Minister fordert: Schluss mit Bauernbashing

Ilsfeld/Region  Auf dem Regio-Bauerntag in Ilsfeld haben 400 Teilnehmer am Freitag über aktuelle Probleme der Agrarpolitik diskutiert. Landwirtschaftsminister Peter Hauk war als Gastredner geladen.

Von Alexander Hettich

Minister fordert: Schluss mit Bauernbashing

Insektensterben, Nutztierhaltung, Glyphosat: Viele Landwirte sehen sich in der öffentlichen Debatte zu Unrecht in die Rolle des Sündenbocks gedrängt. "Das macht mich stinksauer und wütend", sagte Eberhard Zucker, Vorsitzender des Kreisbauernverbands (KBV) Heilbronn-Ludwigsburg am Freitag beim Regio-Bauerntag in Ilsfeld. Landwirtschaftsminister Peter Hauk mahnte als Gastredner einen fairen Umgang an: "Es muss Schluss sein mit dem Bauernbashing."

Bauern sehen sich als Prügelknaben

Wer die Debatte um das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat verfolge, komme zu dem Schluss, "die ganze Bundesrepublik ist biologisch mausetot", polemisierte Zucker vor 400 Zuhörern in der Tiefenbachhalle Auenstein. Landwirte sähen sich für alle möglichen Missstände an den Pranger gestellt.

Minister Peter Hauk (links) und Eberhard Zucker, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg

Dabei würde vergessen, dass Bauern für ausreichend günstige Lebensmittel aus regionaler Produktion sorgten, dass sie auch durch Pflanzenschutz die Ernten sicherer machten und einen "verantwortungsbewussten Umgang" mit Tieren pflegten, sagte der KBV-Vorsitzende. Er habe es satt, "Prügelknabe für eine bestimmte ökologische Ausrichtung zu sein". Landwirte, unterstrich Zucker, seien bereit für Veränderungen und bereit zum Dialog: "Die Gespräche müssen aber auf Augenhöhe stattfinden und nicht wie der eines Richters zum Angeklagten."

Es gebe nicht den einen Schuldigen, "schon gar nicht die Landwirtschaft", sprang Minister Peter Hauk (CDU) den Bauern bei. Beim Insektensterben etwa seien die Ursachen gar nicht ausreichend erforscht. Artenvielfalt sei grundsätzlich nicht nur Sache der Landwirtschaft, "sondern auch der Kommunen und jedes privaten Hauseigentümers", sieht er eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wer etwa die Hecken vor dem eigenen Haus durch einen Steingarten ersetze, dürfe nicht auf die Landwirtschaft schimpfen, sie gefährde die Biodiversität.

Hauk: Differnezierter weg bei Pflanzenschutz

Rund 400 Besucher kamen zum Kreisbauerntag nach Ilsfeld-Auenstein.

Beim Pflanzenschutz warb Hauk für einen differenzierte Kurs. Er wolle den Einsatz chemischer Mittel reduzieren - "Wir müssen aber die Alternativen darstellen." Die könnten seiner Ansicht nach etwa im Einsatz von Nützlingen liegen oder bei Unkraut-Hacken, die per Satellit gesteuert werden. "Der technische Fortschritt", so Hauk, "muss auch für kleine Betriebe nutzbar gemacht werden."

Die Betriebe will er in die Pflicht nehmen, wenn es darum geht, massive Ausfälle wie durch die Frostschäden im Vorjahr abzufedern. Das Land habe 50 Millionen Euro an Hilfen bereitgestellt. "Wir werden das nicht zehnmal hintereinander machen können." Hauk ist für eine sogenannte Mehrgefahrenversicherung, die Schäden infolge des Klimawandels abfängt und von Staat wie Landwirten gemeinsam finanziert wird.

Angst vor der Afrikanischen Schweinepest geht um

Minister fordert: Schluss mit Bauernbashing

Schweinehalter fürchten derzeit vor allem ein Szenario: Die Afrikanische Schweinepest könnte verheerende Schäden anrichten, wenn sie auch hierzulande ausbricht. Hauk kündigte ein Maßnahmenpaket an, das er in wenigen Wochen vorstellen will. Dabei werde es auch darum gehen, die Wildschwein-Population einzudämmen.