügel ist gemalt.  Nur wer ganz dich herangeht, erkennt, dass Max Vauquelin sich auf einem seiner Bilder gleich mehrfach selbst verewigt hat: als Spiegelung auf einer Glaskugel etwa.

Die Ausstellung ist bis 28. Januar 2018 immer mittwochs und sonntags von 10 bis 17 Uhr und nach telefonischer Absprache unter 07139 3924 zu sehen. Sonntags um 11 Uhr gibt es Führungen. Gleichzeitig gezeigt wird die Sonderausstellung mit 14 Truhen und Tresoren aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Weitere Infos: www.museum-im-schafstall.