McDonald’s nicht erwünscht

Brackenheim  Mitglieder der Bürgerinitiative „Bürger gegen Burger“ wollen verhindern, dass sich in ihrer Stadt eine Filiale der Fast-Food-Kette McDonald's ansiedelt.

Von Birgit Riecker

Brackenheim: Teilnehmer der Initiative "Bürger gegen Burger" v.l. Jürgen Matthies, Petra Auchter, Luca Matthies, Eberhard Eisenbeiß, Pia Neumann, Angela Seeg, Lenia Römer, Edith Reuss und Beate Eisenbeiß-Wittich.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Bürger gegen Burger“ stehen ziemlich unter Strom. „Mit so viel Aufmerksamkeit haben wir nicht gerechnet“, staunt Jörg Neumann. Der ausscheidende Stadtrat der Liste 21 koordiniert die Initiative gegen die Ansiedlung einer Fast-Food-Kette im ehemaligen Bleyle-Areal, die derzeit von DPA, dem SWR und jetzt sogar dem ZDF angefragt wird. Die Stimme hat über dieses Thema schon mehrfach berichtet.

„Wir haben keinen Sprecher oder Kopf, wir sind alle gleichberechtigt“, betont Petra Auchter, die zu den rund 30 Aktiven gehört. Gefunden habe sich die Initiative, als im Januar erste Gerüchte über einen McDonald‘s in Brackenheim in Umlauf gerieten. „Wir haben uns als Nachbarn einen Termin beim Bürgermeister geben lassen“, berichtet Beate Eisenbeiß-Wittich, „und dann festgestellt, dass Eltern von der Schule das gleiche Ansinnen hatten“.

Schnell herrschte Einigkeit darüber, warum eine große Fast Food-Kette nicht zu Brackenheim passe. „Und dann wollten wir eigentlich nur zeigen, dass nicht alle dafür sind“, sagt Petra Auchter.

Liste

Daraus hat sich dann eine Unterschriften-Aktion entwickelt, die viele ansprach. Die Mail-Liste der Aktiven wachse täglich. „Wir wollen die Unterschriftenlisten am Donnerstagabend im Gemeinderat übergeben“, erklärt Jörg Neumann. „Es sind über 2300 zusammen gekommen.“ Die Einwegverpackungen würden die Stadt vermüllen, befürchtet Pia Neumann. „Das sieht man heute schon auf dem Weg zwischen der Schule und dem Rewe“, ergänzt Lenia Römer.

Die beiden Schülerinnen sind sich einig: „Wir wollen einen Treffpunkt mit besserer Atmosphäre, wo wir auch selbst aktiv sein können“, sagen sie. Angela Seeg stimmt ihnen zu: „Etwas für Kinder und Jugendliche tun, kann nicht bedeuten, sie mit einem McDonald‘s abzuspeisen.“

So sehen das auch Luca und Jürgen Matthies: „Viele Jugendliche gehen abends auswärts, weil es keinen ansprechenden Treff gibt.“ Sie fürchten auch die Zunahme des Verkehrs. Und Pia Neumann meint, dass ein McDonald‘s die Innenstadt weiter ausbluten lasse. „Da fährt doch anschließend keiner rein“, sagt sie. Jörg Neumann ergänzt: „Das ist doch kein Magnet für die Touristen, die die Heuss- und Weinstadt besuchen wollen.“

Arbeitsplätze

Volker Bohn hält nichts von dem Argument, dass dort Arbeitsplätze geschaffen werden. „Die sind so schlecht bezahlt, dass es dem Hartz IV-Satz entspricht“, sagt er. Edith Preuss ist überzeugt, dass Burger nicht zukunftsfähig sind. „Heute wissen doch viele Jugendlichen gut Bescheid, was gesund für sie ist“, meint sie.

Eberhard Eisenbeiß war bei der Lokalen Agenda aktiv, als Vorschläge für die Zukunft der Stadt entwickelt wurden. „So stelle ich mir das auch für das Bleyle-Gelände vor: Bürger, Verwaltung und Initiative entwickeln gemeinsam Ideen“, wünscht er sich. „Denn es gibt viele Möglichkeiten, die sinnvoller sind, wie beispielsweise einen gewerblichen oder städtischen Riegel vorne an der vielbefahrenen Maulbronner Straße und dahinter bezahlbaren Wohnraum.“

Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser bewertet die Sachlage anders. Er sagte schon Mitte März der Stimme: „Persönlich gehe ich nicht zu Mc Donald’s. Aber für die Stadt wäre es ein Gewinn.“ Davon ist der Bürgermeister felsenfest überzeugt. „Wenn McDonald’s bei der Stadt anklopft, dann hat es mit der Attraktivität von Brackenheim zu tun.“ Die Bedeutung der Heuss-Stadt werde dadurch unterstrichen. 

Bürgerbeteiligung

Ob und wie es zu einer Bürgerbeteiligung in Sachen „McDonald‘s in Brackenheim“ kommt, ist noch offen. Die Freie Wählerschaft Brackenheim (FWB) teilt mit, dass die Stadtverwaltung derzeit ihren Antrag auf einen Bürgerentscheid prüfe. Die Fraktion habe darum gebeten, diesen Tagesordnungspunkt in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend ab 19 Uhr zu beraten. Dieses Vorgehen sei mit der Bürgerinitiative nicht abgesprochen, heißt es dort. Aber selbstverständlich habe man nichts dagegen.